Karlsruhe Christoph Schnaudigel - Landrat

Seit mittlerweile vier Jahren lenkt Christoph Schnaudigel als Landrat die Geschicke im Landkreis Karlsruhe. Für ihn bedeutet das Halbzeit. Eine, mit der er insgesamt sehr zufrieden ist. "Wir sind gut aufgestellt", stellt er fest. "Wir haben eine gute Basis, die noch ausbaufähig ist." Als Leiter der Verwaltung geht Schnaudigel die Arbeit sowieso nicht so leicht aus. Den täglichen Aufgaben begegnet er grundsätzlich gelassen: "Für gute Entscheidungen braucht es Zeit. Es kann nicht alles am selben Tag erledigt werden."

Christoph Schnaudigel ist ein durch und durch politisch engagierter Mensch. Schon im heimischen Singen am Hohentwiehl war Politik ein entscheidendes Thema im Familienalltag. So war es auch kein Wunder, dass Schnaudigel selbst politisch wirken wollte - am liebsten in der Verwaltung. Der erste Schritt dorthin war das Jura-Studium. "Man ist überrascht über die vielen Möglichkeiten, die die Verwaltung bietet", erklärt der Landrat.

Kritikfähig und gelassen, auch ohne strikte Hierarchie

Nach seiner Tätigkeit im Regierungspräsidium und im Innenministerium in Stuttgart war er stellvertretender Landrat in Ludwigsburg. 2007 trat er die Nachfolge des verstorbenen Claus Kretz als Landrat in Karlsruhe an. "Es war eine Fügung, dass ich dieses Amt bekommen habe", erinnert sich Schnaudigel. Er sei gefragt worden, ob er sich diese Arbeit vorstellen könne und dann gewählt worden. "Man kann das nicht planen."

Der Kontakt mit den Menschen im Landkreis sei der schönste Aspekt seiner Arbeit. "Ich erfahre jeden Tag die Bandbreite aller Facetten, mit denen man in Berührung kommt und die einen im Leben bewegen", erläutert Schnaudigel. So ist er ständig im Landkreis unterwegs, um sich vor Ort aus erster Hand zu informieren. "Man kann so ein Amt nicht begleiten, wenn man den Kontakt nicht pflegt", ist er überzeugt.

Mit dem Rucksack drei Monate durch Ostafrika

Obwohl er eine Verwaltung mit rund 1.700 Mitarbeitern leitet, legt er im Umgang mit seinen Mitarbeitern keinen Wert auf Hierarchie. "Ich bin nicht unnahbar und durchaus kritikfähig", schmunzelt der Südbadener. Kritik muss er sich in seiner Position gefallen lassen. "Man muss in diesem Job damit rechnen, dass man nicht allen alles recht machen kann."

Als Landrat komme er nicht darum herum, auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen. In solchen Fällen könne er nur versuchen, die Gründe für die Entscheidung zu darzulegen. "Wenn man Kritik nicht erträgt, darf man keine Führungsposition übernehmen", stellt Schnaudigel klar. Ruhe und Besonnenheit sind für ihn wichtige Gebote im täglichen Umgang mit den Menschen und ihren Problemen.

"Mehr Gestaltungsspielraum und Kontakt zu den Menschen kann man sich nicht vorstellen"

Trotz seines durchstrukturierten Tagesablaufs mag Schnaudigel im Urlaub das Ungeplante. Schon nach dem Abitur schnallte er sich den Rucksack auf und verbrachte dreieinhalb Monate in Ostafrika. "Es musste unbedingt Tansania sein, denn Kenia war uns schon zu touristisch", erinnert er sich. Eineinhalb Monate lernte er Land und Leute kennen, bevor er den Rest der Zeit doch in Kenia verbrachte. "Da war die Infrastruktur einfach besser."

Nach wie vor fährt Christoph Schnaudigel im Urlaub ins Ausland und erkundet die Umgebung unabhängig von Reiseführern und Touristenpfaden. Ostafrika würde er gern wieder bereisen. Doch drei Monate Aufenthalt seien dieses Mal nicht machbar. So viel Urlaub hat auch ein Landrat nicht.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Zielstrebig, Offen, Humorvoll

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?
Unvoreingenommen auf Menschen zugehen zu können - und bestimmten kulinarischen Versuchungen nicht widerstehen zu können.

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Der frühe Vogel fängt den Wurm - eindeutig Lerche.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Als Kind wollte ich Zahnarzt werden, weil die Zahnarztkinder aus meiner Klasse zu Hause alle ein eigenes Schwimmbad hatten. Nachdem ich einsehen musste, dass dieses Bild nicht der Realität entsprach, war schnell klar, es sollte ein Beruf sein, bei dem man möglichst viel mit Menschen zu tun hat und etwas bewegen kann. Landrat zu werden kann man nicht planen, aber mein Amt kommt dem Traumberuf doch sehr nahe - auch wenn ich kein eigenes Schwimmbad habe.

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?
Die dreimonatige Tour auf eigene Faust durch Ostafrika nach dem Abitur.

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
Christoph Schnaudigel wird 100 - der Ex-Landrat erfreut sich noch bester Gesundheit.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf ein gutes Buch, weil es ebenso anregen wie entspannen kann.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Tyrannen, Terroristen, Selbstmordattentäter - alle, denen Menschenleben egal sind.

Wenn Sie Ihr eigener Mitarbeiter wären, was würde Ihnen besonders an sich auffallen?
Das man mit mir ganz normal umgehen kann.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts – wer wäre das?
Meine Frau.

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Ich würde die Monarchie sofort abschaffen, weil ich sie nicht für zeitgemäß halte.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Fuchs - weil er einen wachen Blick hat und mit einer listigen Schlauheit ausgestattet ist.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Das gute Klima, und das meine ich jetzt nicht nur meteorologisch. Und das kulturelle Angebot.

Deutschland gilt auch als das Land der Nörgler und Perfektionisten - Warum würden Sie dennoch einwandern?
Wegen des Lebensstandards, den demokratischen und kulturellen Errungenschaften, der Freiheit, die wir hier genießen dürfen. Ich möchte in keinem anderen Land der Welt leben.

Sekt oder Selters - welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?
Selters

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?
Mein Wille, gesund und fit zu bleiben sowie mein Ehrgeiz, auch den nächsten Marathon unter vier Stunden zu laufen.

Meer oder Berge - Action oder Entspannung im Urlaub?
Als einer, der am Bodensee aufgewachsen ist, liegt mir Wasser ebenso wie Höhen. Im Urlaub mag ich eher Entspannung und schaue mir gerne neue Gegenden oder Städte an, lese viel und erfreue mich an der jeweiligen Landesküche.

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?
Portugiesisch

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Das zu entscheiden liegt leider nicht in meiner Hand.

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