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Karlsruhe CSD Karlsruhe: Am Samstag wird die Innenstadt bunt - aber weshalb ist das wichtig?

In den Sommermonaten wird es auf den Straßen in vielen Städten weltweit farbenfroh und schrill: Der Christopher Street Day (CSD) soll auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aufmerksam machen. Auch in Karlsruhe wird der CSD gefeiert - am Samstag um 14 Uhr beginnt der Demonstrationszug durch die Innenstadt. Warum ist es noch immer wichtig, das Thema an einem Tag im Jahr in den Mittelpunkt zu rücken?

Der Christopher Street Day steht vor der Tür: Am Samstag ab 14 Uhr  wird der farbenfrohe Demonstrationszug quer durch die Karlsruher Innenstadt ziehen. Parallel dazu findet ganztägig auf dem Stephanplatz ein Fest mit Bühnenprogramm und zahlreichen Aufstellern statt. Doch worauf wird beim Christopher Street Day eigentlich aufmerksam gemacht und warum ist das in der heutigen Zeit noch nötig?

CSD Demoparade 2018
Christopher Street Day in Karlsruhe 2018. | Bild: Paul Needham

Der CSD ist gleichzeitig Gedenktag und politischer Protest: Der Tag soll an den Stonewall-Aufstand in New York aus dem Jahr 1969 erinnern. Damals wehrten sich Homo- und Transsexuelle zum ersten Mal gegen die Polizeiwillkür in der Christopher Street - einer Straße im New Yorker Lesben- und Schwulenviertel. 

Der CSD hat noch immer eine politische Botschaft

Auch wenn seitdem viele Länder große Schritte in Richtung der Gleichstellung sexueller Minderheiten gegangen sind, trägt der Christopher Street Day auch heute noch eine politische Botschaft. Der CSD in Karlsruhe steht jedes Jahr unter einem anderen Motto - und rückt so ein anderes Feld der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt ins Licht.

CSD Demoparade 2018
Regenbogenfarben auf dem CSD Karlsruhe 2018. | Bild: Paul Needham

Nachdem im vergangenen Jahr mit "Verliebt, verlobt, verfolgt" das Augenmerk auf die Situation von homo- und transsexuellen Menschen außerhalb Deutschlands gelegt wurde - geht es in diesem Jahr um das Thema Geschlecht. Denn das Motto lautet: "Geschlecht: Ja, nein, vielleicht - wieso?"

Erster CSD in Karlsruhe vor 20 Jahren

"Wir wollen den Blick darauf lenken, dass das Geschlecht oft an Stellen thematisiert wird, an denen es überhaupt keine Rolle spielt - zum Beispiel muss man in so vielen Kontaktformularen Angaben zu seiner Geschlechtsidentität machen", sagt Felix Pfefferkorn vom CSD Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news. Menschen, die ein anderes Geschlecht als männlich oder weiblich für sich in Anspruch nehmen, würden dabei dauerhaft zum Outing gezwungen werden.

CSD Demoparade 2018
Bild: Paul Needham

 

Der erste Christopher Street Day in Karlsruhe ist nun genau 20 Jahre her - im Jahr 1999 war hier die erste Demonstration für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Das war damals allerdings für viele Jahre das erste und einzige Mal, denn erst seit 2011 gibt es den CSD in Karlsruhe regelmäßig. 

Demozug startet um 14 Uhr 

Auch am kommenden Samstag, 1. Juni, kommt die bunte Bewegung wieder in der Fächerstadt zusammen: Der Demonstrationszug soll um 14 Uhr am Stephanplatz beginnen, dann zuerst über die Kaiserstraße ein Stück in Richtung Oststadt und über Erbprinzenstraße zurück zum Stephanplatz laufen. Während die Parade durch die Innenstadt zieht, werden die zahlreiche Tram- und Stadtbahnen umgeleitet. 

Dateiname : Umleitungen CSD
Dateigröße : 121.03 KBytes.
Datum : 31.05.2019 16:16
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Kurz bevor die Demonstration ihren Start- und Endpunkt wieder erreicht, wird sie vor der katholischen Kirche St. Stefan vorbeiziehen. Neben der Parade werden dort von 11 bis 22 Uhr Essens- und Getränkeständen sowie Informationsstände verschiedener Vereine und Gruppierungen zu finden sein.

 

"Der von Gott geliebte Mensch im Mittelpunkt"

Wie steht die katholische Kirche in Karlsruhe zum Christopher Street Day? "Es ist wichtig, dass der von Gott geliebte Mensch in den Mittelpunkt gerückt wird", sagt Tobias Tiltscher, Öffentlichkeitsreferent der katholischen Kirche in Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news. "Aber natürlich gibt es auch innerhalb einer Kirche verschiedene Strömungen, die einen etwas anderen Blickwinkel haben."

CSD Demoparade 2018
Christopher Street Day in Karlsruhe 2018. | Bild: Paul Needham

Dennoch: In den letzten Jahren hat sich schon viel getan. Vor rund zwei Jahren beschloss beispielsweise der deutsche Bundestag, die Ehe auch für gleichgeschlechtlich liebende Paare zu öffnen. "Es ist schon viel erreicht in Deutschland, auf der anderen Seite birgt das aber die Gefahr des Sich-Zufrieden-Zurücklehnens", sagt Felix Pfefferkorn vom CSD Karlsruhe.

"Die rosa-hellblaue Falle schnappt schon früh zu"

Denn: "Menschen, die sich nonbinär empfinden, werden weiterhin an den gesellschaftlichen Rand gedrängt," so Pfefferkorn weiter. "Die rosa-hellblau-Falle schnappt schon im Kindergarten zu, wo die Jungs mit dem Bagger spielen - und die Mädchen mit dem Schminkset."

Gleichstellung von Homosexuellen in Deutschland: Der Weg zur Öffnung der Ehe

Der 1. Oktober 2017 war für viele Homosexuelle ein besonderer Tag: Gleichgeschlechtliche Paare konnten sich - zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands -  das Ja-Wort geben. Doch der Weg bis zur Öffnung der Ehe war lang.

Seit 2001 gab es in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit, ihrer Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben - mit der sogenannten "eingetragenen Lebenspartnerschaft". Sie war jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Heirat, denn sie umfasste längst nicht alle Rechte einer Ehe.

In den Jahren danach klagten viele homosexuelle Paare vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerG) in Karlsruhe gegen diese Ungleichbehandlung. Die Lebenspartnerschaft wurde mit jeder neuen Entscheidung des BVerG der Ehe mehr und mehr gleichgestellt: 2010 bei der Erbschaftssteuer, 2012 beim Familienzuschlag und 2013 bei der Sukzessivadoption und dem Ehegattensplitting. 

Im Jahr 2017 war es dann soweit: Der Bundestag verabschiedete das Gesetz zur Öffnung der Ehe - der sogenannten "Ehe für alle". Die SPD, Linken und Grünen stimmten geschlossen dafür. Die CDU hatte den Fraktionszwang aufgehoben und rund ein Viertel der Unionsabgeordneten stimmte für das Gesetz. Seitdem lauten die Zeilen des Paragraphen 1353 des BGB: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

 

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  •   malerdoerfler
    (5895 Beiträge)

    02.06.2019 15:40 Uhr
    Gutes Wetter hatten die ja
    und ihren Spaß scheinen sie wohl auch gehabt zu haben.
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  •   melotronix
    (2934 Beiträge)

    01.06.2019 14:40 Uhr
    was soll das bashing...
    gegen eine bunte Demonstration. Dort wird niemand genötigt.
    Und an die auf einmal so Lärm- und visuell empfindlichen Menschen:

    z.B. ein Faschingsumzug und dessen Auswirkungen ist schon ins Blut übergegangen
    und scheint niemanden zu stören.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1297 Beiträge)

    02.06.2019 12:00 Uhr
    Das ist was ganz Anderes!
    Fasching ist befohlener Feier- und Fröhlichkeitstag. Da ist es zu kalt um in so neckischen Kostümchen rumzurennen, des Wetter ist idR mies und überall gibt es die bewusstseinserheiternde Droge Alkohol, ohne diese man die ganze Narretei gar nicht aushalten könnte. Und nun der CSD bei idR wärmeren Wetter, viele nutzen die Gunst des kuschelig-warmen Klimas, rennen schamloser rum als die Funkenmariechen und dann komme ich armer, alter, heteronormativer Spießer völlig unvorbereitet und ohne medikamentöse Vorbehandlung in so was rein, denn Fasching ist wesentlich weiträumiger abgesperrt und daher erfolgt die Vorwarnung schon viel früher. Da kann man sich viel besser verstecken und muss einfach nur abwarten bis das dutzend Fahrzeuge der Stadtreinigung, das offizielle Ende des Zuges, vorbei kommt. Auch das gibt es beim CSD nicht.
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  •   Avatar
    (249 Beiträge)

    02.06.2019 13:00 Uhr
    Oh je
    Ich hoffe Sie haben keinen permanenten Schaden erlitten?

    Die Stuttgarter sind da weit weltoffener, da mischen sich viele "Normalos" unter die Feiernden. Und es macht ihnen Spaß und tut gar nicht weh 😉
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  •   redaktion
    (1206 Beiträge)

    01.06.2019 13:41 Uhr
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  •   Mondgesicht
    (2159 Beiträge)

    01.06.2019 08:56 Uhr
    Unsere Innenstadt
    ist doch immer bunt.
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  •   teflon
    (2722 Beiträge)

    01.06.2019 10:39 Uhr
    Das mag schon sein-
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   marycarefree
    (492 Beiträge)

    01.06.2019 10:46 Uhr
    "Saturdays for Temperature"
    ... von wegen Klimawandel...
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  •   silberahorn
    (9995 Beiträge)

    01.06.2019 07:23 Uhr
    Rechtschreibfehler
    holen mich auch immer wieder ein, wenn ich mich aufrege. Eigentlich entbehrt es aber auch keiner Komik, wenn in "Finanzgebaren der Stadt Karlsruhe" ein "h" rutscht und es somit an eine Bahre erinnert.

    Ich bin gespannt, ob ich wegen meiner Hinweise weiter unten von ka-news abgemahnt werde. Ich habe in meiner Betroffenheit nicht nachgedacht, ob etwas themenfremd sein könnte.
    Allerdings möchte ich ergänzen, dass "personelle Konsequenzen" wegen einer dahergeschwätzten Meinung, die man ansonsten gar nicht kennen könnte und es womöglich anders zu spüren bekäme, auch zu Eskalationen führen können. Wieso kann man die Betroffenen nicht zu einem Meinungsaustausch laden und dabei klären, ob eine Einsicht herauskommen kann?
    Das bezog sich auf den Vorfall bei der KVV, der heute groß mit der Überschrift: "Schwulenfeindlichkeit in der Straßenbahn" im Südwestecho der BNN steht. Security-Firma zieht Konsequenzen nach Vorfall/ KVV entschuldigt sich.
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  •   silberahorn
    (9995 Beiträge)

    01.06.2019 07:30 Uhr
    Was mich angeht
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++

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