Boris Yoffe: Komponist

Er wird von namhaften Musikern gern mit Bruckner (Mystik), Palestrina (Polyphonie) und Schubert (Innerlichkeit) verglichen. Der Komponist Boris Yoffe selbst gibt höchstens zu, dass er sich mit der Intonation von Osip Mandelstamms Poesie verwandt fühlt. Ab 1990 studierte er in Israel Violine und Komposition. Zehn Jahre später zog es ihn wegen seines Studienabschlusses nach Karlsruhe, wo er seither lebt. Mehrere musikalische Gedichte aus Yoffes metaphysischen Quartettbuch wurden bereits aufgenommen und in Deutschland, Schweiz, Russland, Finnland und Israel aufgeführt. Seine kammermusikalischen Kompositionen wurden auch auf mehreren Musikfestivals gespielt, unter anderem bei der Münchener Biennale und bei den Europäische Kulturtage in Karlsruhe.

"Ich glaube, dass ein echter, gelungener künstlerischer Text ein solcher ist, der seinem Wahrnehmenden eine praktische, lebendige Auseinandersetzung mit der für ihn aktuellen metaphysischen Problematik ermöglicht. Ich denke, dass diese Art von Erlebnis gemeint ist, wenn wir von ästhetischem Erleben sprechen. Als Leser, Zuhörer und Zuschauer habe ich vielen Künstlern solche Art von Erleben zu verdanken. Als Komponist möchte ich dieses Erleben ermöglichen."

Yoffe hatte auch das Glück während des Studiuma einige großartige Musiker kennen zu lernen, unter anderem Adam Stratievsky und den Karlsruher Wolfgang Rihm. Der verheiratete Vater von vier Kindern war Stipendiat verschiedener Stiftungen. Im Jahr 2000 wurde ihm der Preis der Bayerischen Akademie der schönen Künste verliehen. Seine Kompositionen wurden mehrfach von Rundfunksendern wie BBC, SWR, Radio France und DRS aufgezeichnet und auf CD gebrannt.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Eigenwillig und kritisch.

Was ist Ihre größte Stärke?
Fantasie.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Mangel an Toleranz.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Musik war von Anfang an die verständlichste Sprache für mich und natürlicherweise ist sie es auch heute geblieben. Ich glaube aber nicht, dass ich überhaupt irgendwann von einem Beruf geträumt habe; mit Musik Geld zu verdienen schien mir eher immer unattraktiv.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Besser Klavier zu spielen.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Die Vorliebe zur Ordnung. Ein Nachlass der sowjetischen Armee.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf das Klavier, weil ich es liebe.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Antisemiten.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Mein Lehrer Adam Stratievsky. Er ist ein Mensch, der immer er selbst bleibt.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musikstück: Die Fünfte Sinfonie von Bruckner. Interpret: Wladimir Horowitz. Film: "Fanny und Alexander".

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Gedichte von Andrej Platonow.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Affe.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Am liebsten meine vierjährige Tochter: sie hat ein aufregendes Leben.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Ich habe tatsächlich Zuneigung zu Karlsruhe. Es ist weder süßlich, wie eine Kleinstadt, noch gleichgültig, wie eine Großstadt. Ich glaube auch, Karlsruhe hat ein gutes Potential als Kulturort.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Vielleicht doch ein bisschen weniger "Einkaufsparadies".

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Leider kenne ich kaum die intellektuelle Elite in Karlsruhe. Unter Musiker, die ich hier kenne, gibt es bestimmt einige helle Köpfe. Ich möchte sie aber lieber nicht nennen, um der Gefahr, jemanden zu vergessen, zu entgehen. Von den Menschen, die man so im Fernsehen sieht, fand ich immer Herrn Fischer sympathisch und auch den Journalisten Herrn Scholl-Latour.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Dazu bewegen und das habe ich gemacht: die Verbundenheit mit der deutschen Musik. Davon abzuhalten die Gedanken über den Holocaust.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Die, die ernsthaft für Bildung und Kultur stehen.

Wie und wo möchten Sie sterben?
In Israel und noch nicht zu bald: das würde bedeuten, dass es diesen Staat dann noch gibt.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich hoffe, dass ich auf der Erde bleibe, wenn man meine Musik weiter spielt.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Sie sind der Erste, der einen Kommentar schreibt – vielen Dank!
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben