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Karlsruhe Blaulichtfahrten in Karlsruhe: "Fahr langsam, wir müssen schnell da sein"

Baustellen, Umleitungen und Automassen, die sich durch Karlsruhe Straßen drücken. Als ob der Straßenverkehr in der Fächerstadt nicht schon unübersichtlich genug wäre, kommen bei Einsatzfahrten von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen erschwerte Bedingungen und Stresssituationen hinzu. Erst an Ostern kam es während einer Einsatzfahrt der Polizei zu einem tragischen Unfall, bei dem eine junge Frau ums Leben kam. Doch nicht nur die Polizei ist mit Blaulicht und Martinshorn auf Karlsruhes Straßen unterwegs. ka-news hat sich mit Fahrern von Feuerwehr und Rettungsdienst sowie dem ADAC unterhalten.

Sowohl bei der Karlsruher Feuerwehr als auch beim Rettungsdienst ist die Devise eindeutig: "Blaulicht ein, Hirn aus" - das geht nicht! Für Florian Geldner, stellvertretender Amtsleiter der Branddirektion Karlsruhe und selbst Feuerwehrmann im Dienst, und Jürgen Schlindwein, Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) seit 1983, gilt bei Einsatzfahrten stets: Ganz oder gar nicht! Denn entweder Blaulicht und Martinshorn sind gleichzeitig eingeschaltet, oder keines von beidem, bestätigten Geldner und Schlindwein im Gespräch mit ka-news.

Blaulichtfahrten: Sicherheit steht im Mittelpunkt

Jede Fahrt berge ein erhebliches Risiko, stimmen die beiden Retter überein. Brenzlige Sitationen seien an der Tagesordnung und als Fahrer müsse man "komplett wachsam sein", so Feuerwehrmann Geldner. In einer unübersichtlichen Situation einem Rettungswagen nicht die Vorfahrt zu gewähren und dem Fahrer den Vogel zu zeigen, ist für Lebensretter Jürgen Schlindwein nicht nachvollziehbar. Denn schließlich gehe es bei Blaulichtfahrten um die Sicherheit von Umwelt, Verkehrsteilnehmern und dem Fahrer selbst.

"Wir fahren nicht nach dem Motto: 'Blaulicht ein, Hirn aus'. Das ist nicht machbar", bekräftigt der Schlindwein weiter. Das Fahren mit Vernunft stehe im Mittelpunkt. Seit 1983 ist der Rettungsassistent auf mehreren hundert "Risikofahrten" dabei gewesen. Und mit seiner Devise vernünftig zum Einsatzort zu kommen, fahre er gut. Bisher sei er in keinen Unfall verwickelt gewesen. "Fahr langsam, wir müssen schnell da sein", so das Motto von Schlindwein und seinen Kollegen.

Extremsituationen führen oftmals zu Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer

Das Vorgehen bei einer Blaulichtfahrt stellt sich stets identisch dar: Geht es auf eine Kreuzung zu, bremsen die Fahrer ab, sofern die Ampel nicht Grün zeigt. Es folgt das langsame "Hineintasten" in die Kreuzung. Mit Schrittgeschwindigkeit fahren die Einsatzwägen der Feuerwehr dann in die Kreuzung ein. Schlindwein im Rettungswagen bleibe sogar gänzlich stehen, versichert er. Nach Blickkontakt mit Fußgängern,  Radlern und Pkw-Fahrern könne dann ab Mitte der Kreuzung beschleunigt werden. Sofern die Situation nun klar und sicher sei.

"Das bedarf einer sehr weitsichtigen Fahrweise", so Feuerwehrmann Geldner. "Man muss wissen, wo man lang muss, was einen an der nächsten Kreuzung erwartet und man muss leider vom Falschhandeln von anderen Verkehrsteilnehmern ausgehen." In Extrem- und Stresssituationen reagierten Verkehrsteilnehmer leider nicht immer richtig, was die Blaulichtfahrt zusätzlich erschwere und eine gewissenhafte Abklärung der Situation erfordere. Rettungsassistent Schlindwein gehe sogar so weit, dass er von Spur zu Spur fahre und sich jedes Mal per Augenkontakt versichere, freie Fahrt zu haben. Mit Großfahrzeugen von 14 Tonnen und mehr bei der Feuerwehr und Krankenwagen bis zu vier Tonnen Gewicht, werde eine solche Fahrt Fahrt zusätzlich erschwert.

Ein große psychische Belastung während einer Einsatzfahrt nehmen sowohl Feuerwehrmann Geldner als auch Rettungsassistent Schlindwein wahr. Der DRK-Mann macht sich während der Fahrt über den Einsatzort und was ihn dort erwarte keinen Kopf. "Erst die Fahrt, dann der Einsatz", so der erfahrene Rettungsassistent. Emotionale Gedanken müssten möglichst aus dem Kopf verbannt werden, was jedoch nicht immer gelinge. "Vor allem wenn es um Einsätze mit Kindern geht, wie zum Beispiel vor einigen Wochen in Mühlburg, kann die Fahrt noch belastender werden."

ADAC: Sicherheitstrainings für Einsatzkräfte sehr beliebt

Für die Rettungsassistenten stünden nach jedem Einsatz grundsätzlich psychologische Gespräche zu, die sich jedoch meistens auf die Einsätze an sich beschränkten. Auch Geldner bestätigt gegenüber ka-news, dass die Belastungen am Einsatzort selbst höher seien, als während der Fahrt.

Da sich Einsatzfahrten mit Blaulicht und Horn nicht im freien Straßenverkehr üben lassen, gebe es regelmäßig "Fahrgewöhnungen mit einem eigenen Fahrlehrer" bei der Feuerwehr. Aber auch freiwillige Fahrsicherheitstrainings beim ADAC sind sowohl bei Rettungsdienst und Feuerwehr beliebt, bestätigt Philipp Kabsch, Leiter der Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC Nordbaden, im Gespräch mit ka-news. In Heidelberg bietet der Automobilclub Spezialtrainings für verschiedene Rettungsorganisationen an, die auch regelmäßig und gerne genutzt würden. Hier lernen die Einsatzkräfte mit ihren Einsatzwagen umzugehen. Zum Beispiel mache es einen großen Unterschied, wie ein Löschfahrzeug reagiere, wenn der Tank nur halbvoll anstatt voll oder leer sei, so Kabsch.

Das und viele andere ungewöhnliche Verhältnisse ließen sich bei einem ganztägigen Sicherheitstraining erproben. Es gehe darum, das Verhalten der Einsatzkräfte während einer Blaulichtfahrt instinktiv lenken zu lassen und den "Konflikt des Fahrers, schnell und sicher anzukommen" zu entschärfen. "Das Angebot wird sehr gerne und regelmäßig von Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und auch Polizei wahrgenommen", so Kabsch weiter. Neben den praktischen Elementen gebe es auch theoretische Einheiten, die stets am Fahrzeug abgehalten würden, um die Fahrer für eine gefährliche Risikofahrt zu wappnen.

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  •   80er
    (5525 Beiträge)

    14.04.2012 17:17 Uhr
    Seit....
    ...gestern,dem 13.04.2012 weiß ich, das folgender Satz verlogen ist:
    "Ganz oder gar nicht! Denn entweder Blaulicht und Martinshorn sind gleichzeitig." Der Rettungswagen der gestern kurz nach 23Uhr vom Bahnhofsvorplatz die Ebertstr. Richtung Krnakenhäuser gefahren ist, hatte nur Blaulicht an und kein Martinshorn.
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  •   Laetschebachschorsch
    (2819 Beiträge)

    13.04.2012 08:56 Uhr
    Dass ich manchmal gerne übertreibe stimmt
    Und dass die meisten Autofahrer Platz machen, stimmt auch. Aber ein Einziger kann da vieles blockieren. Und wenn dann noch sehr laute Musik, eine Grundeinstellung gegen Blaulicht = Polizei und überhaupt gegen Polizei, die wieder ihre Macht zeigen wollen, besteht, man ja nicht zu nahe an den Bordstein mit seinem Heiligtum darf, da es ja verkratzen könnte, dann hilft da zum Nachdenken eventuell das Zeigen von extremen Fällen. Ich bin zum Platz machen auch schon bei Rot links ran über die Haltelinie und musste mich dann aufwendig rechtfertigen. Aber, wenn ich damit einem Verletzten oder Erkrankten habe vielleicht helfen können, dann war es das für mich wert. Gleiches gilt bei Einsatzfahrten der Polizei und Feuerwehr. Die fahren so ja grundsätzlich nicht zum Spaß und es ist so von genehmigt. Nur für Blaulichtfahrten für Politiker oder hohe Richter und Beamte, war früher auf Ettlinger u. Karlstr. oft der Fall, hab ich kein Verständnis
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  •   Greif
    (1416 Beiträge)

    13.04.2012 13:30 Uhr
    Und...
    [url=Laetschebachschorsch]Dass ich manchmal gerne übertreibe stimmt[/url]
    "manchmal" ist jetztaber untertrieben zwinkern grinsen grinsen grinsen
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    13.04.2012 01:59 Uhr
    Wie ist das eigentlich...
    ...wenn die Polizisten künftig anradeln? Klingeln die sich dann einfach durch den Verkehr oder montieren sie noch ein Blaulicht am Lenker? Und ist die Polizeiausrüstung dann auf einem Fahrradanhänger und mit wetterfester Plane abgedeckt? Fragen über Fragen...
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  • unbekannt
    (354 Beiträge)

    12.04.2012 23:23 Uhr
    und
    in letzter Zeit fällt auch sehr stark bei unserem Freund und Helfer auf,dass hier mit Vollgas und Hirnlosigkeit nur mit Martinshorn in Kreuzungen hinein gerast wird und eben Blaulicht nicht an gemacht wird.Soviel zum Thema "Blaulicht ein , Hirn aus" Zum Glück das sich Feuerwehr und Krankenwagen sich so nicht verhalten.
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  • unbekannt
    (34 Beiträge)

    15.04.2012 13:49 Uhr
    unwahrscheinlich
    Martinshorn lässt sich bei korrekt ausgerüsteten Einsatzfahrzeugen nicht ohne Blaulicht einschalten...
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  •   Laetschebachschorsch
    (2819 Beiträge)

    12.04.2012 17:42 Uhr
    Ich verstehe da einiges nicht
    Wenn ein Fahrzeug mit Sondersignal (en) kommt, dann wird denen oft eben kein Platz gemacht. Was nützt Tü ta ta, wenn der Bass der Radioanlage 4 Fahrzeuge weiter durch ein gut isoliertes Auto gehört wird - Hörschäden sind vorprogrammiert, ist aber super. Wenn man mal selber am Straßenrand lag und auf Hilfe wartet, ich glaube, spätestens dann macht man künftig gerne Platz. Das nächste mal kann man doch auch selber auf Hilfe warten, wenn man schon für andere keinen Platz machen will. Und für die, die keinen Platz machen: Pflichtarbeit bei dem Einsatz von "erster Hilfe", und wenn nur die Glas- und Plastikteile von der mit Blut verschmierten Straße wegräumen.
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  • unbekannt
    (354 Beiträge)

    12.04.2012 23:15 Uhr
    Schorsch
    jetzt übertreibst du aber...oftmals kann man denen mit tatüta ankommenden Verkehrsrowdies eben nicht schnell genug Platz machen.Ich bin täglich in und um Karlsruhe mit dem Auto unterwegs und wie weiteroben von jemand beschrieben ist es nicht immer einfach rasch zureagieren um Platz zumachen zwecks engen Strassenverhältnissen bzw. vollgestopften Strassen im Stadtgebiet , zumal man hier eher einigen Verkehrsteilnehmern eher ihr schlechtes Autofahren oder Reaktionszeit vorwerfen kann.Aber mit mutwillig kein Platz zumachen ist doch totaler Quatsch!
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    13.04.2012 01:23 Uhr
    Stimmt,
    man kann sich nicht in Luft auflösen. Aber das sehen die ja auch. Wenn die an mehreren Autos vorbeimüssen und nur einer nicht weggeht, was dann? Dann müssen sie in den Gegenverkehr, wenns denn geht. Und dann geht der Scheiss erst richtig los. Und wenn du jetzt der einzige bist der im Weg steht musst du denen sozusagen die Bahn freimachen. Musst durch die Einbahnstrasse donnern bis zur nächsten Lücke. Und wenn dir da einer vors Auto läuft, dann Gnade dir Gott. Da brauchst du einen guten ANWALT.
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  • unbekannt
    (34 Beiträge)

    12.04.2012 17:31 Uhr
    Mal nebenbei:
    Weder Blaulicht noch Martinshorn haben irgendetwas mit "Sonderrechten" zu tun.
    Sonderrechte kann der Fahrer von Einsatzfahrzeugen (§ 35 StVO.a. Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr) wahrnehmen und muss diese auch nicht nach außen kenntlich machen.
    Sonderrechte umfassen z.B. Rotlichtverstöße, Geschwindigkeitsübertretungen und Fahren entgegen der Fahrtrichtung.
    Blaulicht und Martinshorn sind nur für das "Wegerecht" (§ 38,1 StVO) notwendig -
    wenn man also möchte, dass die anderen Verkehrsteilnehmer freie Bahn schaffen und damit u.a. auf ihre Vorfahrt verzichten.
    Blaulicht alleine ist übrigens zum "Anzeigen von Einsatzfahrten" zulässig (§ 38,2 StVO). Aber freie Bahn schaffen "muss" der Autofahrer dann nicht...
    Nachts schaltet man das Horn aus Rücksicht auf die Anwohner, WENN es die Verkehrssituation zulässt, auch mal aus.
    Denn glücklicherweise gibt es auch Autofahrer, die nur bei Blaulicht bereits eine "freie Fahrt" ermöglichen. Nachts sieht man das ja nun wirklich sehr gut.
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