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Karlsruhe Betrunkene Jugendliche: "Gelbe Karte" als Erfolgsmodell

Seit rund einem Jahr gibt es in Karlsruhe das Präventiv-Projekt "Gelbe Karte" für Jugendliche. Heranwachsende, die unter Alkoholeinfluss auffällig geworden sind, werden dabei zuerst mit einer "Gelben Karte" verwarnt. Bei einem weiteren Zwischenfall wird die Zulassung zum Führerschein in Frage gestellt. In der Fächerstadt läuft das Modell sehr erfolgreich.

Der Führerschein ist für junge Erwachsene ein Statussymbol. Mit der Fahrerlaubnis verbinden viele Freiheit, Unabhängigkeit und vor allem Spaß. Diese Denkweise macht sich die Stadt und der Landkreis Karlsruhe seit mehr als einem Jahr mit der Initiative "Karlsruhe handelt" zunutze.

"Jugendliche, die unter starkem Alkoholeinfluss mit proletenhaften Attitüden ihre Mitmenschen belästigen oder durch Alkoholexzesse zu Gewalttätigkeiten, Zerstörungen und Pöbeleien verleitet werden, drohen Haus- und Platzverbote sowie der Verlust des Führerscheins oder die Berechtigung, eine Fahrerlaubnis zu erwerben", heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

27 Jugendliche aus Karlsruhe erhielten schon die "Gelbe Karte"

"Die auffällig gewordenen Heranwachsenden bekommen als Warnung eine 'Gelbe Karte' zugeschickt", erklärt Helga Riedel vom Presse- und Informationsamt Karlsruhe. "In dem Schreiben werden ihnen die Zusammenhänge zwischen alkoholbedingten Schlägereien und anderen Delikten und der Zulassung zum Erwerb einer Fahrerlaubnis erklärt." Denn viele Jugendliche wüssten nicht, dass ein solches straffälliges Verhalten auch die Nichtzulassung zum Führerschein bedeuten kann, so Riedel. Mit der "Gelben Karte" bekommen sie eine letzte Warnung. Beim nächsten Vorfall droht dann die Medizinisch-Psychologische-Untersuchung ("Idiotentest").

Insgesamt 27 Jugendliche und junge Erwachsene wurden von Januar 2009 bis März 2010 mit der Karte "bedacht". "Wir verstehen dieses Vorgehen allerdings nicht als Strafe, sondern eindeutig als Prävention", betont Riedel. Und die scheint zu wirken. "Von diesen 'Tätern' wurde seitdem keiner rückfällig."

"Wir wollen die Jugendlichen nicht bestrafen, sondern warnen"

Diese Wirkung kann auch Bernhard Bösherz , Leiter des Amts für Straßenverkehr, Ordnung und Recht in Karlsruhe, bestätigen. "Im Landkreis haben wir seit Oktober 2008 insgesamt 28 'Gelbe Karten' verteilt." Diese Verwarnten seien bisher nicht wieder in Erscheinung getreten. In der Aktion sieht auch Bösherz keine Bestrafung der Jugendlichen. "Wir wollen damit eine Sichtbarmachung der Zusammenhänge zwischen Alkoholexzessen und dem Erwerb des Führerscheins schaffen."

Gesetzlich würde man schon lange so vorgehen, dass auffällige Heranwachsende vor dem Erwerb eines Führerscheins eine MPU machen müssten. Dies sei in der Öffentlichkeit bisher allerdings nicht wirklich bekannt gewesen, so Bösherz. Und Riedel bestätigt: "Wir wollen die Jugendlichen damit einfach vorwarnen."

Der Erfolg des Projekts zeigt sich laut Riedel auch an den Anfragen, die zu der Aktion aus ganz Deutschland kommen. In Pforzheim werde derzeit ebenfalls die Gelbe Karte eingeführt. "Und selbst aus Norddeutschland liegen uns Nachfragen vor."

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Kommentare (29)
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (67 Beiträge)

    02.04.2010 06:22 Uhr
    Wann wird verwarnt?
    Leider steht im Artikel nicht, wie festgetellt wird wer ein "notorischer Säufer und Randalierer" ist. Man könnte auch annehmen die gelbe Karte wird schon beim ersten Verstoss versendet. Und dann könnte die Erfolgsuote einfach daran liegen, dass die Jugendliche keine notorischen Randalierer waren.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    02.04.2010 00:33 Uhr
    MPU
    "1. Steht vor der MPU die Untauglichkeit noch nicht fest, sondern wird infrage gestellt."

    Das ist aber schon ein gravierender Eingriff.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    01.04.2010 17:09 Uhr
    April April
    Der Bericht mag ein Scherz sein, das Thema an sich ist kein Scherz.
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  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    01.04.2010 17:16 Uhr
    von wegen April-Scherz.
    Andere Städte haben es auch mit Erfolg eingeführt. Sicherlich ist es nicht auf dem Karlsruher Mist gewachsen.
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  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    01.04.2010 17:21 Uhr
    Für Zweifler
    Meldung Sept. 2009
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    01.04.2010 17:00 Uhr
    Ich bin mir
    grade nicht sicher, ob das nicht auch ein Aprilscherz ist. Nehmen wir es mal ernst.
    Der Führerschein ist definitiv ein Statussymbol. Allerdings wiegt er im ländlichen Raum schwerer als in der Stadt. Wenn du in einem Kaff im Nirvana aufwächst willst du raus. Und dafür brauchst du ein Auto oder Mopped. Ich weiss wovon ich rede. Wer damals mit 16 nicht den 1b und eine Kreissäge hatte war der Mops. Man wollte Schnecken auf der Sitzbank haben und keine 80 Kilo Brocken, dass der Bock grad noch 65 gelaufen ist. Ok, lassen wir das.
    Vielleicht leiden wir in der Beurteilung des Alkoholproblems tatsächlich manchmal an Wahrnehmungsverzerrung. Kann sein, kann auch nicht sein. Aber die Welt hat sich eben in den letzten 30 Jahren ein bisschen weitergedreht und man muss sich neue Verfahren ausdenken um gesellschaftliche Probleme zu lösen.
    Ich halte den Ansatz für absolut brauchbar, zumal zwischen Alkohol, Drogen und Auto/Motorradfahren ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Man muss da drücken...
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    01.04.2010 17:01 Uhr
    ...wo es wehtut
    zwinkern
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    01.04.2010 15:50 Uhr
    Konkret:
    Man müßte auf mangelnde Trennungsfähigkeit Alkohol / Straßenverkehr schließen können - aber das ist ja offenbar völlig unabhängig davon, ob Straßenverkehr im Spiel war.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    01.04.2010 16:45 Uhr
    xxx
    Wie im Bericht oben beschrieben, sind nicht Leute betroffen, die gerne in der Freizeit hin und wieder mal einen zuviel trinken, sondern die, die häufig volltrunken randalieren. Ob diese Menschen in der Lage sind, sich verantwortungsvoll ein KFZ zu steuern sollte eigentlich durch die MPU klar werden. Das eine kann durchaus etwas mit dem anderen zu tun haben, warum also bei bekannten Problemfällen nicht genau hinschauen. Den jungen, oft unerfahrenen Menschen vorher nochmals eine Warnung zukommen zu lassen, finde ich fair.
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  •   ralf
    (3732 Beiträge)

    01.04.2010 15:25 Uhr
    Fernsehverbot für Kaugummi-Spucker
    Die lokale Union setzt sich nach diesem Erfolg auch für ein Fernsehverbot für Menschen, die ihre Kaugummis auf den Boden spucken ein. Mittels neuer Überwachungsmethoden könne das auch einfach kontrolliert werden. So könne das Stadtbild schließlich aufgewertet werden.

    Zudem wird über ein Studierverbot für Kiffer an Gymnasien gesprochen.
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