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Karlsruhe Bedrohte Geschichte - Durlacher Zwingermauer soll abgerissen werden

Wieder einmal ist in Durlach der Denkmalschutz gefährdet. Schon einmal ließ die Stadt den Abriss eines Teils der aus dem Mittelalter erhaltenen Bauwerke zu, weil der Bauherr des Grundstücks an diesem Standort ein Gebäude entstehen lassen wollte. Als die Durlacher protestierten, gestanden die Karlsruher Ämter ein, dass das ein Fehler gewesen sei. Doch nun überlegen sie erneut einem Vorhaben zuzustimmen, das laut des historischen Vereins Durlach den Abriss eines Teils des mittelalterlichen Kulturgutes vorsieht, um an eben dieser Stelle vier Reihenhäuser zu errichten.

"Das wäre eine weitere Zerstörung der Durlacher Altstadt", reagiert Günther Malisius, erster Vorsitzender des historischen Vereins Durlach und Vorstand des Freundeskreises Pfinzgaumuseum, auf das Vorhaben.

Die Zwingermauer, ein Überbleibsel der Durlacher Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, sei ein wichtiger Faktor für das Altstadtbild. Im Übrigen sei dieser Platz für Wohnhäuser ganz ungeeignet, wie Malisius erklärt: In direkter Nachbarschaft befänden sich das Weiherhofbad und ein Jugendhaus, dementsprechend seien die Lärmverhältnisse. Mit einem Pkw wären die Gebäude auch nicht zu erreichen. Dennoch haben das Stadtplanungsamt wie auch das Bauordnungsamt dem Konzept bereits zugestimmt.

Geldbuße statt Wiederaufbau

"Die Ämter der Stadt Karlsruhe sind viel zu weit vom Ort des Geschehens entfernt und deshalb nicht sensibel genug für die Rolle dieser Mauer im Durlacher Stadtbild, um sich ein Bild von der Veränderung zu machen", so Malisius. Schon vor etwa vier Jahren sei ein Teil der Zwingermauer am alten Friedhof abgerissen worden, erzählt er. Als Protest laut wurde, versprachen die Stadt und der Bauherr den Wiederaufbau.

Dieser wurde aber nie durchgeführt, obwohl die abgerissenen Steine noch lange an der Abrissstelle vorhanden waren. "Was einmal weg ist, kann nicht mehr aufgebaut werden", lautete die Aussage der Stadt auf einmal. Der Bauherrn erhielt lediglich eine Geldbuße. Im Nachhinein wurde laut Malisius auch klar, weshalb der Bauherr die Mauer nicht mehr hatte aufbauen wollen: Das errichtete Gebäude besäße an der Seite, die zur Mauer hin hätte stehen sollen eine Glasfassade.

Framke: "Uns ist die Kritik des historischen Vereins unverständlich"

So weit wollen es die Durlacher dieses Mal nicht kommen lassen. Den ersten Schlag im Kampf um den Erhalt ihrer geschichtsträchtigen Bauwerke sehen sie im Schritt in das Licht der Öffentlichkeit. Als nächstes plant der historische Verein eine Begehung vor Ort mit den Karlsruher Ämtern. Im Augenblick unterzieht der Denkmalschutz die Mauer einer archäologischen Untersuchung, um ihren historischen Wert zu klären.

Die Karlsruher Ämter wehren sich gegen die Vorwürfe des historischen Vereins. "Mitnichten wird die Zwingermauer abgerissen und vernichtet werden", stellt Ulrich Framke, Leiter des Bauordnungsamtes Karlsruhe klar. Die Mauer werde nicht angerührt, da sie sich auf dem Nachbargrundstück des zu bebauenden Grundstückes befände. Dass die Mauer für den Bau abgerissen werde, sei eine Fehlinformation. Ganz im Gegensatz zu den Vorwürfen, seien alle Pläne des Vorhabens mit der ortsnahen Landesdenkmalpflege und dem Stadtkonservator Armin Schulz abgestimmt worden.

Durlacher kämpfen um den Erhalt ihrer Geschichte

Beteiligte Architekten und der Bauherr hätten intensiv das Gespräch mit der Denkmal- und Stadtpflege gesucht. Im Bezug auf die Eignung des Areals für die Bebauung sagte Framke, der Bereich des Weiherhofbades würde durch die Veränderung sogar aufgewertet: Der durch eine neuzeitliche und mit Graffitis besprühte Betonmauer vom Weiherhofbad getrennte Zugang von der Amtshausstraße aus werde durch Öffnungen in der Mauer in einen Vorhof umgewandelt.

"Wir hoffen natürlich alle, dass die Untersuchung der Mauer positiv ausfallen wird und unsere historischen Denkmäler erhalten bleiben. Auf die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde haben wir aber keinen Einfluss", äußert sich die Ortsvorsteherin Alexandra Ries besorgt. Nun bleibt abzuwarten, wie die Untersuchung der Denkmalschutzbehörde ausfallen wird.

Noch ein weiteres denkmalgeschütztes Bauwerk wird bedroht

Doch nicht nur die Zwingermauer soll weichen: In einem anderen Teil Durlachs soll ein denkmalgeschütztes Gebäude zerstört werden. Ein "Schweizer Haus", ein aufwändig mit Laubengängen und filigranen Holzgiebeln verziertes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, wird den Abrissbirnen möglicherweise zum Opfer fallen. Es ist die Nummer 11 aus der Karl-Weysser-Straße, die wohl bei Aushubarbeiten, während der Sanierung und Neubebauung eines Areals in der Nähe, beschädigt wurde.

Wegen der dadurch entstandenen Risse im Mauerwerk und der Tatsache, dass das Haus seit vielen Jahren nicht mehr saniert wurde, berechnet der Denkmalschutz nun, ob der Erhalt wirtschaftlich noch vertretbar ist. Mit dem Ergebnis dieser Prüfung steht und fällt die Entscheidung und damit das "Schweizer Haus".

Wellenreuther: Historische Durlacher Altstadt erhalten!

Auch CDU Bundestagsabgeordneter Ingo Wellenreuther informierte sich vor Ort über aktuelle Abrisspläne: "Erhaltenswerte historische Gebäude die den Charakter und die Identität Durlachs prägen, müssen stehen bleiben" erklärte er nachdem er sich ein Bild von dem geplanten Abriss des Schweizer Hauses und Teilen der Zwingermauer gemacht hatte.

Das Stadtplanungsamt müsse ernsthaft und intensiv prüfen und dem Gemeinderat und Ortschaftsrat einen Vorschlag machen, wie Denkmalgebäude in Durlach erhalten werden könnten, damit das wunderschöne Altstadtbild nicht verloren gehe, fordert Wellenreuther und erinnert daran, dass die CDU Ortschaftsratsfraktion bereits Anfang Juni 2009 eine Veränderungssperre für das Grundstück Karl-Weysser-Straße 11 beantragt hatte.

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  • unbekannt
    (3304 Beiträge)

    25.08.2009 14:29 Uhr
    Ne Mauer?
    Ist die denn noch zu irgendwas gut?
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  •   Durlacherin
    (274 Beiträge)

    25.08.2009 14:05 Uhr
    Entscheidungsfreiheit @mueck
    Du hast prinzipell Recht mit der Entscheidungsfreiheit. Aber gerade die Erfahrung aus der Vergangenheit lehrt uns, dass diejenigen, die dort erst einmal wohnen, ganz schnell gegen den Lärm klagen. Und da ja eine Baugenehmigung erteilt wurde, bekommen sie dann vor Gericht auch Recht. So ist nun mal die Gesetzeslage. Also, wenn dort Wohnbebauung genehmigt wird, sehe ich schwarz für alle Aktivitäten im Weiherhof und auch die Orgelfabrik wird zu kämpfen haben.
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  • unbekannt
    (1076 Beiträge)

    25.08.2009 08:55 Uhr
    @motzki
    scheisz auf alles, oder was?
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  •   helge
    (46 Beiträge)

    25.08.2009 00:01 Uhr
    Empörend
    abgerissen ist es schnell...und dann unwiderbringlich verloren.
    @motzki
    Komme mal aus dem Jugendalter raus, dann siehst du sowas auch anders.
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  •   motzki
    (755 Beiträge)

    24.08.2009 21:56 Uhr
    scheisz...
    ...auf die paar alten steine, viel zu viel geschiss um denkmalschutz und anderes gedöns.
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  • unbekannt
    (1076 Beiträge)

    24.08.2009 15:27 Uhr
    @landx, da fehlt...
    ..was ganz anderes, nämlich Respekt und Achtung vor Kultur und städtebaulicher Geschichte.

    Und es fehlt vor allem eines: guter Geschmack.
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  • unbekannt
    (88 Beiträge)

    24.08.2009 11:41 Uhr
    Unterwegs...
    auf meinen privaten Foto-Sessions stosse ich immer wieder auf unsinnige Beispiele im Umgang mit historischen Bauten. Das größte Problem ist wohl das Fehlen eines einheitlichen Konzeptes für den Erhalt der Geschichte
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  •   mueck
    (11848 Beiträge)

    24.08.2009 11:30 Uhr
    Entscheidungsfreiheit
    "In direkter Nachbarschaft befänden sich das Weiherhofbad und ein Jugendhaus, dementsprechend seien die Lärmverhältnisse. Mit einem Pkw wären die Gebäude auch nicht zu erreichen."

    Ob der Bauherr/Käufer Autoerreichbarkeit wünscht oder nicht und ob er Kinderlärm mag oder nicht, sollte doch bitte der Bauherr/Käufer entscheiden ... Die Mauer mus erhalten bleiben, aber DIESES Argument ist jedenfalls trotzdem Quark ...

    "Es ist die Nummer 11 aus der Karl-Weysser-Straße, die wohl bei Aushubarbeiten, während der Sanierung und Neubebauung eines Areals in der Nähe, beschädigt wurde."

    Ein Vorgeschmack auf andere "Aushubarbeiten" ab 2010?
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