Karlsruhe Bauwelle an der Alb rollt an

Das neue Freizeitbad soll zu einem Aushängeschild Karlsruhes werden (Archivfoto: pr)
Heute beginnt mit dem ersten Spatenstich der Bau des Freizeitbades an der Europahalle. Die neue Badeattraktion soll jährlich 500.000 Badegäste in die Karlsruher Südweststadt locken. Mit dem Neubau geht die Schließung des Tullabads und des Hallenbads in Wettersbach einher. Das kontrovers diskutierte Großprojekt als zentraler Bestandteil des Bäderkonzepts der Stadt wurde vor fast genau zwei Jahren, am 19. Mai 2004 im Gemeinderat gegen die Stimmen von PDS, KAL und Grünen beschlossen (ka-news berichtete).

Eingeleitet wird der Bau durch Oberbürgermeister Heinz Fenrich, der mit einem Bagger den ersten Rammstoß für eine Spundwand des 120 Meter langen, 60 Meter breiten und 19 Meter hohen Bauwerks vornehmen wird. Ein großer Teil der Baugrube wurde schon ausgehoben, so dass die Konturen des Freizeitbades bereits erkennbar sind. Bis Ende dieses Jahres soll der Rohbau samt Dach stehen, erklärt das Presseamt der Stadt mit. Die endgültige Fertigstellung des Mammutprojekts ist bis Spätherbst 2007 geplant.

Badelandschaft mit über 1.700 Quadratmeter Wasserfläche

Die Pläne der entstehenden Badelandschaft an der Alb sehen eine Einteilung in drei Ebenen vor. Auf der Eingangsebene wird es neben einem Gastronomiebereich einen 755 Quadratmeter großen Kinderbereich sowie einen 550 Quadratmeter großen Erlebnisbereich gegeben. Ebenfalls wird die Eingangsebene mit drei Saunen einen Teil des Saunabereichs beinhalten, doch der weitaus größere Teil wird sich auf der dritten Ebene - der Saunaebene - befinden. Die vier Saunen auf dieser Ebene bringen es gemeinsam auf stolze 1.500 Quadratmeter. Die zweite Ebene soll mit einer Gesamtwasserfläche von über 1.700 Quadratmetern überzeugen. Auf dieser Ebene ist ein hundert Meter langer Wildwasserkanal geplant, zwei Rutschen, sechs Bahnen à 25 Meter sowie ein Außenbereich, der 150 Quadratmeter Wasserfläche umfasst.

Klaus Stapf stellt infrage, ob sich das Bad rechnen wird (Archivfoto: pr)
Der 2004 zustande gekommene Beschluss des Gemeinderats sieht vor, dass die Baukosten des neuen Bades 25 Millionen Euro nicht überschreiten dürfen. Die Finanzierung wird die Karlsruher Bädergesellschaft (KBG) tragen. Zur Sicherung der Finanzierung sollen das Tullabad und das Schwimmbad in Wettersbach geschlossen werden. Zudem erhalte das Freibad in Wolfartsweier künftig keine Zuschüsse mehr, so sieht der Beschluss es vor. Dies führe nach einer Berechnung der Stadtverwaltung aus dem Jahre 2004 zu einer Haushaltsentlastung um jährlich 50.000 Euro, da die drei Bäder 1,32 Millionen Euro an Zuschüssen schlucken, während das neu erbaute Schwimmbad etwa 1,27 Millionen Euro jährlich kosten soll, rechnet die Stadtverwaltung vor.

Klaus Stapf beobachtet den Bau mit "größten Sorgen"

Der designierte Fraktionsvorsitzende der Karlsruher Grünen (ka-news berichtete) und Kandidat für die kommende Oberbürgermeister-Wahl, Klaus Stapf, beäugt die Entwicklungen kritisch. So sei bei den Kosten zu beachten, dass zu den kalkulierten Baukosten noch die Erschließungskosten addiert werden müssen, stellt Stapf gegenüber ka-news klar. Zwar "stehen die Chancen am Anfang ganz gut, die 500.000-Marke zu knacken, doch ob die eingeplanten Besuchermassen auf Dauer zu halten sind, wird abzuwarten sein", zweifelt der OB-Kandidat am konstanten Menschenandrang. Ebenso glaubt er nicht an die ausgewiesene Entlastung des Haushalts. Sorgen bereite ihm, "dass das neue Bad anderen Karlsruher Bädern Publikum abziehen wird, beispielsweise dem Fächerbad, was zu berücksichtigen sein wird", relativiert Stapf das anvisierte Ziel von 500.000 Gästen pro Jahr.

Ebenfalls Kritik äußerte Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste bereits vergangenes Jahr. Das ganze sei "ein Abenteuerbad. Ein Abenteuerbad für die Finanzen". Die Kosten seien "schöngerechnet" worden. So seien Folgekosten durch nachfolgende Bauarbeiten, wie beispielsweise der Abriss des Tullabads, gar nicht mit in die Finanzplanung einbezogen worden, hadert Cramer an den vorgelegten Finanzierungsplänen. Die Schließung des Tullabades kommentierte Klaus Stapf wie folgt: "Es kommt mir so vor, als wären die Kosten für den Erhalt sehr mit dem Wunsch der Umsetzung des Projekts berechnet worden." So seien die Zahlen zum Erhalt des Tullabades im Zuge des geplanten Bäderkonzepts sehr in die Höhe gestiegen, wundert sich Stapf über die Entwicklung der Kalkulationen. Für eine ausgewogene Einschätzung "fehlt uns die Basis", stellt Stapf die Problematik einer realistischen Einschätzung dar.

"Investitions- und Betriebsrisiko trifft indirekt die Stadt Karlsruhe"

"Das Investitions- sowie Betriebsrisiko sei zu beachten", erklärt der OB-Kandidat. Zwar sei die Stadt nicht der direkte Träger des Projektes, doch sei sie indirekt involviert, eine "verdeckte Finanzierung" über die KVVH finde statt. Die Karlsruher Bädergesellschaft (KBG) gehört zu 100 Prozent der Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH (KVVH), welche wiederum eine Tochtergesellschaft der Stadt Karlsruhe ist. Teil der KVVH sind auch die Stadtwerke Karlsruhe, welche somit das Projekt mitfinanzieren und somit auch "in die Taschen greifen müssen", so Stapf weiter. Falls der Betrieb nicht gut läuft, würde sich dies auf die Stadtwerke und damit auf die Stadt Karlsruhe auswirken, stellt Stapf den Bezug her.

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