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Stuttgart/Karlsruhe Badisches Kulturgut

Die historischen Schriftstücke in der Badischen Landesbibliothek werden trotz Proteste verkauft (Foto: ka-news)
Auf einer Pressekonferenz im Stuttgarter Landtag informierten am Mittwochmittag Finanzminister Gerhard Stratthaus und Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg (beide CDU) über den derzeitigen Stand in der Diskussion um die Zukunft wertvoller Kulturgüter aus dem Haus Baden. Das Land will trotz internationaler Proteste den Verkauf weiter vorantreiben.

Die Frage nach dem Verkauf mittelalterlichen Schriftguts aus den Beständen der Badischen Landesbibliothek erhitzt derzeit die Gemüter in Karlsruhe und darüber hinaus (ka-news berichtete). Mit dem Erlös - geschätzten 70 Millionen Euro - sollen Sanierung und Erhalt des Schlosses Salem am Bodensee gesichert werden, das sich im Besitz der ehemals großherzoglichen Familie befindet. Das Haus Baden ist auf finanzielle Hilfen angewiesen, da es aus eigenen Kräften nicht in der Lage ist, eine solche Belastung zu tragen.

Internationale Proteste gegen Verkauf

Die Auseinandersetzung ist Teil eines Eigentumsstreits zwischen dem Land und dem Haus Baden. Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland 1918/19 wurde die Eigentumsfrage in Baden - anders als in Württemberg - seitdem nicht geklärt. Es wurde als "Altlast" vom gemeinsamen Bundesland Baden-Württemberg übernommen und harrt noch immer einer endgültigen Lösung. Auf einem Festakt zum 200. Gründungsjubiläum des Großherzogtums Baden hatte am vergangenen Sonntag Ministerpräsident Günther Oettinger zu der Frage Stellung genommen (ka-news berichtete). "Es werden keine kulturhistorisch wertvollen Kulturgüter verscherbelt", betonte er. "Kulturell wertvolles Schriftgut, das in Baden entstanden ist oder in Baden seinen Inhalt hat, bleibt unverkäuflich."

Wissenschaftler aus aller Welt haben in einem an die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" gerichteten Brief gegen den geplanten Verkauf protestiert. In dem Schreiben, das unter anderem Forscher der US-amerikanischen Eliteuniversitäten Harvard, Yale und Princeton unterzeichnet haben, wertet man die Pläne der Landesregierung als "Akt der Barbarei". Ein solcher Schritt würde "weltweit als deutliches Signal registriert werden, dass in Deutschland die Vergangenheit zum Verkauf steht - und das zu Schleuderpreisen".

Land überprüft Bibliotheksgut

Die baden-württembergische Landesregierung bleibt aber hart und will den Verkauf weiter voran treiben. Ziel sei es auch, so Finanzminister Statthaus, durch einen Vergleich mit dem Adelshaus Baden endgültig Rechtsklarheit über das strittige Eigentum der Markgrafenfamilien zu erhalten. Wissenschaftsminister Frankenberg bestätigte heute, dass vor allem das Bibliotheksgut der Badischen Landesbibliothek auf verkäufliche Gegenstände überprüft werden soll. Dazu gehören nach seinen Angaben 3.500 Handschriften, 4.500 Musikschriften und 1.300 Frühdrucke.

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