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Stuttgart/Karlsruhe Badische Kulturgüter

Laut einem Expertengutachten gehören große Teile der Hofausstattung dem Land (Foto: ka-news)
Ein Großteil der umstrittenen badischen Kulturgüter gehört dem Land Baden-Württemberg. So sieht es eine vom Land eingesetzte Expertenkommission von Juristen, Kunstexperten und Historikern, deren Gutachten heute vom Kunstministerium offiziell vorgestellt wurde. Begründung der Kernaussage des 300-seitigen Expertenwerkes: Die sogenannte Hofausstattung sei eng mit dem Amt des Regenten als Staatsperson verbunden und somit nicht Besitz des Adelshauses gewesen. Gelöst ist der Konflikt, bei dem es um Kunstschätze im Wert von mehreren hundert Millionen Euro geht, noch nicht.

Im Herbst 2006 hatten die Pläne der Landesregierung, einen Teil der wertvollen Handschriftensammlung, die in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt wird, zu veräußern (ka-news berichtete), einen solchen Sturm der Entrüstung in Politik und Wissenschaft ausgelöst (ka-news berichtete), dass seitdem ein mit peinlichen Pannen der Landesregierung (ka-news berichtete) gepflasterter anderer Weg beschritten wird. Letztlich geht es darum, wie ein Verkauf der Kulturgüter verhindert und gleichzeitig Schloss Salem vor dem Verkauf in private Hände gerettet werden kann.

Nach langwieriger Aufarbeitung der historischen Quellen und der Analyse der viele tausend Stücke umfassenden Sammlung waren sich die Gutachter des Landes in ihrem Urteil einig, dass die Hofausstattung mit dem Ende der Monarchie durch Revolution "unveräußerlich, unbelastbar und unteilbar" auf die Republik übergegangen sei. Im Ergebnis widerspricht das Gutachten in weiten Teilen einer Expertise, die das Haus Baden Ende November vorgestellt hatte.

Prinz von Baden beharrt auf eigener Rechtsposition

Prinz Bernhard von Baden: Banken wollen bis Jahresende 30 Millionen Euro von ihm (Foto: ka-news)
Darin hatten drei Professoren den Anspruch des Adelshauses auf weite Teile der badischen Kunstsammlungen bekräftigt. Bernhard Prinz von Baden, der gedroht hatte, notfalls vor Gericht zu ziehen, ließ nach dem Gutachten der Landesregierung verlauten, dass für das Adelshaus kein Anlass bestehe, "die eigene Rechtsposition zu korrigieren oder zu verändern".

Von Seiten Baden-Württembergs soll nun wieder mit dem Adelshaus Baden über die Sicherung von Schloss Salem verhandelt werden. Das Land hatte ursprünglich einen Vergleich mit dem Haus Baden angestrebt, der zur Finanzierung den Verkauf von Kunstgütern vorsah. Nach internationalen Protesten von Kunstexperten und Wissenschaftlern gab das Land diesen Plan auf.

Land will Handschriften und Kunstwerke des Adelshauses kaufen

Doch nicht alle umstrittenen Kunstschätze spricht die Gutachter-Kommission dem Land zu. Nach Schätzungen beträgt der Wert derjenigen Gemälde, Handschriften und anderen Kunstwerke, die laut Kommission dem Adelshaus zuzuordnen sind, zirka 5,6 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg plant diese zu kaufen. Die Sicherung des Schlosses Salem müsse allerdings auf andere Weise finanziert werden, so Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU).

Kann Schloss Salem ohne Verkauf von Kunstschätzen gerettet werden? (Foto: pr)
Mit den badischen Kunstschätzen und Schloss Salem beschäftigt sich morgen auch der Landtag. Bernhard Prinz von Salem hatte in der Vergangenheit erklärt, die Anlage bis Ende des Jahres abstoßen zu wollen. Auf dem Haus Baden lasten 30 Millionen Euro Schulden, so Erbprinz Bernhard von Baden, der nur noch im Verkauf des ehemaligen Zisterzienserklosters eine Chance sieht, die aufgehäuften Schulden zurückzuzahlen (ka-news berichtete).

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