Axel Mitbauer: Schwimmtrainer

Nach Karlsruhe kam der erfahrene Schwimmtrainer, um den Leistungsbereich der ansässigen Schwimmvereine zu retten: Sechs Monate hatte dieser keinen Trainer gehabt, viele Talente waren bereits abgewandert. Nach drei Jahren unter "Coach" Axel Mitbauer, wie er lieber genannt werden möchte, haben sich die Karlsruher Schwimmer in die zweite Bundesliga "hochgeschwommen" - Tendenz steigend.

"Ich finde Coach ist die passendere Bezeichnung. Trainer klingt so, als käme man nur zum Training und würde danach sofort wieder verschwinden", erklärt Mitbauer, "So ist es aber nicht. Ich bin eigentlich mehr ein Lebensberater für meine Schwimmer." Während er die Sportförderung der Fächerstadt lobend erwähnt, weist er auf das seiner Meinung nach bestehende Trainerproblem hin: "Was dem deutschen Schwimmsport fehlt sind gute Trainer. Allerdings ist das in vielen anderen Sportarten nicht anders."

Ansonsten empfindet er die in den letzten Jahren immer wieder aufkommende Kritik an deutschen Leistungsschwimmern als nicht gerechtfertigt. So hätte die deutsche Schwimmmannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking mit zwei Goldmedaillen wesentlich besser abgeschnitten als andere Sportarten, er kann die Dauerkritik deshalb nicht verstehen. Außerdem müsse bedacht werden, dass kaum ein Schwimmer von seinem Sport leben könne. "Eine Britta Steffen bekommt gerade einmal 30.000 Euro für eine olympische Goldmedaille. Das sieht in anderen Ländern ganz anders aus", beklagt Mitbauer die Zustände.

Die Finanzprobleme der Vereine hemmen seiner Ansich nach den Sport: "Wettkämpfe werden hauptsächlich zur Finanzierung ausgerichtet, was dazu führt, dass immer mehr Teilnehmer in eine Veranstaltung gepackt werden." Das wiederum wirke sich negativ auf die Leistungen der Schwimmer aus, da diese zum Zeitpunkt ihres Starts oft stundenlange Wartezeiten am Beckenrand hinter sich haben. "Man könnte so viel mehr erreichen, wenn hier leistungsbezogener gearbeitet würde", ärgert sich der Schwimmtrainer. Der Unterschied zum Ausland besteht seiner Meinung nach im Setzen der Prioritäten. Zudem wünscht er sich ein besseres Miteinander von Sport und Schule sowie von Sport und Wissenschaft. Seine jungen Leistungsträger absolvieren beispielsweise bis zu drei Trainingseinheiten pro Tag, was nur möglich ist, wenn die Schule mitspielt. 

Mitbauer arbeitete in den 80ern sieben Jahre auf Sardinien, hier beobachtete er eine andere Einstellung zum Sport: "Die Menschen dort sind bereit, wesentlich mehr für Sport auszugeben. In Deutschland sind wir so verwöhnt, weil der Vereinssport so günstig ist. " Nach Deutschland zurückgekehrt ist er nur, weil es Probleme mit der Arbeitserlaubnis gab und er zuviel Rente verloren hätte. "Wäre die Vereinigung Europas damals schon so weit gewesen, wäre ich nie wiedergekommen", so Mitbauer, der auch heute noch regelmäßig nach Italien fährt, weil er dort "seine Ruhe findet".

Bevor er nach Kalrsruhe kam, führten ihn weitere Stationen seines Trainerberufs nach Wiesbaden und Basel. Seine Ausbildung zum Diplom-Sportwissenschaftler machte Mitbauer in Köln, wo er 1972 seine Karriere zunächst als Nachwuchstrainer begann. Schon drei Jahre später hatte er die erste Stelle als Cheftrainer in Düsseldorf. Heute lebt er mit seiner Frau und seinem 17-jährigen Sohn in Basel - in Kürze wird noch einmal Nachwuchs erwartet: ein Mädchen. Mitbauer ist, was das angeht, noch skeptisch: "Das hieß es bei meinem Sohn auch bis zwei Wochen vor der Geburt." 

Seine abenteuerliche Flucht aus der DDR im Jahre 1969 fand erst kürzlich Aufmerksamkeit in der Presse, jetzt möchte auch das Fernsehen darüber berichten. "Mein Sohn soll mich spielen", berichtet Mitbauer nicht ohne Stolz. Die Idee zur Durchschwimmung der Ostsee sei ihm gekommen, als auf einer Feier jemand sich darüber unterhielt, dass man von der Küste aus das westliche Ufer sehen könnte. Eigentlich hatte er geplant bei einem "Auslandsstart", also einer Wettkampfteilnahme in einem westlichen Land, zu fliehen. Dieser Plan flog jedoch auf und der Leistungsschwimmer kam in Haft. Nach seiner Entlassung durfte er nicht mehr trainieren, sein Wille dem Arbeiterstaat zu entkommen war jedoch ungebrochen. Also schwamm er ihm einfach davon.

Auf die Frage, ob er nicht Bedenken gehabt hätte, das andere Ufer in der Dunkelheit zu finden, antwortet der ehemalige Leistungsschwimmer mit einem Grinsen: "Ach was, wir hatten doch in der DDR-Schule Astronomie." Auch sonst sieht er selbst im Nachhinein keinerlei Gefahr in seiner Fluchtaktion: "Das hätte nicht schiefgehen können. Wenn Sie jeden Tag 25 Kilometer Fahrradfahren, würden Sie sich doch auch zutrauen, einmal 50 Kilometer zu fahren." 

Beschreiben Sie sich mit drei Worten
Zuverlässig, treu, liebevoll

Was ist Ihre größte Stärke?
Der Glaube an die eigene Leistung

Was ist Ihre größte Schwäche?
Nicht Nein sagen zu können

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Innenarchitekt; erst als ich in politischer Haft in der DDR war, reifte die Idee zum heutigen Traumberuf

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Noch einmal ein paar junge Menschen zu den Olympischen Spielen zu bringen

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?

Dass ich zu oft für andere da bin und zuwenig an mich und meine Familie denke

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf mein Auto (Mercedes), da es mich sicher, bequem und schnell zu meiner Familie, beziehungsweise zu meinen Terminen fährt

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?

Sport-Funktionäre, da Ihnen heute oft der Mut zu Entscheidungen fehlt und sie sich oftmals nur noch selbst sehen und somit zum Niedergang des Sports beitragen. (Ausnahmen gibt es natürlich!)

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Bundespräsident Horst Köhler, da er auch heikle Dinge anspricht und auch noch Lösungen parat hat

Welche Musik und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?

Musik: Ray Charles
Film: Ben Hur

/> Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Ein altes Sportbuch

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Tiger

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Meine Frau Tatjana, da sie immer ruhig bleibt und auch andere beruhigen kann

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die Sportförderung

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?

Ich würde den jungne Menschen ihre Freizeit zurückgeben, damit sie wieder ihren Neigungen nachgehen können.

Welches sind die markantesten Karlsruher Köpfe?
Professor Colani
/>
Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Die Kinder- beziehungsweise Familienfreundlichkeit

Wie und wo möchten Sie sterben?
Im Kreise meiner Familie und möglichst auf Sardinien, wo ich lange Trainer war

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Diese Frage sollen die Menschen entscheiden, die mit mir in meinem Leben umgehen müssen.

(tan)

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