Karlsruhe Ausverkauf von Kulturgütern?

Ute Vogt (SPD) informiert sich über Handschriften in der Badischen Landesbibliothek (Archivfoto: ka-news)
Wie in dieser Woche bekannt wurde, ist im Jahre 1995 das Gemälde "Hirtenidylle" aus den Beständen der Zähringer-Stiftung bei Sotheby's versteigert worden. "Im Wissenschaftsministerium geht es in der Frage der badischen Kulturgüter nur noch drunter und drüber", kommentiert Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, die Vorgänge um die Versteigerung.

Mit der Versteigerung des Gemäldes "Hirtenidylle" aus den Beständen der Zähringer-Stiftung geht es in die nächste Runde beim Streit um den Verkauf von badischen Kulturgütern. Auf eine erste Anfrage der Grünen, ob denn stiftungseigene Gemälde versteigert worden sind, wurde Anfang Januar - unter Bezugnahme auf Äußerungen des Markgrafen von Baden - noch mit einem klaren "Nein" seitens des Wissenschaftsministeriums geantwortet. Nach einer erneute Anfrage der Grünen beim Landtag räumte die Landesregierung jetzt jedoch ein, dass mit dem Gemälde "Hirtenidylle" von Otto Eduard Saal (1817-1870) tatsächlich ein Objekt aus der Stiftung versteigert worden ist. Das Gemälde, das im Auktionskatalog unter der Nummer 4293 geführt wurde, brachte einen Erlös von 60.000 DM ein. Mit dem auf das Jahr 1895 datierte Bild "Vilma Parlaghy" des Malers Louis Jüncke (1838-1900) wechselte 1995 ein weiteres Objekt des Zähringer Stiftungsvermögens den Besitzer.

Stober wirft Regierung Vertrauensseligkeit vor

Im Vorfeld der Versteigerung im Jahre 1995 hatte die Landesregierung das Haus Baden darauf hingewiesen, dass die Sammlung der Zähringer-Stiftung nicht angetastet werden dürfe. Schließlich handelt es sich bei der Zähringer-Stiftung um eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Karlsruhe. Sie verwaltet einen Teil der Kunst- und Kulturschätze des ehemaligen Großherzogtums Baden. Ihr Ziel lautet: Erhalten der Sammlung und zugänglich machen der Objekte für die Öffentlichkeit. Der Stiftungsname geht auf das mittelalterliche Adelsgeschlecht der Zähringer zurück, als deren Erben sich die Markgrafen von Baden sehen.

"Nachdem sich Zusicherungen des Hauses Baden über die Unversehrtheit der Zähringer-Stiftung in Luft auflösen, muss das Land seine vertrauensselige Strategie endgültig aufgeben", legt Johannes Stober (SPD) der Landesregierung nahe. Stober fordert die Landesregierung auf, umgehend alles Notwendige zu veranlassen, um Eigentums- und Vermögensverhältnisse des Landes in Hinsicht auf diese konkrete Versteigerung und gegebenenfalls andere Veräußerungen durch das Haus Baden aus Stiftungsbeständen zu klären.

"Chaos im Wirtschaftsministerium"

Ob es bei der Versteigerung der Gemälde mit rechten Dingen zuging - dazu möchten sich weder die Landesregierung noch Wissenschaftsminister Peter Frankenberg äußern. "Die Klärung von Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Zähringer Stiftung ist Teil des Arbeitsauftrages der Expertenarbeitsgruppe 'Eigentumsfragen Baden'", verwies Frankenberg im Antwortschreiben auf die alles auslösende Anfrage des Grünen-Abgeordneten Walter.

Dieser kritisiert das Hin und Her der Landesregierung als "Chaos im Wissenschaftsministerium". "Über so viel Durcheinander kann man nur noch den Kopf schütteln", resümiert Walter und fordert eine abschließende Klärung der Eigentumsverhältnisse. Denn: "So schwierig kann das wirklich nicht sein", befindet der Parlamentarier.

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