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Karlsruhe Auslandsjahr mit 14: Ein Teenie allein in Hongkong

Auslandsjahr auf chinesisch: Die 14-jährige Isabel Pickert aus Karlsruhe wird ab August ein ganzes Jahr in der chinesischen Metropole Hongkong verbringen. Über ihre Erlebnisse bei der Vorbereitung berichtet sie schon jetzt in einem eigenen Blog.

Eigentlich ist Isabel Pickert eine ganz normale Schülerin: Sie ist 14 Jahre alt und geht in die 9. Klasse des St.-Dominikus-Gymnasiums in Karlsruhe. Später im Berufsleben will sie "irgendwas mit Naturwissenschaft und Technik" machen, zu ihren Hobbys zählen Modern Dance und Gitarre spielen.

Doch sie schmiedet große Pläne: Im August wird sie für ein Jahr in einem anderen Land leben und dort zur Schule gehen. Nicht etwa ein europäisches Land oder die USA - die chinesische Metropolregion Hongkong ist das Ziel der jungen Karlsruherin. Wie sie auf die Idee gekommen ist, weiß sie selbst nicht so genau:  "Ich denke es sind viele Faktoren, die dazu beigetragen haben. Zum einen waren meine Eltern früher oft auf Reisen und haben mir von ihren teilweise außergewöhnlichen oder sogar unangenehmen Erlebnissen erzählt. Damit hat mich das Reisefieber gepackt", erzählt die Neuntklässlerin.

Außerdem habe sie Verwandte in New York City und in Sydney. Durch den E-Mail-Kontakt sei sie auf den Geschmack gekommen: "Wir haben uns über unsere Schulen unterhalten und da habe ich bemerkt, dass die Unterrichtsform wirklich ganz anders ist. Ich wollte unbedingt mal raus aus dem deutschen Schulalltag." Hauptgrund ist für sie aber der Wunsch, einmal in einem anderen Land, einer anderen Kultur und mit anderen Leuten zu leben: "Ich bin gerne weg und lerne Neues kennen. Andere Kulturen finde ich wirklich spannend!"

Fernost statt Wilder Westen

Dass es ausgerechnet Hongkong geworden ist, war reiner Zufall: Beim Auswahlverfahren für ein Stipendium des Parlamenatrischen Patenschafts-Programms (PPP) habe sie sich gleichzeitig bei der Austauschorganisation AFS fürs normale Programm beworben. Das Stipendium hat sie nicht bekommen - aber bei AFS bestand sie das Auswahlverfahren. Von den fünf Wunschzielen, die Isabel auf ihrer Prioritätenliste hatte, kamen drei für sie nicht infrage, weil sie noch zu jung ist. So standen am Ende die USA, Frankreich, Argentinien, Costa Rica und zuletzt Hongkong auf der Liste.

Im Dezember kam dann der Schock: Nicht das Traumziel USA, sondern Hongkong sollte es werden. Inzwischen freut sich Isabel aber darauf: "In den USA hätte es mich ja auch irgenwohin aufs Land verschlagen können." An der chinesischen Sonderverwaltungszone reizt sie vor allem die kulturelle Vielfalt: "Es ist so exotisch, gleichzeitig chinesisch und europäisch", schwärmt sie.

Viele, denen sie von ihren Plänen erzählt, hätten Probleme Hongkong auf der Karte einzuorden. "Die sagen dann oft: Cool, du gehst nach Hongkong! Das liegt doch in Japan oder?", erzählt sie lachend. Mit solchen Missverständnissen will sie in ihrem Blog aufräumen. Außerdem sollen andere so durch ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung und in Hongkong profitieren können oder einfach erfahren, was sie so erlebt.

Große Erwartungen

Der gemeinnützige Verein "AFS - interkulturelle Begegnungen" organisiert den ganzen Aufenthalt, vom Flugticket bis hin zur Gastfamilie. Für eine Kostenpauschale von rund 8.000 Euro, Taschengeld nicht eingerechnet, kümmert sich die Organisation um die Auswahl der Gastfamilie und der Schule, veranstaltet Vorbereitungstreffen in Deutschland und bietet Unterstützung vor Ort. Die teilnehmenden Familien bekommen kein Geld, sie nehmen die ausländischen Schüler ehrenamtlich in ihre Obhut.

Bisher weiß Isabel noch wenig darüber, was sie in Hongkong zu erwarten hat. "Keine Gastfamilie, keine Adresse, keine Schule", sagt sie. Wann sie diese Informationen bekommt, weiß sie noch nicht: "Es könnte noch heute sein oder auch erst zwei Tage bevor ich fliege", sagt sie. Es komme ganz darauf an, wann die Organisation eine Familie findet. Was für eine Familie das sein wird, darauf ist die 14-jährige besonders gespannt. Es könnte eine sehr wohlhabende, aber auch eine Familie aus bescheidenen Verhältnissen werden.

Eine Überraschung könnte auch die Wohnsituation werden: "Es gibt auch Land in Hongkong", meint die Schülerin. Auf jeden Fall müsse sie aber damit rechnen, dass sie durch den allgemeinen Platzmangel wenig Privatsphäre haben wird und sich das Zimmer mit mindestens einer Gastschwester teilen muss. Auch der Respekt vor den Eltern sei viel wichtiger als in deutschen Familien. "Aber darüber kann mir Athena bestimmt auch viel erzählen", freut sich Isabel. Athena ist eine Austauschschülerin aus Hongkong, die vom 12. bis 25. Februar für zwei Wochen bei den Pickerts wohnen wird.

Angst vor Heimweh? Nicht wirklich!

Über ihre Schule weiß sie immerhin schon, dass es eine englischsprachige Ganztagsschule nach dem Vorbild einer High School sein wird. Sie soll sehr streng sein, und die Schuluniform ist verpflichtend. "Das finde ich aber nicht schlimm, eher lustig", meint Isabel. "Und es ist ja auch nur für ein Jahr."

Auch sonst hat Isabel wenig Befürchtungen:  "Nur, dass ich vielleicht statt in einem richtigen Bett auf einer harten Matte auf dem Boden schlafen muss." So sei das nämlich in Hongkong üblich. "Wenn die Gastfamilie nicht zu mir passt, kann ich ja wechseln", meint sie zuversichtlich. Die Mutter meint: "Ich habe ja gehofft, dass sie erst im Studium weggeht. Aber sie war einfach nicht mehr aufzuhalten."

Da sie aber schon einmal in Hongkong gewesen sei, habe sie wenig Vorbehalte wegen ihrer Tochter. "Die Metropole Hongkong ist eine super Stadt für ein Auslandsjahr", fügt sie hinzu. Klar werde sie ihre Freunde hier vermissen, meint Isabel. Aber vor allem freut sie sich auf das Abenteuer und die vielen Eindrücke, die sie nach Hause mitbringen wird. 


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Kommentare (9)
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    13.02.2011 21:20 Uhr
    Respekt!!
    Viel Glück und viel Erfolg ...!! Vor dieser Entscheidung habe ich Respekt...! aber nicht zu schnell erwachsen werden....
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    13.02.2011 21:11 Uhr
    AFS
    AFS 4 EVAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA

    Hau rein da in JAPAN und schreib schön Bericht

    LG Simon
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  • unbekannt
    (362 Beiträge)

    13.02.2011 11:51 Uhr
    ...
    hongkong ist schon ne tolle stadt...aber immerschön schuhe anziehen beim wandern durch die grünen parks...absolute giftschlangen gefahr, dennoch viel spaß und viele erlebnisse grinsen
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    13.02.2011 10:28 Uhr
    Glückliche Reise
    "Eins, zwei drei im Sauseschritt, eilt die Zeit wir eilen mit"...
    So bereiten wir uns jetzt schon mit Dir auf Dein großes Ereignis vor und verfolgen mit Interesse und Spannung Deinen weiteren Lebensweg.
    Abschiedsschmerz darf auch sein, aber - siehe oben - ein Jahr geht schnell vorbei und im Zeitalter der Technik, Skype usw. sind wir uns immer ganz nah....
    Ein gutes Rüstzeug geben wir Dir mit, wir sind stolz auf Dich!!
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  • unbekannt
    (8066 Beiträge)

    13.02.2011 10:55 Uhr
    Das
    könnt ihr auch sein! Mit 14 Jahren ein mutiges Unterfangen, Respekt und viel Glück.
    Aber wer sich in dem Alter zu einem einjährigen Auslandsaufenthalt entschließt, der weiss was er tut.

    旅途愉快
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    13.02.2011 10:26 Uhr
    Moment
    wie? Bitte unterstützt mich, Link auf Kreditkartenfirmen? Sonst geht es aber noch gut, oder nicht?

    Okay, so als Kontra gegen die Dekker, worauf sie offensichtlich anspielt, warum nicht.

    Warum finanzieren die Eltern das nicht selbst? Kind = Geldmaschine?
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    13.02.2011 08:31 Uhr
    Adresse des Blogs
    Der Blog ist unter www.ein-jahr-hongkong.de zu finden, das sieht man im Artikel nur beim genauen Hinsehen auf dem Wort "Blog"
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    13.02.2011 08:07 Uhr
    RESPEKT!
    und viel Glück. Schöpfe aus dem Vollen, man lebt nur einmal.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    13.02.2011 05:07 Uhr
    Gitarre spielen
    ist ja schon mal nicht so schlecht. Hau rein Isabel! Bitte Bericht. zwinkern
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