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Karlsruhe Auf ein Bier mit Katrin Schütz, CDU

Der Gutenbergplatz versinkt in den morgendlichen Nebelschwaden. Es ist kühl an diesem Donnerstagmorgen. Katrin Schütz nippt an ihrem Milchkaffee und blickt aus dem Fenster der Kaffeestube "Großmudder's" in der Karlsruher Weststadt. Neben der CDU-Landtagskandidatin steht ein geflochtener Einkaufskorb mit Trauben, Eiern und Karotten. Schütz kommt gerade vom Wochenmarkt in der Sophienstraße.

"Über den Markt zu gehen, ist für mich ein kleiner seltener Luxus geworden", sagt die 43-Jährige. Der Marktbesuch sei ein bisschen wie Urlaub. "Hier kann ich Energie tanken", so Schütz. Leider schaffe sie es zeitlich kaum noch zum Einkaufen auf den Markt. Denn gerade während der Wahlkampfphase sei Zeit ein seltenes Gut. Schütz tritt im Wahlkreis Karlsruhe-West an.

"Freizeit habe ich momentan kaum", sagt Schütz freundlich und nimmt einen Schluck Kaffee. Die adrette Christdemokratin wohnt mit ihren zwei 16 und 19 Jahre alten Söhnen unweit des Gutenbergplatzes. Seit 2006 vertritt die alleinerziehende Mutter die CDU im Landtag von Baden-Württemberg. Gerade zu Beginn ihrer politischen Laufbahn, als ihre Kinder noch jünger waren, habe sie als Mutter oft das schlechte Gewissen geplagt. "Sicherlich möchte man als Mutter manchmal lieber seinen Kindern etwas vorlesen, statt auf Wahlkampftermine zu gehen", sagt Schütz. Ausschüsse, Diskussionsrunden, Vereinsfeste - viele dieser politischen Pflichttermine finden abends oder am Wochenende statt. Man müsse eben den Spagat zwischen Beruf und Familie schaffen, so Schütz.

Zwischen politischer Bühne und heimischem Kinderzimmer

Nicht die Quantität sondern die Qualität der Erziehung mache eine gute Mutter aus, betont Schütz. "Meine Kinder stehen für mich immer an erster Stelle", lässt Schütz keinen Zweifel. Ihre Söhne hätten ihr nie vorgeworfen, dass sie zu wenig für sie dagewesen sei. Die smarte CDU-Politikerin scheint den Mittelweg zwischen politischer Bühne und heimischem Kinderzimmer gefunden zu haben.

Berufstätige Mütter würden immer noch als "Rabenmütter" beschimpft, kritisiert Schütz. Dabei seien "die beruflichen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht familienfreundlich". Wenn Frauen Karriere machen wollen, dann müsste ihnen dieser Weg ermöglicht werden. Genauso wie eine Frau das Recht habe, zu Hause bei ihren Kindern zu bleiben, betont Schütz. Frauen, die für ihre Kinder eine Auszeit vom Berufsleben nehmen, müsste der Wiedereinstieg vereinfacht werden. Kinder dürften nicht als Hindernis empfunden werden, sondern junge Familien gehörten stärker unterstützt, fordert Schütz. Ihr selbst sei immer klar gewesen: "Ich lasse mir von meinem Beruf nicht vorschreiben, wie viele Kinder ich bekomme."

Von der Schneiderin zur Geschäftsführerin

Katrin Schütz wurde in Ettlingen geboren. Sie ist die Älteste von acht Kindern. Ihr jüngster Bruder ist heute 24 Jahre alt. Schütz habe schon früh Verantwortung für ihre Geschwister - eine Art Mutterfunktion - übernommen, sagt sie. Als "große Schwester" habe sie sich gerne um ihre Geschwister gekümmert, ist auch auf Elternabende gegangen. Einen Teil ihrer Kindheit hat Schütz in den USA verbracht. Später besuchte sie die Hauptschule, machte eine Ausbildung zur Damenschneiderin. Schütz zeigte sich ehrgeizig und machte die Mittlere Reife. Später arbeitete sie als Einkäuferin und Abteilungsleiterin im Modebereich. Von 1991 bis 2006 war sie Geschäftsführerin eines Sportgeschäfts in Karlsruhe.

"Wir signalisieren, dass nur Gymnasiasten eine Chance in unserer Gesellschaft haben", kritisiert Schütz. Doch auch Hauptschülern stünden die Türen offen, sagt Schütz und spricht aus Erfahrung. Jedes Kind habe seine eigene Lerngeschwindigkeit. Die Vielfalt der Schularten in Baden-Württemberg sei richtig, nur so könnte man den unterschiedlichen Ansprüche der Schüler gerecht werden. Gerade die individuelle Förderung von Hauptschülern sei besonders wichtig. Sie müssten in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden. In ihrer späteren Tätigkeit als Ausbilderin habe sie viele junge motivierte Schüler kennengelernt, aber eben auch jene, die mit tief ins Gesicht gezogener Mütze zum Vorstellungsgespräch kamen und kein einziges Mal Augenkontakt suchten. Hier gebe es Nachholbedarf, betont Schütz. Es dürfe nicht mehr heißen: "Ich bin nur Hauptschüler, ich kann nichts." Katrin Schütz liegen besonders bildungs- und familienpolitische Themen am Herzen.

Eine Wanderung mit Nelson Mandela

Neben der Politik ist Sport eine weitere Leidenschaft der Unions-Politikerin. Schütz, die beim Lauftraining gerne ihre Gedanken sortiert, könnte sich auch eine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg vorstellen. "Ich laufe und wandere sehr gerne, denn als Politikerin braucht man einen langen Atem", lacht Schütz.

Wenn Sie den Jakobsweg entlang pilgern würde, wer sollte sie einen Teil der Strecke begleiten? Schütz überlegt, rührt in ihrem Kaffee. "Nelson Mandela", sagt Schütz. Es sei beeindruckend wie er sich immer wieder für eine Sache eingesetzt habe. "Er hat sich von Rückschlägen nicht aufhalten lassen und immer für seine Visionen gekämpft."

Zum Internetauftritt von Katrin Schütz: www.katrin-schuetz.com

Für die Serie "Auf ein Bier mit ..." haben wir die Landtagskandidaten für die beiden Karlsruher Wahlkreise an einem Ort ihrer Wahl zum sprichwörtlichen Bier (oder natürlich auch Kaffee) getroffen. Vom 7. März an stellen wir nun zwei Wochen lang an jedem Werktag einen anderen Kandidaten vor. Mit dabei sind alle Kandidaten, deren Partei entweder schon im Landtag sitzt oder deren Partei bei den repräsentativen Umfragen der großen Meinungsforschungsinstitute im letzten Quartal des Jahres 2010 mindestens drei Prozent prognostiziert bekommen hat.Alle bisher vorgestellten Kandidaten gibt es hier.

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  •   IGator
    (203 Beiträge)

    07.03.2011 23:19 Uhr
    So weichgezeichnet ...
    findet man die CDU nur während des Wahlkampfes. Sonst verhält es sich eher so wie beim EnBW-Deal, dem Atom-Verlängerungs-Deal oder bei Stuttgart 21. Augen zu und die selbstgefällige Stellung durchklotzen.
    Gut dass dieses Heilewelts-Geheuchele am 27. März aufhört.
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  •   richard
    (217 Beiträge)

    07.03.2011 10:39 Uhr
    auf einen Kaffe
    vielleicht sollte Frau Schütz ihren Kaffee lieber mit den Leuten der Karlsruher Tafel trinken.
    Das würde einen Christdemokraten mehr stehen.
    Laut Aussage von Frau Schütz braucht es solche Einrichtungen.
    Das stimmt schon.
    Es macht aber auch keinen Sinn wenn der Staat seine Bürger bewußt ARM macht...
    Bei den Vermittlungsgesprächen haben wir gesehen wie es nicht gehen sollte.


    Ich bin übrigends nicht Hartz IV betroffen
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