Karlsruhe/Stuttgart Atommüll in Asse

Atommüll wird zum nachhaltigen Problem (Grafik: ka-news)
Franz Untersteller, energiepolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der Landtags-Grünen Baden-Württembergs, verlangt von der Landesregierung, Mitverantwortung für das Freiwerden von Radioaktivität im Atommüllendlager Asse in Niedersachsen zu übernehmen. Aus der früheren Wiederaufbereitungsanlage des Forschungszentrums Karlsruhe (WAK) stamme über die Hälfte des atomaren Abfalls, der in Asse lagert. Alleine bezogen auf den radioaktiven Gehalt seien es sogar 90 Prozent.

Untersteller forderte Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) auf, "angesichts der verheerenden Vorfälle in Asse die bisherige Position zum geplanten neuen Endlager in Gorleben zu revidieren". Asse sei der Vorläufer für ein geplantes Endlager im Gorlebener Salzstock. "Was in Asse geschieht, ist auch in Gorleben nicht auszuschließen. Der Standort Gorleben ist als zentrales Endlager für den deutschen Atommüll nicht mehr haltbar. Frau Gönner soll das endlich eingestehen." Untersteller verlangte, auch andere theoretisch geeignete Gesteinsformationen auf ihre Eignung als Endlager zu untersuchen.

Gefährlicher Atommüll

Karlsruhe könnte Mitschuld tragen (Archivfoto: ka-news)
Im Juni war bekannt geworden, dass im Forschungsbergwerk Asse, wo über 125.000 Fässer mit Atommüll einlagern, radioaktives Material freigeworden war. In 500 Metern Tiefe liegen seit über 30 Jahren auch 1.300 Fässer aus Karlsruhe. Sie enthalten unter anderem elf Kilogramm hochgiftigen Plutoniums. Experten halten die Anlage für extrem bedenklich. Ab 2014 müsse man mit einem Verlust der Tragfähigkeit rechnen. Dies bedeute zwar keine unmittelbare Einsturzgefahr, jedoch muss das Bergwerk kostenintensiv saniert werden, will man es auch in Zukunft als Endlager nutzen.

Bereits im August hatte Untersteller die Landesregierung aufgefordert, genau offen zu legen, wie viel Atommüll nach Asse gebracht wurde, und ob auch aus Behältern aus Baden-Württemberg Strahlung ausgetreten ist. Ebenso wollte der Energieexperte Informationen dazu, ob atomrechtliche Anforderungen in vollem Umfang eingehalten wurden.

Rechtzeitiges Handeln wurde versäumt

Die Verantwortung für Asse wurde inzwischen von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) an das Bundesamt für Strahlenschutz abgegeben. Rechtlich war Asse bisher ein Forschungsbergwerk. Die offizielle Anerkennung als Endlager soll nun auch für die zukünftige Sicherheit sorgen. Den früheren Betreibern drohen Disziplinarverfahren wegen Zurückhaltung von Informationen zu den Sicherheitsmängeln.

Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, betonte, dass man Umweltminister Sigmar Gabriel bereits 2007 aufgefordert habe, Asse unter Atomrecht zu stellen, um so mehr Sicherheit zu gewährleisten. Die Situation sei illegal und gefährlich. Die Hintergründe müssten komplett offen gelegt werden, und es müsse schnell ein Konzept für den weiteren Umgang mit dem Atommüll aus Asse entwickelt werden. Gleichzeitig zeige der Vorfall, dass ein Atomausstieg unausweichlich ist.

Atomkraft kommt Bürger teuer zu stehen

Auch Landtagsmitglied Thomas Knapp (SPD) verlieh in dem Zusammenhang der Forderung nach einem Atomausstieg Nachdruck. Man müsse bedenken, dass die in die Milliarden gehenden Sanierungsgelder für die Förderung von Klimaschutz und erneuerbaren Energien fehlten, sollte das Land zur Verantwortung gezogen werden. Desweiteren zeige der Vorgang, dass die Bürger hohe Kosten für die Atomkraft zu tragen hätten, während sich die Unternehmen, die Geld mit Atomstrom verdienen, mit den Gewinnen aus dem Staub machten.

Das WAK war bereits Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass für dessen endgültige Stilllegung rund 2,6 Milliarden Euro benötigt würden (ka-news berichtete).

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