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Karlsruhe Atommüll-Zwischenlager in Philippsburg? "Wir verweigern uns nicht"

Deutschland muss ab 2015 Atommüll aus Frankreich und Großbritannien zurücknehmen - jetzt wird nach einem Zwischenlager gesucht. Baden-Württemberg hat sich bereit erklärt, fünf Castor-Behälter mit Atommüll einzulagern. Ein möglicher Standort ist das Atomkraftwerk Philippsburg bei Karlsruhe.

Deutschland sucht ein Zwischenlager: Ab dem nächsten Jahr sollen 26 Castoren aus La Hague und Sellafield zurück nach Deutschland transportiert werden. Das bestätigt ein Sprecher des Umweltministeriums auf Anfrage von ka-news. Gorleben scheidet ihm zufolge nach einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern als Lagerstandort aus. Die Frage, die sich nun stellt: Wohin mit dem Atommüll?

Bayern und Hessen weigern sich

"Wir verweigern uns nicht", teilt der Sprecher mit, "Grundsätzlich ist Baden-Württemberg bereit, seine Verantwortung zu übernehmen - wenn andere Länder dies auch tun." Neben Baden-Württemberg habe sich auch Schleswig-Holstein grundsätzlich bereit erklärt, Castoren zurückzunehmen. 

"Ausgerechnet zwei Länder mit grüner Regierung", so der Ministeriumssprecher. Damit spielt er auf die Bundesländer Bayern und Hessen an, die sich eigenen Angaben nach einer Lösung bislang verweigern. Dabei würden diese von Parteien regiert werden, die die Kernkraft jahrzehntelang unterstützt hätten. Gleichzeitig fehle noch immer ein Gesamtkonzept für alle Castoren, das beispielsweise die bisher ausgeklammerten Castoren der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield miteinschließt. Der Bund sei gefordert, ein solches vorzulegen - was ursprünglich schon schon bis Ostern hätte geschehen sollen. 

Schwierige Standortsuche: Warum Philippsburg?

Ein möglicher Standort, der bei dieser Diskussion immer wieder im Gespräch ist, ist das Atomkraftwerk Philippsburg in der Nähe von Karlsruhe. Konkret gehe es hier um fünf Castoren mit mittelradioaktiven Abfällen aus dem französischen La Hague. Philippsburg bringt einen entscheidenden Vorteil mit: "die Nähe zur Grenze", so der Ministeriumssprecher. Beim Rücktransport seien kurze Wege von Vorteil und Philippsburg sei das nächstgelegene Zwischenlager für Castoren. 

Momentan wird das Kernkraftwerk Philippsburg II für die jährliche Revision vom Netz genommen, wie der Karlsruher Energieversorger EnBW mitteilt. 2019 soll der Reaktor dann ausgeschaltet werden. 

Angst, Probleme und Widerstand

Müssen die Bewohner also schon bald mit einem Zwischenlager vor ihrer Haustür rechnen? So schnell wird es vermutlich nicht gehen: Bislang ist in Philippsburg nur die Lagerung des eigenen Atommülls zugelassen. Daher müsste die EnBW als Betreiber zunächst beim zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz einen Antrag für eine neue Genehmigung stellen. Doch an dieser Stelle gibt es ein Problem: Für die Unterbringung müsste das Zwischenlager des Kernkraftwerks umgebaut oder nachgerüstet werden. Die EnBW will im Vorfeld zunächst klären, wer die dabei entstehenden Zusatzkosten trägt. Erst dann wird sie nach eigenen Angaben eine Genehmigung beantragen.  

Und auch in Philippsburg regt sich Widerstand in der Bevölkerung. So äußert Stefan Martus (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Philippsburg, sein Missfallen: "Wir haben genug Belastungen, uns reicht es!"

Sylvia Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin der Grünen und Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Karlsruhe, hingegen begrüßt einen Rücktransport. Auf der einen Seite könne sie die Bedenken der Anwohner durchaus nachvollziehen: "Jeder hat gern so wenig Atommüll wie möglich vor der eigenen Haustür". Gleichzeitig sei dieser Schritt notwendig: "Man muss nun auch ein Stückchen Verantwortung, die man bisher an Gorleben abgegeben hat, wieder annehmen. Wenn jeder sagt: "Bei mir nicht", dann kommen wir in der Endlagerfrage nie voran!", so Kotting-Uhl. 

Und auch der Ministeriumssprecher gibt Entwarnung: Philippsburg diene bislang bereits als Zwischenlager für Brennstäbe. Die radioaktive Strahlung der Abfälle aus La Hague sei um ein Vielfaches geringer als diese hochradioaktiven Brennstäbe. "Das Risiko für die Bevölkerung erhöht sich daher nur minimal", meint er. 

Mehr zum Thema Atommüll in der Region:

EnBW: Vor Castor-Rücknahme muss Kostenfrage geklärt werden

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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    11.09.2014 21:59 Uhr
    Wenn der Atommüll so ungefährlich ist,
    warum stellt man die Castoren dann nicht einfach vor dem karlsruher Schloss auf? Mit der Zeit wächst Efeu drüber, ist ja schön warm, auch im Winter. Das wäre doch was für die Obdachlosen im Winter, wenn es so ungefährlich ist.
    Oder, Frau Uhl?
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  •   Gehwegparker
    (2887 Beiträge)

    24.06.2014 20:10 Uhr
    Atommüllzwischenlager
    Warum schafft man es eigentlich nicht, ein europaweites Endlager zu buddeln? Mit einem Fächerwurm, nur tiefer?

    Man braucht doch im Grunde "nur" so tief runterzugehen, wie man weiß, wie sich die Erdplatten tektonisch bedingt anheben werden. Und jeder zahlt bißchen was für den großen Fächerwurm und jeder darf da sein Atommüll einlagern. Ob man da dann paar Kubikmeter mehr oder weniger aushebt, darauf kommts dann auch nimmer an...
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  •   karl143
    (335 Beiträge)

    24.06.2014 11:35 Uhr
    Philippsburg
    >Und auch in Philippsburg regt sich Widerstand in der Bevölkerung. So äußert Stefan Martus (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Philippsburg, sein Missfallen: "Wir haben genug Belastungen, uns reicht es!"< Eien tolle Aussage. Wir haben genug Belastungen... Herr Martus sollte vielleicht mal ein paar Jahre im Wendland verbringen. Er sollte sich mal den Belastungen-Störungen-usw aussetzen, denen die die Bevölkerung dort über 30 Jahre ausgesetzt war. Philippsburg hat jahrzehntelang von den Steuereinnahmen des KKW profitiert. Das konnte man hinnehmen, Belastungen aber nicht. Einfach nur beschämend. Wie auch schon so oft hier geschrieben: War nicht gerade die Partei mit dem C vorne seit Anfang an ein Verfechter dieser Technologie ?
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  •   gabin
    (1026 Beiträge)

    24.06.2014 12:59 Uhr
    vollkommen richtig
    aber was interessiert Martus sein dummes Geschwätz von gestern, anstatt seine Partei anzuklagen von der diese ganze Atomsuppe stammt, hetzt er gegen die Regierung in BW mit übelster Polemik, weg mit solchen Typen.
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  • unbekannt
    (335 Beiträge)

    24.06.2014 11:18 Uhr
    "vorerst"
    Der Müll strahlt mal locker 10.000 Jahre. Das heißt also die 4 großen haben sich jetzt die Taschen voll gemacht. Eigentlich alles verpennt was man verpennen kann. Die Regierung und Bürger Erpresst mit Elementaren und jetzt dürfen wir auch noch für diesen Mist, den uns vor ca 7 Generationen zugemutet wurde auch noch ZWANGHAFT an die nächsten 100 Generationen drann gehängt.

    - Welche Verantwortung hat unsere Regierung eigentlich wenn ich sowas Lese ?
    - Die Energietrolle die hier ihren Saft ab geben kann man sich ja getrost schenken!
    - Dazu soll jetzt auch noch beschlossen werden das Leute die Ihren eigenen Strom herstellen stärker zu Kasse gebeten werden.

    Verarscht von hinten bis vorn! SCHÄMT EUCH! SCHÄMT! EUCH!
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  •   Gehwegparker
    (2887 Beiträge)

    24.06.2014 20:12 Uhr
    10.000 Jahre
    Das ist ein lächerlicher Zeitraum in geologischen Zeiträumen betrachtet. Da ist ja sogar die Alb älter...

    Tief genug verbuddeln, dann strahlt des Zeugs ab... Von mir aus im Harz weit runtergehen, das ist weit weg von irgendwelchen tektonischen Verwerfungslinien... Und ja, würde ich auf einem geologisch stabilen Gebiet leben, wäre es mir auch schnuppe, wenn 3 km unter meinem Grundstück sowas lagern würde... Den Zugangstunnel halt gut überwachen...
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  •   BananenBieger
    (114 Beiträge)

    24.06.2014 07:54 Uhr
    Sehr gut!
    Ein richtiges Signal. Gerade die südlichen Bundesländer haben am meisten auf die Atomkraft gesetzt, dann hat man sich jetzt auch um die Hinterlassenschaften zu kümmern. Schafft bzw. erhält nebenbei auch Arbeitsplätze. Aber bitte nicht vergessen: schön die Konzerne EnBW & Co für die Nachsorge zahlen lassen, die sich jahrzehntelang am billigen Atomstrom bereichert haben.
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  •   PaxVobiscum
    (142 Beiträge)

    24.06.2014 09:33 Uhr
    Interessant ist auch,
    wenn man ein bisschen googelt, z.B. dieses von 2010:

    Baden-Württembergs Umweltministerium wies darauf hin, dass die Zwischenlager an den Kraftwerken Neckarwestheim und Philippsburg für die am jeweiligen Standort anfallenden Abfälle bestimmt seien. "Wir sehen deshalb keine großen Chancen für den Vorschlag des niedersächsischen Umweltministers", sagte ein Ministeriumssprecher.

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  •   Gehwegparker
    (2887 Beiträge)

    24.06.2014 20:15 Uhr
    Auch egal...
    Ob da jetzt 10 oder 20 Container auf dem Gelände stehen, wenn was schiefgeht, da ist das grade egal ob mir in 5 Minuten oder schon nach drei Minuten die Zähne ausfallen..
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  •   Gehwegparker
    (2887 Beiträge)

    24.06.2014 20:17 Uhr
    Dann...
    ...hab ichs im Zweifel sogar lieber schneller hinter mir grinsen

    Sonst würde ich mir die Kugel geben, aber dann heißts wieder, legaler Waffenbesitz treibt die Suizidrate in die Höhe...
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