18  

Karlsruhe Atomforschung im Karlsruher Hardtwald: Hier machen Wissenschaftler Europas AKWs sicherer

Es ist wohl das am besten gesicherte Gelände der Stadt: Das Joint Research Center (JRC) im Hardtwald nördlich von Karlsruhe. Es ist das Atomforschungszentrum der Europäischen Kommission. Die obersten Ziel der Wissenschaftler: den Schutz der Bürger gewährleisten, bestehende Kernkraftwerke sicherer machen und die Endlagerung verbessern. Wie kann die Forschung dort die Bürger Europas vor den Gefahren der Radioaktivität bewahren?

Ob Tschernobyl oder Fukushima: Diese Orte sind im öffentlichen Bewusstsein präsent, die bekanntesten Unfälle in Kernkraftwerken sind mit ihrem Namen verknüpft. Damit ein solches Unglück künftig vermieden wird, sollten heutige Reaktoren so sicher wie möglich betrieben werden. Hierfür ist vor allem eines wichtig: das Know-How.

"Wir haben das Problem geerbt"

Rund zehn Kilometer nördlich von Karlsruhe, auf dem Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), soll genau dieses Wissen entstehen: Hier ist das Atomforschungszentrum der Europäischen Union angesiedelt, das den Namen Joint Research Centre (JRC) trägt. Es soll der Politik helfen, aufgrund gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse die richtigen Entscheidungen zu treffen.

In Norden der Stadt Karlsruhe wird an der Sicherheit von Atomkraftwerken geforscht. | Bild: ka-news.de

In Deutschland ist der Atomausstieg bereits seit vielen Jahren beschlossene Sache: Bis zum Jahr 2022 soll das letzte Kernkraftwerk hierzulande vom Netz gehen. Doch damit sind die Atomkraft und die mit ihr verbundenen Risiken noch lange nicht Geschichte. Ein Beispiel dafür ist das Problem der Endlagerung - für hoch radioaktive Abfälle ist in Deutschland noch immer kein Standort gefunden. 

"Wir haben das Problem von unserer Elterngeneration geerbt, jetzt müssen wir Lösungen finden", sagt Gabriele Tamborini vom JRC im Gespräch mit ka-news.de. In den Laboren des Institutes werden die Eigenschaften von Brennstäben untersucht. Sicherheit ist hierbei das A und O, das Gelände ist mit mehreren Kontrollen geschützt, sodass sich kein Fremder Zugang verschaffen kann.

Gabriele Tamborini vom Joint Research Center. | Bild: ka-news.de

"Selbst durch die kleinsten Mengen können wir sehr viel über die Stoffe verstehen"

Für ihre Arbeit benötigen die Wissenschaftler keine großen Mengen an radioaktivem Material. "Insgesamt sind es nur mehrere Kilogramm, die hier derzeit liegen", sagt Forscher Thierry Wiss, der Proben im Gramm und Milligrammbereich unter Mikroskopen untersucht.

Forscher Thierry Wiss | Bild: ka-news.de

"Selbst durch die kleinsten Mengen können wir sehr viel über die Stoffe verstehen." Zum Vergleich: Nur wenige Meter weiter, im Zwischenlager Karlsruhe, befinden sich in großen Hallen derzeit rund 70.000 Kubikmeter strahlendes Material. 

Um die Sicherheit bestehender Atomkraftwerke weiter zu verbessern, wird erforscht, wie sich die Brennstoffe unter verschiedenen Bedingungen verhalten. Beispielsweise unter einer hohen Temperatur oder unter hohem Druck.

Mit diesem Wissen sollen künftige Katastrophen verhindert werden können. "Wir untersuchen auch, wie wird die Lagerkonditionen des Atommülls verbessern können", sagt Thierry Wiss. 

JRC bildet Inspektoren gegen Nuklearschmuggel aus

Unter anderem kommen dabei die "heißen Zellen" zum Einsatz. In den Kammern werden - hinter 90 Zentimeter dicken Ölfenstern - die Brennstäbe gelagert und mit einem ferngesteuerten Greifer zerteilt. 

Auch ein Forschungsreaktor ist für das JRC in Betrieb, allerdings nicht in Karlsruhe, sondern im niederländischen Petten. Weitere nukleare Forschungslabore des JRC befinden sich an den Standorten Geel in Belgien und im italienischen Ispra.

Hinter Ölfenstern - 90 Zentimeter dick - wird mit den Brennstäben hantiert. | Bild: ka-news.de

Das JRC ist dabei nicht nur ein Ort der Forschung, sondern auch der Bildung. Um gegen die Nuklearschmuggel anzukämpfen, werden hier Inspektoren ausgebildet, die auf der ganzen Welt die Grenzen überwachen. Denn: Radioaktivität ist kein Problem, das vor Ländergrenzen Halt macht.

Bei Atomkatastrophe: Daten in Echtzeit schützen die Bürger

"Einmal hat ein Detektor bei einem russischen Lkw angeschlagen", erzählt Thierry Wiss. Es habe sich daraufhin herausgestellt, dass im Motor des Fahrzeugs verunreinigtes Metall verbaut war. Viele Metallschrotte der Industrie seien belastet. "Immer wieder stoßen wir auf solche unerwarteten Quellen."

Thierry Wiss, Wissenschaftler am Joint Research Center. | Bild: ka-news.de

Ein weiteres Beispiel zeigt noch deutlicher, wie die Forschung des JRC für den Schutz der Bürger Europas sorgt: Unter dem Namen EURDEP wurde eine Online-Plattform entwickelt, die im Falle einer Atomkatastrophe fast in Echtzeit über die Ausbreitung der Radioaktivität informiert. Dazu werden die Daten von rund 1.000 Messstationen in ganz Europa zusammengeführt.

Neuer Laborflügel soll Flugzeugabstürzen standhalten

Derzeit entsteht auf dem Gelände ein riesiger Betonkoloss, der neue Laborflügel M. Die Wände sind 1,80 Meter dick und sollen Erdbeben und sogar Flugzeugabstürzen standhalten. Hier sollen die Labore nach der Fertigstellung einziehen. 

Sicherheit ist am JRC ein zentrales Thema. Die Labore sind nur über Metallschleusen zugänglich. | Bild: ka-news.de

In der Vergangenheit wurde auch die Kritik  laut. Zuletzt haben im April 2019 Anti-Atom-Aktivisten gegen die Arbeit demonstriert. Ihr Vorwurf: Es werde durch die Forschung an der Entwicklung neuer Reaktorsysteme mitgewirkt.

Gabriele Tamborini vom JRC findet auf diese Vorwürfe klare Worte: "Etwas, das leider viele nicht verstehen: der Atomausstieg geht nicht von heute auf morgen. Für Radioaktivität gibt es keinen An-Aus-Schalter."

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (18)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Iglaubsnet
    (715 Beiträge)

    10.03.2020 09:53 Uhr
    Auf ewig verstrahlt?
    Da fährt ein dt. Musiker in Tschernobyl Karussell.
    https://www.instagram.com/p/B9cPPAToNCY/?utm_source=ig_embed
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (216 Beiträge)

    09.03.2020 19:32 Uhr
    Im Sonntagsblättle von den
    BNN war ein Sportkommentar wegen Coronavirus und den Olympischen Spielen in Tokio und der Haltung des IOC zur Absage oder Verlegung dieser. Konnte ich im Großen und Ganzen zustimmen, bis auf einen Satz. Da wurden auch aufgeführt was wäre wenn die Fukushima Sache noch im Gange wäre. Da dann der Satz, dass durch die Fukushima Katastrophe 20.000 Menschen umgekommen sind. Ein absoluter Blödsinn den auch Frau Roth verzapft hat. Es ist erwiesen, dass die Menschen durch den Tsunami starben. Wer die Videos in YouTube von diesen Tsunami anschaut, weis, dass dies der eigentliche Grund ist. Auch ist der Reaktor nicht wegen dem Erdbeben in diese Lage gekommen, dass hätte er problemlos überstanden. Es war der Tsunami, der die elrktrischen Anlagen zerstörte. Und deswegen der überstürzte Ausstieg aus der Atomkraft. Übrigens Schweden, Heimat von Greta, bezieht 40% der Energie aus Atomstrom.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FG1961
    (330 Beiträge)

    10.03.2020 06:03 Uhr
    Wer hat die Baufreigabe
    für dieses KKW erteilt?
    Erdbeben- und Tsunamigebiet, gepaart mit einem KKW, welches zwingend Energie benötigt, um die Kernschmelze zu verhindern.
    Diese Art der KKW gehören allesamt umgebaut.
    Das wäre ein wesentlicher Fortschritt in Bezug auf Sicherheit.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (216 Beiträge)

    10.03.2020 08:10 Uhr
    Nun, schon richtig was Sie
    sagen. Ist so, dass die Schutzmauer gegen Tsunamis bei diesem Kaliber schlicht weg zu niedrig war. Ansonsten wäre rein gar nichts passiert. Da hätte man
    a.) Die Schutzmauer höher bauen müssen, oder
    b.) Weiter von der Küste bauen sollen.
    Hier in Deutschland ging man natürlich gleich in den Panikmodus, und da dazu noch Wahlen anstanden, durfte dies auf keinen Fall dem politischen Gegner überlassen bleiben. Als ob ein Tsunami im Rhein mi dem AKW in Philippsburg das Gleiche anstellen könnte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10280 Beiträge)

    09.03.2020 12:00 Uhr
    Tja
    "Wir haben das Problem von unserer Elterngeneration geerbt, jetzt müssen wir Lösungen finden"
    Es wäre schön gewesen, wenn sich die Elterngeneration und z. T. die Grosselterngeneration schon zu diesem Problem ein paar Gedanken mehr gemacht hätten.
    Dann wäre man einer Lösung vielleicht näher.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Iglaubsnet
    (715 Beiträge)

    09.03.2020 15:34 Uhr
    Unsere
    Elterngeneration hatte die Lösungen, die grünen Hysteriker haben sie zunichte gemacht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10280 Beiträge)

    09.03.2020 15:38 Uhr
    Ach was
    Welche Lösungen hatten die denn?
    Insbesondere was die Entsorgung des Atommülls angeht?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kunvivanto
    (128 Beiträge)

    09.03.2020 15:44 Uhr
    Aufarbeitung und sichere Entsorgung des Restes.
    Nur die grünen Hysteriker haben letzteres verhindert. Selbst wenn man sich von Gorleben verabschiedet und was anderes gesucht hätte, sie wären genauso dagegen gewesen. Statt konstruktiver Alternativen nur Nein sagen. Mehr konnten die nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   stefko
    (2226 Beiträge)

    09.03.2020 16:37 Uhr
    Aufarbeitung
    Damit verringert sich auch nur die Menge des hoch radioaktiven Mülls, wofür die Menge des leicht und mittel strahlenden um Faktor 4-5 ansteigt.
    Grund für das Scheitern (zB Wackersdorf) war aber auch nicht nur "grüne Hysterie" sondern schlicht ökonomische Gründe, sprich wenn einer der Hauptgründe einer solchen Anlage nicht die Gewinnung von (Waffen)Plutonium ist, sind "frische" Brennstäbe aktuell einfach billiger als aufgearbeitete. Japan ist das einzige Land der Welt ohne Atomwaffen das eine WAA betreibt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Iglaubsnet
    (715 Beiträge)

    09.03.2020 19:42 Uhr
    Mach Dich
    mal schlau, sonst wirft man Dir noch das Dunning-Kruger- Syndrom vor. Soll bei den Grünen öfters vor kommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.