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Karlsruhe/Linkenheim-Hochstetten Atomexperimente in Karlsruhe: Verbände verlangen Transparenz

Das Institut für Transurane (ITU) auf dem Campus-Nord am KIT, das unter anderem das Verhalten von Kernbrennstoffen in Atomreaktoren erforscht, will einen Neubau errichten. Umweltschützer verweisen auf mögliche Gefährdungen durch radioaktive Verseuchung und fordern die Offenlegung der Sicherheitskonzepte für das Projekt, das mit einer deutlichen Ausweitung der Forschungsexperimente einhergehen soll.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bürgerinitiative (BI) Müll und Umwelt Karlsruhe verweisen auf ihnen vorliegende Unterlagen des ITU. Daraus gehe hervor, dass das Institut nach einer bestehenden Genehmigung aus dem Jahr 1997 unter anderem mit 180 Kilogramm Plutonium und 50 Kilogramm Uran 235 mit einer Anreicherung von bis zu 93 Prozent experimentieren dürfe. Mit einem Neubau, dem "Flügel M", ist nach den Informationen der Verbände nun eine Ausweitung der Experimente mit den radioaktiven Stoffen geplant.

BUND und BI gehen davon aus, dass der Umgang mit weiteren 80 Kilogramm hoch angereichertem und 300 Kilogramm schwach angereichertem Uran wie auch 450 Kilogramm Thorium 232 angestrebt ist, für deren Umgang eine zusätzlichen Genehmigung erforderlich werde. Die Umweltschützer beklagen, dass alle bisherigen Genehmigungen ohne öffentliche Beteiligung erteilt worden seien. Bei dem Neubau müsse dies anders laufen, so die Forderung - vor allem auch deshalb, weil der neue "Flügel M" ein Laborneubau mit einem so genannten Spaltstofflager werden soll, an das höchste Sicherheitsanforderungen zu stellen seien. Dies gehe aus den Baugesuch-Unterlagen hervor.

Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht zu erfahren, wie sich im Alt- und Neubau die sicherheitstechnische Auslegung der heißen Zellen darstellt und wie die Analyse und Auslegung bei möglichen Störfällen gehandhabt wird, unterstrich Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des Regionalverband Mittlerer Oberrhein, auf einer Informationsveranstaltung am Freitagmittag. "Dies ist nicht nur für die Bewohner von Linkenheim wichtig, sondern für die gesamte Region", ergänzte Harry Block, Emissionssprecher des BUND in Karlsruhe, der im Fall eines schweren Störfalls eine radioaktive Verseuchung befürchtet.

Sicherheitsvorkehrungen sollen offengelegt werden

Offen gelegt werden müsse unter anderem, welche Abschirmung für den künftigen "Flügel M" vorgesehen ist, wie die radioaktiven Materialtransporte erfolgen werden und wie eine Kontamination der Umwelt und der Mitarbeiter verhindert werden kann. Dies könne nur durch eine öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen für den Neubau inklusive aller bestehenden Genehmigungen in Verbindung mit einer öffentlichen Erörterung geschehen.

BUND und BI weisen auf ihre Beteiligung am öffentlichen Erörterungstermin für die Verglasungsanlage der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) hin, mit der dazu beigetragen worden sei, dass die Anlage in einigen Punkten sicherer gebaut und betrieben wurde. "Es muss so dargestellt werden, damit jeder versteht, was hier im ITU passiert", unterstrich Block.

 

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  •   lebkuchenmesser
    (738 Beiträge)

    13.03.2011 02:05 Uhr
    Ja genau trennen - Danke
    Über das Grund- und Oberflächenwasser bei Philippsburg -was ja nur einen Steinwurf entfernt ist - gab es auch schon Untersuchungen, welche erhöhte Tritiumwerte erbrachten ("Schweres Wasser").
    Das war vor ca. 7,8 Jahren(?), ist auch still darum geworden.
    Warum wohl. Anscheinend sind die so dichten Druck- und Siedewasserreaktoren doch nicht so hermetisch vom natürlichen Wasserkreislauf getrennt.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (11 Beiträge)

    12.03.2011 23:02 Uhr
    bitte nicht vergessen...
    Wie muss ich das verstehen? Dort werden Studenten sein, die da rumdoktern und meinen alles zu wissen! Mir hat eine Frau die im FZ-KA arbeitet erzählt, dass im FZ-KA sehr viele Wissenschaftler um die 45 gehäuft an Krebs erkrankt sind. Ich habe so langsam die Sch. voll. Wenn die mit ihrem Leben spielen wollen, sollen sie das tun, aber sollen sich von hier verp. und ihre Experimente wo anders machen! Ich habe keine Lust und das möchte ich betonen, auch keine Lust mit nur einer geringen völlig unbedenklichen Dosis verstrahlt zu werden!
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  •   lebkuchenmesser
    (738 Beiträge)

    12.03.2011 23:43 Uhr
    Naja
    möglicherweise alles Raucher?
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  •   lebkuchenmesser
    (738 Beiträge)

    12.03.2011 23:50 Uhr
    In welcher Abteilung
    arbeitet die Frau?
    Verstehen Sie mich nicht falsch, aber arbeitet im FZK ist ein weitgefasster Begriff.
    Eine Kantine gibt es da bestimmt auch.
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  •   lebkuchenmesser
    (738 Beiträge)

    12.03.2011 20:29 Uhr
    Wenn ich die Mengen der dort in
    hochangereicherter Form gelagerten Isotope lese, liegt für mich die Vermutung nahe, das dort Kritikalitäts Experimente durchgeführt werden.
    Das wäre natürlich wirklich nicht ohne!
    Wohlgemerkt allein die Masse macht noch keine Bombe, dazu gehören noch andere Vorraussetzungen.
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  •   abakus
    (1066 Beiträge)

    12.03.2011 18:46 Uhr
    noch ein paar Milliarden fürn A....
    Und alles ohne die Öffentlichkeit zu informieren, denn der Wähler ist ja dumm und weiß nicht was für ihn gut ist. Da macht das die schwäbische Landes-Mafia lieber im Alleingang. Ist jetzt ja auch viel praktischer, wenn EnBW, Unis und Land alle unter einer schwarzen Decke stecken.
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  •   lynx1984
    (3377 Beiträge)

    12.03.2011 18:14 Uhr
    Forschung => Nutzen?
    Hallo Zusammen, die Forschung (oder auch herumbasteln und rumexperimentieren mit hochradioaktiven Stoffen) muss absolut sicher gestaltet werden. Am liebsten wäre mir natürlich ein Verzicht auf weitere Forschung im Hardtwald. Gerade Japan zeigt ja jetzt wieder einmal dass nur das Restrisiko sicher ist. Auch ein dreistufiges Sicherheitskonzept kann ausfallen...
    Darüber hinaus stelle ich mir die Frage welchen Nutzen hat die Forschung? Laut Homepage: 1. "Brennstoffbewirtschaftung und Entsorgung nuklearer Abfälle" 2. "Sicherheitsüberwachung von Kernmaterial" 3. "Anwendungen für Umwelt und Medizin" 4. Förderung der Aktinidengrundlagenforschung
    Bis auf den Part der Medizin für mich persönlich unnötige Forschung in der Sackgassentechnologie. Dafür braucht man dann 180 Kilogramm Plutonium? Das Vertuschen und Verschleiern der Atomforschung im Hardtwald muss ein Ende haben!
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  •   lebkuchenmesser
    (738 Beiträge)

    12.03.2011 23:53 Uhr
    U und Pu
    sind nicht hochradioaktiv.
    Theoretisch könnten Sie das in einer Plastiktüte "sicher" verwahren.
    Interesanter ist doch das es sich um angereicherte, spaltbare Materialien in beachtlichen Mengen handelt.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (572 Beiträge)

    12.03.2011 18:47 Uhr
    Transparenz muss her
    Moin,

    ganz klar, hier muss die Öffentlichkeit aktiv beteiligt werden.

    Punkt 1 und 2 halte ich aber auch für sehr wichtig, wir haben ja schließlich bereits eine Menge Müll produziert und bis heute kein Konzept, wie wir den wieder entsorgen können.

    Was erhofft man sich im Bereich der Aktinidengrundlagenforschung? Ich höre den Begriff hier gerade zum ersten mal...
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  •   IGator
    (203 Beiträge)

    12.03.2011 22:41 Uhr
    Was hilft Transparent ?
    Also, da pfriemeln Menschem mit Zeug herum dass erbgutschädigend ist und die lebenserwartung von Menschen um das tausendfache übertrifft. Für mich sieht das so aus wie bewusster Suizid. Auch irgendwelche Konzernbosse können sich und ihre Kinder nicht von der tragweite abgeschotten. Wenn also dieses ganze Affentheater nur um die Energieversorgung gemacht wird, dann gute Nacht. Frei übersetzt hieße Atomergergie nur: Mir ist kalt, gut, dann zünd ich halt meine Hütte an.
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