22  

Karlsruhe/Linkenheim-Hochstetten Atomexperimente in Karlsruhe: Verbände verlangen Transparenz

Das Institut für Transurane (ITU) auf dem Campus-Nord am KIT, das unter anderem das Verhalten von Kernbrennstoffen in Atomreaktoren erforscht, will einen Neubau errichten. Umweltschützer verweisen auf mögliche Gefährdungen durch radioaktive Verseuchung und fordern die Offenlegung der Sicherheitskonzepte für das Projekt, das mit einer deutlichen Ausweitung der Forschungsexperimente einhergehen soll.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bürgerinitiative (BI) Müll und Umwelt Karlsruhe verweisen auf ihnen vorliegende Unterlagen des ITU. Daraus gehe hervor, dass das Institut nach einer bestehenden Genehmigung aus dem Jahr 1997 unter anderem mit 180 Kilogramm Plutonium und 50 Kilogramm Uran 235 mit einer Anreicherung von bis zu 93 Prozent experimentieren dürfe. Mit einem Neubau, dem "Flügel M", ist nach den Informationen der Verbände nun eine Ausweitung der Experimente mit den radioaktiven Stoffen geplant.

BUND und BI gehen davon aus, dass der Umgang mit weiteren 80 Kilogramm hoch angereichertem und 300 Kilogramm schwach angereichertem Uran wie auch 450 Kilogramm Thorium 232 angestrebt ist, für deren Umgang eine zusätzlichen Genehmigung erforderlich werde. Die Umweltschützer beklagen, dass alle bisherigen Genehmigungen ohne öffentliche Beteiligung erteilt worden seien. Bei dem Neubau müsse dies anders laufen, so die Forderung - vor allem auch deshalb, weil der neue "Flügel M" ein Laborneubau mit einem so genannten Spaltstofflager werden soll, an das höchste Sicherheitsanforderungen zu stellen seien. Dies gehe aus den Baugesuch-Unterlagen hervor.

Die Öffentlichkeit habe ein Anrecht zu erfahren, wie sich im Alt- und Neubau die sicherheitstechnische Auslegung der heißen Zellen darstellt und wie die Analyse und Auslegung bei möglichen Störfällen gehandhabt wird, unterstrich Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des Regionalverband Mittlerer Oberrhein, auf einer Informationsveranstaltung am Freitagmittag. "Dies ist nicht nur für die Bewohner von Linkenheim wichtig, sondern für die gesamte Region", ergänzte Harry Block, Emissionssprecher des BUND in Karlsruhe, der im Fall eines schweren Störfalls eine radioaktive Verseuchung befürchtet.

Sicherheitsvorkehrungen sollen offengelegt werden

Offen gelegt werden müsse unter anderem, welche Abschirmung für den künftigen "Flügel M" vorgesehen ist, wie die radioaktiven Materialtransporte erfolgen werden und wie eine Kontamination der Umwelt und der Mitarbeiter verhindert werden kann. Dies könne nur durch eine öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen für den Neubau inklusive aller bestehenden Genehmigungen in Verbindung mit einer öffentlichen Erörterung geschehen.

BUND und BI weisen auf ihre Beteiligung am öffentlichen Erörterungstermin für die Verglasungsanlage der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) hin, mit der dazu beigetragen worden sei, dass die Anlage in einigen Punkten sicherer gebaut und betrieben wurde. "Es muss so dargestellt werden, damit jeder versteht, was hier im ITU passiert", unterstrich Block.

 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (22)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (332 Beiträge)

    18.05.2011 15:42 Uhr
    gegen Atomkraft !!!
    Atomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11 Beiträge)

    13.03.2011 01:46 Uhr
    an die, die sich angesprochen fühlen...
    ich möchte hier nicht den gewissenhaften Wissenschaftler, die es hoffentlich gibt, irgendwie beleidigen oder schlecht machen. Es geht einfach darum, dass immer alles vertuscht und kleingeredet wird. Das haben wir in den 70 im Hardtwald gesehen, wo das eine Fass undicht war und eine radioaktive Wolke sich über dem Hardtwald ausgebreitet hat. Es regt mich einfach nur auf, wenn ich dann schon wieder lese, wie man eine neue Einrichtung Flügel M bauen will.......
    Ihr spielt mit unserer Gesundheit, mit unserem Leben und dazu habt ihr kein Recht!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   danielka
    (70 Beiträge)

    17.03.2011 16:52 Uhr
    Habt ihr ÜBERHAUPT gelesen, wozu das ITU gehört?
    das frage ich mich schon die ganze Zeit.....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lynx1984
    (3223 Beiträge)

    26.04.2011 16:49 Uhr
    Wozu gehört das ITU => GUTE FRAGE!
    Was allerdings noch viel dringlicher ist: WAS wird dort gemacht? Auf Seite 3 steht dies: http://www.rp-freiburg.de/servlet/PB/show/1073507/brosch_wak_itu.pdf
    Alles sehr allgemein gehalten und damit wenig vertrauensförderlich. Ach ja in dem Dokument können alle karlsruher auch gleich mal Ihre Fluchtrouten und mögliche Kontaminierungszonen einsehen.

    Was das tolle ist: Es ist ein Forschungsbetrieb. Für Forschung gelten bestimmte Sicherheitsbestimmungen nicht wie diese z.B. in einem AKW gelten...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lynx1984
    (3223 Beiträge)

    14.03.2011 13:36 Uhr
    Alte Doku belgt Deine Aussagen cyberbob
    Hallo Cyberbob,

    dass auf dem Gelände des Forschungszentrums und der WAK systematisch seit Jahrzehnten geschlampt worden ist schon lange bekannt. Hier eine ZDF Reportage aus dem Jahr 1998!!! http://www.youtube.com/watch?v=cFO_XbyQy7s
    Insgesamt 4 Teile. Inhalt unter anderem: Strahlenbelastung für die Anwohner, kontaminierte Rheinauen, erster Atommüllskandal Deutschlands usw. Alles aus unserem Hardtwald.

    Und nun soll dort weiter geforscht äh gepfuscht werden?

    Ich selbst habe im Freundeskreis genügend Leute die im FZK, als auch am WAK arbeiten. Davon teilweise auch in den Hochsicherheitsbereichen. Denen traue ich zu mit den Sachen verantwortlich umzugehen. Aber auch die berichten natürlich von zwischenmenschlichen Dingen auf der Arbeit und davon dass man mit zu viel Routine auch schnell mal einen Fehler machen kann...

    Sicher ist nur das Risiko. Erst recht bei der Forschung. Schließlich weiß man nicht immer welche Sicherheitsmaßnahme man jetzt gerade hätte erforschen sollen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11 Beiträge)

    12.03.2011 23:33 Uhr
    es muss offen gelegt werden?
    Wer möchte hier bitte wem was offen legen? Der Bürger will nicht in Atomphysik ausgebildet werden, der will mit diesem ganzen Mist einfach nichts zu tun haben und in Ruhe gelassen werden. Da werden wieder Mrd. verbraten um die Gewinne von EnBW und RWE usw.. zu steigern. Die lachen sich doch tot und zahlen wie bei der WAK 30% und 70% der Steuerzahler. Das ist eine tolle Landesregierung... vermutlich sind die sogar noch stolz darauf! Kennt jemand eigentlich die genauen Zahlen was in der WAK an Mrd. an Euros versenkt wurden? Ich finde diese Kosten sollten dem Strompreis zuaddiert werden, dann wäre er plötzlich nicht mehr so günstig wie die Experten immer tun...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lebkuchenmesser
    (737 Beiträge)

    12.03.2011 23:48 Uhr
    Sie müssen das aber schon tennen,
    Die versenkten Milliarden sind in der WAK.
    Das andere ist das FZK.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11 Beiträge)

    13.03.2011 01:17 Uhr
    sie meinten wohl trennen...
    nun ja, sagen wir es so. Die Anzeigen mit den schweren Erkrankungen der Mitarbeiter hängen angeblich aber am "Schwarzen Brett" in der Kantine des FZK. Das eine, FZK ist der Käse und die WAK der Emmentaler... Noch etwas, was man mir erzählt hat... Das FZK hat das Grundwasser im Hardtwald untersucht und das Ergebnis als vertraulich eingestuft, komisch oder? wo wir doch so eine tolle Wasserqualität im Hardtwald haben... Ich will damit nur sagen, dass ich diesen ganzen Fachleuten nicht ein Wort glaube und glauben werde. Das sind L. die uns die Nacht als Tag verkaufen, wenn sie davon profitieren.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lebkuchenmesser
    (737 Beiträge)

    13.03.2011 02:07 Uhr
    Ansonsten
    finde ich es aber sehr bedenklich wenn vertrauliche Mitarbeiterdaten Daten in einer Kantine aushängen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11 Beiträge)

    14.03.2011 11:27 Uhr
    hmm
    spätestens die Todesanzeige in der Zeitung würde öffentlich werden..., ich weiss dass man gerne alles in der Schublade verstecken möchte...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.