Karlsruhe Alles auf Anfang

Nach dem Scheitern der Besitzgesellschaft denkt man bei der Stadt nun darüber nach, das Wildparkstadion in Eigenregie umzubauen (Foto: ka-news)
Da der Karlsruher SC der geplanten Besitzgesellschaft mit der Stadt zum Zwecke des Stadionumbaus aus finanziellen Gründen nicht beitreten kann (ka-news berichtete), hat der Gemeinderat seine beiden Grundsatzbeschlüsse vom Mai und Juli diesen Jahres aufgehoben. Stattdessen will die Stadtverwaltung nun prüfen lassen, ob eine Generalsanierung oder gar ein kompletter Neubau in Eigenregie in Frage kommt. Dazu fassten die Gemeinderäte auf ihrer gestrigen Sitzung einen neuerlichen Beschluss.

Dieser beauftragt die Verwaltung, in den kommenden Wochen und Monaten zu prüfen, "ob und wie der Umbau des Wildparkstadions in Verantwortung der Stadt oder einer städtischen Gesellschaft möglich ist". Die Stadtverwaltung kommt damit dem Wunsch von KSC-Präsident Hubert Raase und Manager Rolf Dohmen entgegen, die gestern auf der Zuschauertribüne die Sitzung verfolgten. Ende August baten die KSC-Verantwortlichen Oberbürgermeister Heinz Fenrich, "eine Realisierungsform für einen Stadionumbau zu finden, die ohne Gesellschaftsbeteiligung des KSC den Umbau des Wildparkstadions ermöglicht". Notwendig wurde dies, weil der Sportclub in der Zwischenzeit - nach den beiden Grundsatzbeschlüssen im Mai und Juli (ka-news berichtete) - von der Vergangenheit eingeholt wurde.

OB: Wer übernimmt die Bauherrschaft?

Anfang August wurden die Blau-Weißen unerwartet mit den Folgen von Finanz- und Vertragsmodalitäten der letzten Jahrzehnte und den daraus drohenden Forderungen konfrontiert. Hintergrund sind noch ausstehende Forderungen eines Kaiserslauterner Architekten, der bereits Ende des vergangenen Jahrzehnts Pläne für einen etwaigen Umbau des Stadions fertigte. Forderungen, die nach Auffassung der KSC-Verantwortlichen einerseits die Finanzierung eines Stadions und andererseits die kommende Lizenzierung durch die Deutsche Fußball-Liga gefährden könnten (ka-news berichtete).

Aus dem Wildparkstadion soll eine moderne Fußballarena werden - aber wie?
(Foto: ka-news)

Aus diesem Grund sahen sich die Gemeinderäte gestern in der Pflicht, erneut über das weitere Vorgehen in Sachen Stadionumbau zu beraten. Das Plenum war sich wie schon in vorangegangen Diskussionen weitestgehend einig, dass der KSC mittelfristig ein bundesliga-taugliches Stadion brauche. Die Modernisierung sei überfällig, "auch wenn der KSC nun als Partner wegfällt", verdeutlichte OB Fenrich nochmals. Nach der veränderten Situation sei nun zu klären, wer die Bauherrschaft übernehmen könne: die Stadt oder eine städtische Gesellschaft? Und wie ein belastbares Finanzierungsmodell aussehen könnte. Nach Meinung des OB könnte dies durch Zuschüsse der Stadt und des Landes, oder durch Subventionen von Dritten sowie durch Fremdkapitalfinanzierung, also Investoren, geschehen.

CDU: Generalsanierung oder Stadionneubau?

Fenrich erklärte, dass die Stadt in Zusammenarbeit mit der Stadionkommission zunächst einmal eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vornehmen lassen werde und in "Kenntnis der vollen Belastungen" Verhandlungen über Finanzierungsmodalitäten anschieben will. "Letztlich muss der Aufwand gedeckt sein", so Fenrich. Doch dies genau zu prüfen, koste Zeit. Damit deutete der OB an, dass der ursprünglich vorgesehene Baubeginn im Mai 2007 nicht mehr in Frage kommt. Die Prüfungen und die zu vertiefenden Planungen sowie die einzuhaltenden Fristen machten dies unumgänglich, so Fenrich.

Sieht Stadionneubau als Alternative: Ingo Wellenreuther (CDU) (Foto: ka-news)
Ingo Wellenreuther (CDU) sprach sich für eine zügige Prüfung der vom OB dargelegten Sachverhalte aus, und äußerte den Wunsch, dass mit den Bauarbeiten vielleicht schon während des Spielbetriebes der nächsten Bundesliga-Saison 2007/2008 begonnen werden könne. Auch deshalb, weil Karlsruhe nicht zuletzt städtebaulich von einem neuen Stadion profitieren könne. Deshalb forderte er eine "klare und saubere Prüfung" der möglichen Kosten und Erträge eines neuen Stadions, die eine gesunde Basis für die zu treffende Entscheidung bilden soll. Für den Fall, dass die zu erwartenden Kosten eines Stadionumbaus - vor allem die Sanierung der Gegentribüne, der Flutlichtanlge, der Rasenheizung, und der sanitären Anlagen - hohen finanziellen Aufwand erfordere, ließ Wellenreuther durchscheinen, dass ein kompletter Neubau für ihn und seine Fraktion die wirtschaftlichere Alternative sei.

Grüne: "Große Lösung": Nein! - "Mittlere Lösung": Ja!

SPD-Stadtrat Maul ging es bei der Diskussion um das weitere Vorgehen in Sachen Stadionumbau weniger um das Ob, sondern um das Wie: "Die Stadt sollte es tun, die Frage ist: Kann sie es tun?" Genauso wie Wellenreuther verwies Maul darauf, einer etwaigen allzu umfangreichen Generalsanierung einen kompletten Stadionneubau in Abhängigkeit einer verbindlichen Zuschusszusage des Landes vorzuziehen. In diesem Fall könnte der KSC dann Zusatzeinnahmen durch die Veräußerung neuer Logen oder durch die Vergabe des Namensrecht erwarten, die in die Stadionfinanzierung mit einfließen könnten.

Nach den dem vorzeitigen Scheitern der angeschobenen Bemühungen sahen sich die Grünen in ihrer skeptischen Haltung bestätigt, weil sie bereits bei der letztlich nichtigen Beschlussfassung vom Juli vor einer zu schnellen Entwicklung der Dinge warnten. "Durch eine langsamere Vorgehensweise hätte man die Rücknahme der Beschlüsse vermeiden können", so Andreas Ruthardt. Nun müsse die Stadt die Sache nun eben selbst in die Hand nehmen, so der Grünen-Stadtrat. Eine "Große Lösung" zwischen 40 und 60 Millionen Euro in Verantwortung der Stadt schloss Ruthardt aber aus.

FDP: "Wo kein Mehrwert ist, ist auch kein Mehrgewinn!"

"Dies ist nicht verantwortbar und der Bevölkerung nicht vermittelbar", unterstrich Ruthardt. Ein Umbau in dieser Größenordnung könne nur durch eine substantielle Lösung eines Dritten, etwa einem Investor, geschehen. Ruthardt empfahl der Stadtverwaltung "schrittweise" den Umbau in Angriff zu nehmen, mittels mehrere Maßnahmenpakete, die nach und nach umgesetzt werden könnten. Eine "Mittlere Lösung" in Form einer Generalsanierung werde seine Fraktion zustimmen, alles andere sei noch abzuwarten, so Ruthardt abschließend.

Generalsanierung oder Abriss wegen Stadionneubau? - die Gegentribüne (Foto: ka-news)

FDP/Aufbruch-Chef Michael Obert merkte an, dass eine mögliche Generalsanierung seiner Meinung nach ein bekanntes Problem mit sich bringe: "Wenn geschraubt wird gehen in der Regel auch die Zuschauerzahlen zurück - und wo kein Mehrwert ist, ist auch kein Mehrgewinn!" Wirtschaftlich sinnvoller sei deshalb ein kompletter Neubau, ein Investor steige eben nur dann ein, wenn es sich für ihn lohne. In Sachen Finanzierung sprach Obert daneben von einem "berechtigten Anspruch an die Landesregierung", weil diese in den vergangenen Jahren auch die Stadionsanierungen von Stuttgart und Freiburg bezuschusst hat.

KAL: "Kostenkontrolle ist gut, aber Zeit kostet auch Geld!"

In das Stuttgarter Stadion habe das Land beispielsweise innerhalb zweier Sanierungsmaßnahmen rund 26 Millionen Euro investiert. Heruntergerechnet auf die Belange des KSC kommt Obert auf 18 Millionen Euro, die er vom Land als Zuschuss fordert - ungeachtet der letzten Äußerungen von Ministerpräsident Günther Oettinger, der laut Obert kürzlich einen einstelligen Millionenbetrag als sichere Landessubvention in Aussicht gestellt habe.

Für "mehr Mut" und "weniger Langmut" im Gremium plädierte indes KAL-Stadtrat Eberhard Fischer, denn eines sei klar: "Wir brauchen eine reine Fußballarena", im alten Stadion sei unter wirtschaftlichen Gesichtpunkten kein vernünftiger Fußball möglich. Ebenso unmissverständlich, formulierte er seine klare Forderung aus Sicht der KAL: "Das Geld für den neuen Wildpark darf weitestgehend nicht aus dem Kämmereihaushalt kommen. Es muss fremdfinanziert werden, dann hat man auch kein schlechtes Gewissen."

Das Geld dazu müsse durch die Verpachtung und die Umsetzung des vom KSC bereits umrissenen Businessplans hereinholt werden. Und das sollte nach Möglichkeit sobald wie möglich passieren, gab Fischer dem Plenum für die weiteren Beratungen in den nächsten Monaten zu bedenken: "Denn Kostenkontrolle ist gut, aber Zeit kostet auch Geld."

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