Karlsruhe Alles andere als "Unrockbar"

Farin Urlaub und seine Ärzte spielten vor ausverkaufter Europahalle (Foto: ka-news)
Obwohl das Vincentius-Krankenhaus gleich um die Ecke liegt, kamen sie eigens aus Berlin eingeflogen. Denn tausenden Patienten vor der Europahalle verlangten nach Sonderbehandlung. Und die sollten sie bekommen: Ganze drei Stunden lang beweisen die Chef-Doktores Urlaub, Felsenheimer und Assistenzarzt Gonzalez am vergangenen Freitagabend, dass sie ganz entgegen dem Tourtitel alles andere als "Unrockbar" sind. "Die beste Band der Welt" halt - präsentiert von ka-news.

"Wenn die Halle am vollsten ist, kommen die Ärzte auf die Bühne", dröhnt es kurz nach zehn vollmundig aus den Lautsprechern. Und voll, das war sie! Schon seit Wochen waren sämtliche Karten vergriffen und ihre Besitzer haben sich längst in der Halle versammelt. Dennoch gibt es auch die ein oder andere bunthaarige Fraktion, die es vorzieht - den Sixer eng umschlungen - sich ihre Behandlung kostenlos von draußen verabreichen zu lassen. Dafür entgeht ihnen denn allerdings auch die standesgemäße Show, welche die Ärzte auf der Bühne abfeiern sollten.

Eine Überdosis "Geräusch" auf die Ohren

Singen, trommeln und dabei auch noch stehen - ein Leichtes für Bela B.!
(Foto: ka-news)
Die türkische "Eurovision-Song Contest"-Skaformation Athena um die Brüder Hakan und Gökhan Özoduz hat gut vorgelegt; und die Ärzte beweisen einmal mehr ein Händchen bei der Auswahl ihrer Vorgruppe. Doch jede Vorfreude hat einmal ihr Ende, und so skandiert man alsbald: "Wir woll'n die Ärzte sehen!" Dann der fulminante Auftakt. Der Vorhang fällt im wahrsten Sinne des Wortes und die Ärzte haben ihr Publikum nach dem Opener "Nicht allein" mit Klassikern wie "Radio brennt" oder "Sweet Gwendoline" gleich voll im Griff.

Entwarnung für die Sittenwächter: Der BH hing schon zu Konzertbeginn an Rods Mikroständer (Foto: ka-news)
Die um sich greifende "Hip Hip Hurra"-Stimmung flacht in Folge allerdings etwas ab, was vornehmlich daran liegt, dass kaum mehr ein echter Mitgröhler aus den Zeiten von "Kurz nach früher bis jetze" in der Setlist auftaucht. Statt dessen gib's ziemlich viel "Geräusch" auf die Ohren. Allesamt erstklassige Ärzte-Nummern, keine Frage. Doch braucht's eben immer seine Zeit bis der ein oder andere neue Song zum heißbegehrten Renner wird. Dass ihr Publikum schon viel früher eine gehörige Klassiker-Infusion nötig gehabt hätte, wurde spätestens bei den Zugaben klar. Doch so weit sind wir noch längst nicht, denn der geneigte Besucher sollte an diesem Abend richtig was geboten bekommen für sein teuer Erspartes.

Europahalle wird zur "Rock 'n' Roll Realschule"

Seine Show ließ einmal mehr nichts zu wünschen übrig... (Foto: ka-news)
Zur Mitternachtsstunde, gerade als der "Schrei nach Liebe" recht verhallt ist, räumen Farin, Bela B. und Rod erstmals die Bühne - um hernach in roten Anzügen Teile ihres "Rock 'n' Roll Realschule"-Unplugged-Programms ("Langweilig", "Monsterparty", "Blumen") zu jammen. Eine nette Einlage, wenngleich der Drive des Konzerts ein wenig darunter zu leiden hat. Doch die Menge ist auch um kurz nach halb eins noch nicht austherapiert. Kurzzeitig macht sich zwar Verunsicherung breit; auch einige Pfiffe sind zu vernehmen, ganz so als habe man einem Kind seinen Schnuller weggenommen.

Klassiker auf Klassiker - leider "Zu Spät"

Doch dann besinnt sich die Menge und klatscht ihre "Super Drei" wieder auf die Bühne. Die wissen sodann von "Dingen von denen" man besser nichts wissen möchte zu berichten, Bela und Farin geben das singende Pferd, Rod bearbeitete den Flügel und natürlich besingt man die "Unrockbaren".

...der Welt einziger Stehschlagzeuger Bela B. Felsenheimer (Foto: ka-news)
Nach "Westerland" geht's dann gottlob auch noch und damit sollte dem Fan doch eigentlich Genüge getan sein - oder etwa doch nicht? Farins Versuche, die Frage "Können wir noch etwas für euch tun?" mit seinem Instrument selbst zu beantworten scheitern mit Ansagen. "Mein Teddy"? Nein! Prodigys "Firestarter"? Auch nicht. "Zu spät" ist dann schon ganz nahe dran, doch trotz Herrn Urlaubs charmant in den Song eingeflochtener Aufforderung im Schlussakkord "Verpisst euch!" kann der Abend freilich noch nicht vorüber sein.

45 Minuten Zugabe und die Spendierhosen waren runter

9.000 Ärzte-Fans verlangten Behandlung (Foto: ka-news)
Die Ärzte sind ihrem Publikum eine Menge Gassenhauer von einst schuldig geblieben, doch einen fordert das Volk vehement ein: "Ohne Elke fahr'n wir nicht nach Haus!" Und sie sollten ihr Dickerchen bekommen. Kurz vor eins ist es dann allerdings endgültig an der Zeit, "sich zu verpissen", um die Worte des Ärzte-Gitarristen aufzugreifen. Die Spendierhosen sind runter. Schluss mit der Karlsruher Musik-Therapiesitzung. Schließlich haben die Patienten in Köln, Oldenburg, Bern, Dresden und Berlin schon längst die Wartezimmer in Beschlag genommen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.