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Karlsruhe "Alle Jahre wieder": Tarifanpassung beim KVV

Wie verkauft man schlechte Nachrichten möglichst positiv? Dieser Frage dürften sich auch KVV-Chef Walter Casazza und sein Team gewidmet haben, denn: Die Fahrkarten werden wieder teurer. Wie bereits im Vorjahr nutzte der Karlsruher Verkehrsverbund die Pressekonferenz zur Tarifänderung, um eine neue Karte vorzustellen, in diesem Fall "Die 9-Uhr-Karte".

Fachlich korrekt wird von einer "Tarifanpassung" um durchschnittlich 3,3 Prozent "nach oben" besprochen. Ausgenommen davon sind die Schoolcard sowie das Studiticket. Bei dieses beiden Tarifoptionen ändern sich die Tarife im September beziehungsweise Oktober.

Wer noch die Proteste der Studenten vom Oktober 2008 im Ohr hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass es dieses Jahr erstaunlich ruhig blieb. Casazza hierzu: "Wir konnten den Studenten in den Gesprächen verdeutlichen, dass sie mit uns im Vergleich sehr gut fahren." Daher habe man diese Proteste dieses Jahr nicht geerntet. Für die nächste Preisstufe im Oktober 2010 wolle man noch die Endverhandlungen abwarten.

Tariferhöhung: Einzelfahrkarten bleiben verschont

"Alle Jahre wieder", so Casazza, gebe es zum 1. Januar eine Tarifanpassung. Der Anspruch des Karlsruher Verkehrsverbundes sei es, dabei "moderat" vorzugehen. Als sehr großer Kostenfaktor dabei gelten angeblich die Energiepreise des Bahnstroms. Bereits 2008 sei dieser um 11 Prozent teuer geworden, dieses Jahr habe sich der Preis nochmals um drei Prozent erhöht. Außerdem hätten durch Tarifverträge auch die Personalkosten erheblich zu Buche geschlagen.

Um zu unterstreichen wie "moderat" die KVV-Preispolitik ist, wurde ein Fahrpreisvergleichen deutscher Städte mit mehr als 200.000 Einwohner ausgehändigt: Während sich Karlsruhe durchweg auf den unteren - preiswerten - Rängen wiederfindet, schnuppern die Stuttgarter Bahnfahrer Höhenluft (Einzelfahrkarte 2,10 Euro in der Fächerstadt; 2,45 Euro in Stuttgart).

Unterm Strich kosten die KVV-Karten ab 1. Januar 2010 nun 3,3 Prozent mehr; die Preise für Einzelfahrkarten bleiben unverändert. Zur besseren Übersichtlichkeit hat ka-news folgende Tabelle angefertigt.

Übersicht: Welche Karte kostet künftig wieviel?
Karte Alter Preis Neuer Preis
KombiCard 60
Euro/Monat
64
Euro/Monat
KombiCard Partner 45
Euro/Monat
48
Euro/Monat
4er-Karte 7,40 Euro
(zwei Waben)
7,80 Euro
(zwei Waben)
City-Karte 4,70 Euro 4,80 Euro
City-Karte plus 7,10 Euro 7,40 Euro
Regio-Karte 8,10 Euro 8,40 Euro
Regio-Karte plus 13,50 Euro 14 Euro
RegioX-Karte 13 Euro 13,50 Euro
RegioX-Karte plus 20,50 Euro 21,50 Euro
Monatskarte (zwei Waben) 44,50 Euro 46 Euro
Monatskarte (Netz) 124 Euro 129 Euro
Monat im Jahresabo (zwei Waben) 37,80 Euro 39,30 Euro
Monat im Jahresabo (Netz) 104,80 Euro 110,20 Euro
Karte ab 60 31,50
Euro/Monat
32,50
Euro/Monat
Karte ab 60 (Jahreskarte) 378 Euro 390 Euro



Voriges Jahr stellte der KVV die KombiCard vor, welche zwischenzeitlich von 11.500 Karlsruhern genutzt wird. Dieses Jahr wird die KVV-Tarifsfamilie um die 9-Uhr-Karte ergänzt. Mit dieser Karte können zwischen 9 Uhr am Vormittag und 5 Uhr nachts alle Verkehrsmittel im ÖPNV genutzt werden. Samstags, sonntags und an Feiertagen ist dies rund um die Uhr möglich.

Die neue Fahrkarte ist personenbezogen. Zudem ist sie nicht an den Kalendermonat gebunden und kann zu jedem beliebigen Tag im Monat erworben werden. Die 9-Uhr-Karte ist wie die 24-Stunden-Karte in zwei Varianten erhältlich. Für 37 Euro pro Monat können die Bahnen und Busse im Geltungsbereich von drei Waben genutzt werden, zum Beispiel für den Bereich Karlsruhe und Ettlingen. Für monatliche 52 Euro ist es möglich, das komplette KVV-Netz ab 9 Uhr zu "erfahren".

Anfang 2010: Handyticket für die Region

Die neue Fahrkarte ist in allen KVV-Verkaufsstellen sowie über die stationären Fahrkartenautomaten erhältlich. Im Kundencenter kann man die Karte für drei Monate im voraus erwerben, an den Automaten ist die Karte ab Kauf gültig. Die Tarifexperten des KVV rechnen mit einem Absatz von monatlich rund 5.000 9-Uhr-Karten.

Außerdem wagte Casazza noch einen Blick ins Jahr 2010: Im "sehr frühen Frühjahr" wird das Handyticket Schritt für Schritt im ganzen KVV-Gebiet erhältlich sein. Der KVV will mit der Ausschreibung für neue Straßenbahnen beginnen, mit deren Auslieferung sei dann ab 2012 zu rechnen. Zum Thema Überlappungstarife seien die Landkreise Karlsruhe und Rhein-Necker im Gespräch, mit dem Heilbronner Verkehr ist man bereits einen Schritt weiter.

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  • unbekannt
    (6 Beiträge)

    07.12.2009 20:03 Uhr
    mal ganz ehrlich...
    ...solange ich mit der TRAM von der Waldstadt bis zur Siemesallee über 50 Minuten im Berufsverkehr benötige werde ich lieber weiterhin mit dem Auto fahren und bin in 15Minuten da.
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  •   brezelkeks
    (226 Beiträge)

    03.12.2009 18:58 Uhr
    Stadtmobil!! warum schreibt keiner über...
    Hallo allerseits,

    die Diskussion hier geht doch an einem ganz entscheidenden Punkt vorbei, bis ca. 12000 KM ist ein Auto vom Car-Sharing deutlich günstiger, die KVV Karte gibt's noch verbilligt dazu. Die Zeiten, als das Angebot unattraktiv war sind längst Geschichte! Ich nutze dieses Angebot sehr stark, und auch bei einer Monatsrechnung von einigen hunder Euro ist es um längen billiger und Stress-freier aus ein eigenes Auto. www.stadtmobil.de lesen und rechnen. Ich fahre an Wochenenden öfters deutlich > 1000km, und es rechnet sich trotzdem. Auf dieses Angebot kann Karlsruhe (gänzlich unverschuldet, da es eine Privat-Initiative ist) stolz sein.

    @Redaktion KA-News, im Text-Längen Zähler fehlt ein "noch"
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  •   Smallwood
    (1499 Beiträge)

    03.12.2009 16:29 Uhr
    einige rechenbeispiele hier erklären die...
    die größten kostenfaktoren beim auto wären: anschaffung, haftpflichtversicherung, evt. voll -und teilkaskoversicherung, reparaturen, benzin. diese kosten sind natürlich bei jedem sehr individuell aber ganz sicher kann man sich davon einige jahreskarten des kvv kaufen.

    zum argument, wenn ich das auto ohnehin schon habe:

    wer kein auto hat und auf die öffentlichen umsteigt, spart vermutlich so viel geld, dass er wohl jede einkaufsfahrt und noch viele weitere mit dem taxi oder einem mietwagen unternehmen könnte. zur not gibts ja noch bofrost und eismann zwinkern

    wer natürlich trotzdem noch unbedingt ein auto braucht, der kann natürlich unter gewissen umständen recht haben und so billiger fahren, weil auto und jahresabo ist meist eins zu viel.

    allerdings könnte man sich für den luxus auto mit einer kvv jahreskarte viele andere luxoriöse dinge vom ersparten geld leisten und hätte wohl nachhaltig mehr davon. im übrigen kann man die zeit und öffentlichen nutzen
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  •   ka87
    (532 Beiträge)

    03.12.2009 16:53 Uhr
    ...
    jetzt rechene mal als Familienvater..

    Mama, Papa und die 3 kinder fahren in den Zoo...
    Nehmen wir die CitiyKarte kostet uns das 7,40 € vom Städtischen Kinikum aus. Das Auto kostet mit allem berechnet 5,64 €
    Macht immernoch einen Unterschied von 1,76 € + den Zeitfaktor und den Stress den ich dabei habe!
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  •   hermann
    (106 Beiträge)

    03.12.2009 14:26 Uhr
    Tarifanpassung beim KVV
    Leserbriefe in den BNN: Keinen Cent für die Kombilösung. Ab Januar 2010 wird der Briefschreiber keine Jahreskarte mehr kaufen und nur noch im Notfall Straßenbahn fahren. Das nenne ich konsequent. Den KVV wird das sicher sehr erschrecken.
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  •   raffix
    (105 Beiträge)

    03.12.2009 14:17 Uhr
    Auto soll billiger sein?!
    Ohne hier jmd. beleidigen zu wollen, aber was hier manche für Autokosten vorrechnen, da kommen einem glatt die Lachtränen.
    Wenn mir jmd. sein Auto für 50 EUR KA-München und zurück anbietet, ich nehme es sofort!!!
    Wie kann man bei einem Auto nur den Sprit rechnen?! Alle Kosten, die sonst noch damit verbunden sind, MÜSSEN berücksichtigt werden, sonst ist alles nur Augenwischerei.

    Zum Kurzstreckentarif:
    Ja, das ist eine Sache, da könnte der KVV noch ein wenig mehr Arbeit investieren. Es macht keinen Sinn, dass man für nur eine Station Fahrt außerhalb der Fußgängerzone 2,10 EUR zahlen muss (bspw. Durlacher Tor - Kronenplatz), innerhalb der Fußgängerzone aber nur 1,60 EUR. Am Besten man macht es so, wie viele andere Verbünde auch, nämlich dass ein Kurzstreckentarif vier oder fünf Haltestellen umfasst, egal von welcher Station aus.
    Die Konzepte sind also da und müssen nur umgesetzt werden. Es erfordert nicht einmal viel Aufwand.
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  •   andip
    (9639 Beiträge)

    03.12.2009 15:21 Uhr
    Kurzstreckentarif
    Es ist richtig,dass andere Verbünde so etwas anbieten.
    Nur entsteht daurch ein ziemlicher Tarifwirrwar,da man je nach Strecke völlig unterschiedliche Fahrpreise bezahlen muss.
    Da muss man an Automaten endlos suchen,wie hoch nun der Preis an welche Station ist und wenn man sich nicht auskennt,löst man garantiert das falsche Ticket.
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  •   kscgrufti
    (3612 Beiträge)

    03.12.2009 15:01 Uhr
    Auto ist
    definitiv billiger, wenn ich alle Strecken rechne, die ich im Jahr zurücklege (inklusive der Strecken, auf denen ich die DB nehmen müsste). Wenn ich natürlich nur den Nahverkehr rechne, und dann das Auto gegenrechne mit z.B. jährlicher Abschreibung, dann ists logischerweise im KVV billiger. Nur fahr ich halt auch ordentlich Langstrecken. Deshalb ist so ein Vergleich außerordentlich schwierig.
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  •   skater
    (483 Beiträge)

    03.12.2009 13:29 Uhr
    Der KVV hat immer
    noch eines der besten Angebote im ÖPNV die ich kenne. Dass sich in den letzten 6 Jahren nichts getan hätte ist einfach falsch. Das Streckennetz wurde kontinuierlich ausgebaut und mittlerweile gibt es die Nightliner. Andere Beispiele lassen sich bestimmt auch noch finden.

    Die Preisschraube kann natürlich nicht beliebig weitergedreht werden, aber ich finde sie sind noch recht moderat. Wer hier wohnt und einen Einzelfahrschein kauft, nun dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Wenn man sich in diesem Tarifdschungel etwas informiert und überlegt welche Fahrkarte die günstigste ist kommt man schon relativ gut durch die Stadt und ins Umland.
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  •   tyrub
    (256 Beiträge)

    03.12.2009 13:44 Uhr
    Nightliner
    Mal wieder wird eine offensichtliche Verschlechterung des Angebots als etwas positives verkauft. Und warum mich das freuen soll (und ich finanzieren soll), wenn ich bis nach Hintertupfingen bis vor die Haustüre mit der Straba fahren kann, ist mir auch ein Rätsel. Als ich vor 9 Jahren noch in Grünwinkel gelebt habe war die ~34€ Monatskarte noch attraktiv, aber jetzt? Eben erst wieder in Paris gewesen, 1,10 € (10er carnet) in jede Richtung im Stadtgebiet - so etwas braucht man hier. Auch ich würde mir Kurzstreckentarife wünschen - und nicht diese witzlosen in der Fugäzo für 1,60.
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