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Karlsruhe Adoption: Potentielle Eltern auf dem Prüfstand

Für viele Ehepaare ist ein eigenes Kind die Krönung des persönlichen Glücks. Dieses Glück ist aber nicht allen vergönnt, deshalb spielen viele Paare mit dem Gedanken, ein Kind zu adoptieren. Aber wie läuft eine Adoptionsvermittlung eigentlich ab? ka-news hat nachgefragt.

Wer sich in Karlsruhe Gedanken über die Adoption eines Kindes macht, muss sich zuerst einmal an Rosemarie Schmidt vom Jugendamt wenden. Mit einem unverbindlichen Informationsgespräch fängt der Bewerbungsprozess an.

Diejenigen, die sich nach diesem ersten Gespräch für eine Adoption entscheiden, werden zu mehreren "Bewerbungsgesprächen" gebeten und zu Hause besucht. Hinterfragt wird dabei, welche Motivation hinter dem Adoptionswunsch steckt, welche Erziehungserfahrung die beiden haben und wie ihre Paarbeziehung funktioniert. Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Offenheit der zukünftigen Eltern für die Geschichte ihres Kindes. "Die Eltern müssen die Sehnsucht ihres Kindes akzeptieren, etwas über die eigene Herkunft zu erfahren und bereit sein, ganz offen über die Adoption zu sprechen," erklärt Schmidt.

Zahlreiche Kriterien, die ein Paar erfüllen muss

Daneben gibt es aber auch noch andere Kriterien, die ein Paar erfüllen muss. Die beiden müssen mindestens 21 und 25 Jahre alt und verheiratet sein. Eine gesetzliche Altersgrenze nach oben gibt es nicht. In der Regel wird aber darauf geachtet, dass zwischen Kind und Eltern höchstens ein Altersunterschied von 40 Jahren besteht. Auch die finanzielle Situation eines Paares ist von Bedeutung. "Das Paar sollte finanziell unabhängig sein und einer der beiden sollte mindestens für ein Jahr aus dem Berufsleben aussteigen können, denn die meisten Adoptivkinder brauchen besonders viel Aufmerksamkeit", betont Schmidt. Überprüft werden auch die polizeilichen Führungszeugnisse und die Gesundheit des Paares.

Der Großteil der Bewerber erfülle die Anforderungen, so die Pädagogin. "Ich stelle dann einen Adoptionseignungsbericht aus. Ab diesem Zeitpunkt wartet das Paar dann auf ein Kind", so Schmidt. Dies könne allerdings eine Weile dauern; im Durchschnitt müsse ein Paar sich etwa drei Jahre gedulden.

"Die meisten Kinder, die vermittelt werden, sind Säuglinge. Bei älteren Kindern nehmen die leiblichen Eltern in der Regel ein Vollzeitpflegeangebot an. Das heißt, die Kinder werden in eine Pflegefamilie gegeben, aber nicht in Adoption vermittelt",erklärt die Beamtin.

Haben die leiblichen Eltern Einfluss darauf, wer ihr Kind bekommt? "Wenn sie den Wunsch äußern, können sie das Paar kennen lernen, das ihr Kind adoptieren möchte. Sie haben so auch die Möglichkeit, ein potentielles Elternpaar abzulehnen. Außerdem können sie mit mir eine Vereinbarung abschließen, wenn sie den Kontakt zu ihrem Kind halten oder regelmäßig Fotos bekommen möchten," erläutert Schmidt. Eigentlich müssen beide Elternteile zustimmen, wenn ein Kind zur Adoption freigegeben werden soll. In vielen Fällen gebe die Mutter den Namen des Vaters aber nicht preis. Viele Väter blieben so unbekannt.

Eine schmerzhafte Entscheidung

"Die meisten Frauen, die sich entscheiden, ein Kind zur Adoption frei zu geben, tun dies, weil sie sich mit der Situation überfordert fühlen. Oft sind sie sehr jung oder haben schon ein kleines Kind. Entscheidend ist für die meisten Frauen, dass sie glauben, ihrem Kind nicht das geben zu können, was es braucht, um ein gesichertes, glückliches Leben zu führen. Sie sind keine Rabenmütter", betont die Adoptionsvermittlerin, "sondern in der Regel sehr verantwortungsbewusste Frauen, die eine äußerst schmerzvolle Entscheidung treffen, weil sie das Beste für ihr Kind möchten. Ihre Entscheidung beschäftigt sie nachhaltig und es bleibt eine Wunde zurück, die nie ganz heilt."

Das Baby muss mindestens acht Wochen alt sein, bis die Adoption notariell beglaubigt wird. Solange können die leiblichen Eltern ihre Entscheidung noch rückgängig machen. Das Kind wird derweil schon von den Adoptiveltern versorgt. Erheben die leiblichen Eltern keinen Einspruch, macht ein Notar die Freigabe des Kindes unwiderruflich fest. Für die Adoptiveltern folgt dann eine Art Probezeit, die "Adoptivpflegezeit". Das Kind bekommt einen vorläufigen Vormund, lebt aber bei seinen neuen Eltern. Nach etwa einem Jahr wird die Adoption dann offiziell gemacht.

30.000 Euro für ein Kind

Da es in Deutschland viel mehr Bewerber als Kinder gibt und so nicht einmal sicher ist, dass ein Kind gefunden wird, entscheiden sich viele Paare für eine Auslandsadoption. Das Bewerbungsverfahren ist hier aber gleich. Nachdem ein Paar als geeignet befunden wurde, gibt Rosemarie Schmidt den Adoptionseignungsbericht an die Auslandsvermittlungsstelle weiter, die dann für die Vermittlung eines Kindes aus dem Wunschland sorgt. Hier werden allerdings eher Kleinkinder als Babys vermittelt.

Während bei einer Inlandsadoption keine Kosten auf die zukünftigen Eltern zukommen, bringt der Wunsch nach einem Kind aus dem Ausland oft horrende Kosten mit sich. "Mit einer Summe zwischen 20.000 und 30.000 Euro müssen die Eltern rechnen," warnt Schmidt und ergänzt: "Bei vielen Eltern kommen da natürlich auch ethische Fragen auf. Sie möchten gerne wissen, wohin das Geld fließt. Die jeweiligen Vermittlungsagenturen müssen vor den betroffenen Landesjugendämtern allerdings genau offen legen, wo das Geld hingeht."

Nach einer Adoption werden die neuen Familien zwar nicht mehr überprüft, aber in den meisten Fällen bleibt ein reger Kontakt zwischen Jugendamt und den frisch gebackenen Eltern bestehen. "Ich stehe auch weiterhin für die Beratung und Unterstützung der Eltern zur Verfügung, denn ein adoptiertes Kind stellt eine besondere Herausforderung dar", weiß die Vermittlerin zu berichten." Wir bieten Fortbildungsveranstaltungen an, die zum Beispiel Traumata oder Alkoholschädigungen bei Kindern thematisieren. Außerdem gibt es immer wieder Supervisionsgruppen, in denen sich die Eltern austauschen können. Auch Veranstaltungen wie gemeinsames Wandern oder Grillen werden angeboten,"berichtet die Pädagogin. Besonders wichtig sei gerade diese Vernetzung der Familien. "Häufig sehen sich Adoptivfamilien mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Deshalb ist der Kontakt untereinander oft hilfreich."

Lesen sie im zweiten Teil unseres Berichts wie sich eine Adoption auf die Kinder auswirkt und wie sich Adoptierte auf die Suche nach ihren Wurzeln machen.

  
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    28.08.2010 12:06 Uhr
    Jawoll
    Ich bin für die Vorlage des Parteibuches vor der Geburt. Ist es das Falsche bzw. nicht vorhanden kommt das Kind ins Heim.

    (Das war jetzt bitterböser Zynismus)
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (10716 Beiträge)

    28.08.2010 10:27 Uhr
    -->
    Was auch vergessen wird: Der Hintergrund der zukünftigen Eltern und zwar NICHT finanziell7mareriell/Status/Position sondern die Auswahl der richtigen Eltern nach weichen Faktoren wie: Sind die Eltern selbst vll. Scheidungskinder?, Einzelkind?, sozialer Hintergrund ? ja sogar bis hin zur maximalen genetische Ähnlichkeit zwischen Adoptivkind und Adoptiveltern Informationen einholen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.08.2010 04:30 Uhr
    Babys
    nicht schlagen und auch nicht an die Wand oder Decke werfen, egal wie genervt man ist. Das hast du vergessen.
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  •   alfredhaase
    (372 Beiträge)

    28.08.2010 03:34 Uhr
    Warum Prüfstand
    nur für angehende Adoptiveltern? Ein bisschen mehr vorbereitende Informationen und ein bisschen Prüfstand auch für leibliche Eltern wäre gar nicht verkehrt. Schließlich braucht man sogar für einen Mofa-Roller, den ich mit dem Fahrrad überholen kann, weil er nur 25 km/h fahren darf, eine Art Führerschein. Warum also nicht eine Prüfbescheinigung für angehende Eltern, die nachweist, dass die zukünftigen Eltern sich mit den wichtigsten Informationen vertraut gemacht haben (z.B. Babys nicht schütteln, immer ausreichend zu essen und zu trinken geben und andere Weisheiten, die offenbar immer noch nicht bis zu allen Eltern vorgedrungen sind)?
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  •   alfredhaase
    (372 Beiträge)

    09.12.2010 02:11 Uhr
    Natürlich nicht,
    die werden dann den anderen Leuten zur Adoption angeboten, die weniger streng als bislang, aber immer noch strenger als die leiblichen Eltern geprüft werden. Das Wohlergehen der Kinder und deren Schutz vor asozialen oder debilen biologischen Eltern scheint Dich ja nicht im Geringesten zu interessieren. Klar, es passieren ja auch noch nicht genügend Dramen um misshandelte Kinder in unserem Wohlstandsland? Wieso möchtest Du nur Kinder, die zur Adoption freigegeben sind vor Horror(adoptiv)eltern schützen?
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    28.08.2010 12:04 Uhr
    Déjà vu
    Klar, und die Familien, die durchfallen müssen Abtreiben lassen. Hatten wir so was ähnliches nicht schon mal? Nie wieder!
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