Karlsruhe Absoluter Ausnahmezustand

Kein Durchkommen mehr rund um den Ludwigsplatz (Foto: ka-news)

Gestern Abend, beim 3:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Portugal in Basel, konnten Karlsruher Fußballfans auf dem komplett überfüllten Ludwigsplatz eine der größten Fußballpartys erleben, die Karlsruhe je gesehen hat. Wer Glück hatte oder früh genug da war, hatte sogar die Möglichkeit, zwischen dem Gewirr von sich nach den Bildschirmen reckenden Köpfen ein paar Fetzen des Spielgeschehens zu verfolgen.

Die Stimmung war schon vor Spielbeginn super, keine Spur von Anspannung oder Angst vor einer Niederlage.Jessi (22) formulierte es so: "Ich glaube an den Sieg der deutschen Mannschaft, weil die Spieler entschlossen sind, alles zu geben und darauf vertraue ich."Lars (26): "Wenn wir Portugal besiegen, dann ist alles möglich." Und so kam es dann auch zur Freude aller, außer den Zuschauern in Rot-Grün.

Alles lief nach dem Geschmack der Fans

Denn die Erwartungen der deutschen Fans wurden angesichts des Spielverlaufs sogar übertroffen. "Also, dass es so gut läuft hätte ich mir echt nicht träumen lassen", kommentierte Patrick (22) mit einem freudig-erstaunten Gesichtsausdruck. Nur Jessica (30) ärgerte sich: "Immerhin hab ich im Büro einen Euro auf den Titelgewinn Portugals gesetzt!"

Grenzenloser Optimismus vor dem Spiel
(Foto: ka-news)
Dreimal brach der Ludwigsplatz in kollektives Gejubel aus. In der 22. Minute sorgte dafür Schweinsteiger, direkt darauf Klose in der 26. Minute und in der 61. Minute Ballack. Nuno Gomes traf in der 40. Minute für die Portugiesen und in der 87. Minute sorgte Postiga mit seinem Tor nochmal für Nervenkitzel bei den deutschen Fans. Dies konnte jedoch den verdienten Sieg und die anschließende Party nicht mehr verhindern.Schon während des Spiels kamen viele in den Genuss der ein oder anderen Bierdusche, mehr oder weniger freiwillig. Nach dem Abpfiff brach dann endgültig die Hölle los. Rund 5.000 Fans verteilten sich allein auf den Bereich rund um den Europaplatz.

Der Autokorso auf der Amalienstraße konnte mit zirka 700 Fahrzeugen dem der Türken beim Sieg gegen Tschechien locker Konkurrenz machen. Teilweise schienen die Verkehrsregeln wieder einmal außer Kraft gesetzt, zum Teil saßen Fans bei voller Fahrt zu dritt in geöffneten Kofferräumen, schwenkten Fahnen und sorgten mit Megafonen dafür, dass auch der Letzte die Botschaft über den Sieg von Jogis Elf mitbekam. Die Fußgänger dankten es ihnen und erwiderten mit einem lauten "Deutschlaaand!!!"

Sitzblockade auf der Kaiserstraße

Finaale, ohohoh!!
(Foto: ka-news)
Auch der Versuch der Fans, die Kaiserstraße lahmzulegen, glückte auf ganzer (Bahn-)Linie, hunderte forderten sich gegenseitig auf: "Hinsetzen!, Hinsetzten!" Die Polizei und die Männer von den Verkehrsbetrieben waren dagegen zeitweise machtlos und leiteten den Bahnverkehr zwischen Europaplatz und Marktplatz um. Leider musste die Polizei auch gegen viele alkoholisierte Fans vorgehen und konnte nach eigenen Angaben nur durch "massiven Einsatz" eine weitere Eskalation verhindern. Auf der Kaiserstraße kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen ungefähr 15 Fans beider Lager.

Auch beim Bürgerzentrum in Bruchsal hatten sich rund 3.000 Personen versammelt, auch hier hatte die Polizei alle Hände voll zu tun. Der Autokorso umfasste rund 400 Fahrzeuge. Am Bahnhof versuchten Randalierer einen Omnibus umzukippen. Nur durch konsequenten Einsatz konnte die Polizei das verhindern.

Alles in allem ein friedliches Fest

Adrian (23) äußerte sich so: "Ich bin eigentlich gar kein Fußballfan, allerdings bin ich begeistert von der Stimmung, die bei der EM herrscht. Besonders toll finde ich, dass alle Nationen gemeinsam feiern können und sich auch unsere ausländischen Mitbürger für die Deutschen freuen und umgekehrt, vor zehn Jahren gab es das so noch nicht." Im Verlauf der Nacht verteilten sich die Feiernden in die umliegenden Diskos und Kneipen, oder ihnen fiel irgendwann ein, dass sie morgen arbeiten müssen. Falls die Türken heute gegen Kroatien gewinnen sollten, kann sich Karlsruhe auf ein soziokulturelles Ereignis von ganz besonderer Art gefasst machen - hoffentlich so friedlich und ausgelassen wie gestern.

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