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Karlsruhe-Durlach Abrissbedroht: Die Schweizer Häuser in Durlach

Wie es einer mittelalterlichen Stadt gebührt, besitzt Durlach zahlreiche alte und idyllisch anmutende Häuser. Darunter auch drei denkmalgeschützte Fachwerkhäuer aus dem 19. Jahrhundert, die ihres Baustils wegen "Schweizer Häuser" genannt werden. Jedoch soll eines davon abgerissen werden.

Die Schweizer Häuser weilen seit mehr als 100 Jahren in der Karl-Weysser-Straße, wo sie einst aufgrund einer kurzlebigen architektonischen Mode nach alpenländischem Stil gebaut wurden. Gesellschaft haben sie inzwischen allerdings von hoch aufragenden Mehrfamilienhäusern bekommen - diese stechen aus der Wohnsiedlung heraus.

Nun soll eines der charmanten Häuschen abgerissen werden - trotz des historischen Charakters der Architektur. Allerdings greift in diesem Fall eine gesetzliche Ausnahmeregelung im Denkmalschutz: Der Erhalt des Hauses kostet den Besitzer mehr als sein Ertrag ihm einbringt - somit gilt die weitere Unterhaltung als für den Eigentümer nicht zumutbar. "Das Amt für Denkmalschutz hat den Abriss deshalb genehmigt", erklärt Baubürgermeister Michael Obert.

Viele Durlacher sind daher erzürnt. "Wir bedauern den Verlust natürlich sehr", betont Durlachs Ortsvorsteherin Alexandra Ries. Denn gerade die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude machten einen großen Teil von Durlachs Charme und Attraktivität aus. Teile des Ortschaftsrates hätten es begrüßt, wenn die Stadt Karlsruhe für den Unterhalt aufgekommen wäre, berichtet Ries. "In Zeiten klammer Kassen ist das natürlich zu teuer, weshalb sich der Gemeinderat mit Ausnahme der SPD-Fraktion (und der freien Wähler, Anmerkung der Redaktion) für den Abriss ausgesprochen hat", so Obert.

Missmut in Durlach: Abriss einerseits - Neubebauung andererseits

Angesichts der Tatsache, dass es bei einem der beiden alten Gebäude statische Probleme geben soll, würde ein Abriss auf Seiten der Durlacher Bevölkerung vielleicht gar nicht so kritisch gesehen. Jedoch geht die Angst um in dem 30.000 Einwohner zählenden Stadtteil. Die Angst, dass auf der frei werdenden Fläche ein Häuserblock anstelle des ansehnlichen Fachwerkhauses gebaut werden könnte.

"Eigentlich gibt es einen Paragraphen, der besagt, dass der Bauherr das neue Gebäude an die Umgebung anpassen muss", erläutert Michael Obert. Da aber die Umgebung der historischen Publikums-Lieblinge ebenfalls aus modernen Häuserblöcken bestehe, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass dort keine Schweizer Haus-Nachbildung entstehen werde. "Wenn es um die Baugenehmigung geht, wird der Ortschaftsrat aber zumindest angehört", hofft Ries.

Mitsprache bei der Neubebauung ist ein rechtliches Problem

Auch in der Stadtverwaltung hofft man auf eine zufriedenstellende Neubebauung. "Rein rechtlich haben wir das aber einfach nicht in der Hand", bedauert Obert. Maximal könne man die Bebauung durch eine Erhaltungsklausel um ein Jahr zurückstellen und sich in dieser Zeit mit der Baufirma einigen. "Nach dem Abriss hat also weder der Gemeinderat Karlsruhe noch der Ortschaftsrat Durlach etwas Entscheidendes zu sagen, wir stehen dann vor einem rein rechtlichen Problem", erklärt der Baubürgermeister. Käme es zu einer Klage, würde die Baufirma höchstwahrscheinlich gewinnen - das ist in diesem Fall die Gesellschaft für Immobilienprojektierung und Grundstücksentwicklung (G.I.G.).

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  •   franky4you
    (1330 Beiträge)

    24.09.2010 19:19 Uhr
    Schade um das Häuschen
    Hat einfach schnuckelig ausgesehen, aber der Inhaber schimpfte schon vor über 1 Jahrzehnt über die Kosten und die Schufterei mit seinem Häuschen. Naja die vielen Makler in Durlach wirds freuen!
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  • unbekannt
    (2308 Beiträge)

    24.09.2010 11:17 Uhr
    Wieso
    wusste ich das mein Scherz jetzt wieder oiner für ernst nimmt!!!
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  • unbekannt
    (2308 Beiträge)

    24.09.2010 09:53 Uhr
    Ich würde eh ganz Durlach abreissen!!!
    *griiiins!!!
    Dieses eingemeindete Kuhdorf!!!
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  • unbekannt
    (481 Beiträge)

    24.09.2010 10:40 Uhr
    .
    Ohne Durlach wäre das nicht mal halb so alte Karlsruhe nie entstanden.
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  • unbekannt
    (3882 Beiträge)

    24.09.2010 11:28 Uhr
    da Karlsruhe aber inzwischen
    entstanden ist benötigt man logischerweise Durlach nicht mehr..
    man könnte es aber trotzden noch nutzen, Schweizer Kitschhäuser weh und eine Müllkippe für Karlsruhe einrichten
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  • unbekannt
    (2308 Beiträge)

    24.09.2010 11:39 Uhr
    Guter Einfall!!!
    Turmbergle weg,
    Müllkippe hin!!!
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    24.09.2010 09:44 Uhr
    Sieht so aus, als wäre da
    ein Plan die Freifläche hinter den schönen Häusern in einen funktionalbau a la AOK umzumisstalten. Schade...Durlach ist so ein pittoreskes Fleckchen.
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  • unbekannt
    (481 Beiträge)

    24.09.2010 09:31 Uhr
    Späte Genugtuung!
    Mein Ururururgroßvater gehörte damals zu den Fachwerkhausgegnern, die dieses Millionengrab verhindern wollten. Leider wurde der Bürgerentscheid vom bößwilligen Bürgermeister verhindert. Er und seine 11 Mitstreiter wurden schlicht ignoriert.
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  •   Durlacherin
    (274 Beiträge)

    24.09.2010 08:51 Uhr
    Stadtplanungsamt
    Das Problem ist eher, dass das Stadtplanungsamt eine Blockrandbebauung bevorzugt. Das heißt die beiden Lücken mit den Gärten an der Karl-Weysser-Straße sollen Neubauten direkt an der Straße weichen. Das würde dann bedeuten, dass auch das Haus Ecke Badener Straße für einen Investor eines Mehrfamilienhaus interessant wird und über kurz oder lang dort die gleiche Problematik auftaucht. Hilfe von den Behörden in Karlsruhe ist hier also recht wenig zu erwarten.
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  • unbekannt
    (1429 Beiträge)

    24.09.2010 13:09 Uhr
    Ja, lieber ein Standard-Haus
    Schön grau und Langweilig. Wie die Beamten die Ihr jämmerliches da sein durch Hirnverbrante Ideen Pflegen.

    Ich hasse die Art Häuser die jetzt gebaut werden. Sie Spiegeln auch ein Stück weit unsere Gesellschaft wieder. Langweilig. Glatt. Monoton.

    Natürlich verstehe ich den Besitzer. Aber sowas unwiederbringliches Abzureisen tut schon weh.

    Manche verstehen nicht das es sachen/dinge gibt die man(n) nicht Zählen kann.
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