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Karlsruhe 200 Jahre Großherzogtum

Bürgerwehr vor dem Staatstheater - Baden wehrt sich gegen Ausverkauf von Kunstschätzen
(Foto: ka-news)
Mit einem Festakt im Großen Saal des Badischen Staatstheaters wurde am gestrigen Sonntag der Gründung des Großherzogtums Baden vor zweihundert Jahren gedacht. Viel Prominenz aus Karlsruhe und dem Land hatte sich eingefunden, um das Badnerland zu feiern. Der äußere Rahmen war nicht überladen, aber würdig, und das Orchester spielte Stücke zweier Komponisten, die einen engeren persönlichen Bezug zu Karlsruhe hatten, nämlich Wagner und Brahms.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger begrüßte neben lokalen Größen auch Hans Filbinger, den bislang einzigen Badener unter den Ministerpräsidenten des gemeinsamen Bundeslandes, sowie die Vertreter des Hauses Baden, das bis zur Revolution von 1918/19 über das "schönste Land in Deutschlands Gau’n" herrschte. In seiner Ansprache hob er die besonderen Leistungen Badens hervor, die es einst zum "Musterländle" gemacht hatten: Ein weltoffener, liberaler Geist - der beispielsweise zur Einrichtung des ersten Parlaments auf deutschem Boden führte, aber auch zur bürgerlichen Gleichstellung der Juden (1862) und zur Gründung des ersten deutschen Mädchengymnasiums (1893)- und ein mildes, kluges Regiment, das den wirtschaftlichen Aufbau des Landes, aber auch die Künste förderte. In diesem Zusammenhang würdigte er ausdrücklich die Vertreter des ehemaligen Herrscherhauses, deren Verdienste er durch den Festakt in den Blickpunkt rücken wollte. "Wir können stolz sein auf die große badische Tradition", sagte Oettinger und identifizierte sich damit selbst ein Stück weit mit Baden.

Auch aktuelle Fragen wurden angesprochen

Erbprinz Bernhard von Baden (Foto: ka-news)
Dem Thema, das derzeit die Gemüter in Karlsruhe und darüber hinaus bewegt, wich Oettinger nicht aus. Er machte deutlich, dass die Frage nach dem weiteren Schicksal der Kunstschätze, die sich früher im Besitz der großherzoglichen Familie befunden hatte, von großem Interesse für das Land sei. Derzeit geht es vor allem um den Verbleib kostbarer Hand- und Druckschriften, die sich mittlerweile in der Badischen Landesbibliothek (BLB) befinden. Oettinger regte eine Spendensammlung an, zu der das Land Baden-Württemberg durch eine Verdoppelung des zusammengebrachten Betrages beitragen wolle.

Auch Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich und Seine Königliche Hoheit Bernhard Erbprinz von Baden nahmen in ihren Grußworten auf diese Angelegenheit Bezug. Der Erbprinz versicherte, dem Haus Baden liege dabei an einer einvernehmlichen Lösung des Problems. Er zeigte sich, ganz der badischen Tradition entsprechend, als liberaler und bürgernaher Geist, der die wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen großer Badener hervorhob - wie etwa des Philosophen Heidegger, dessen Werke er, wie er selbstironisch bekannte, "immer wieder lese, ohne sie zu verstehen".

Badische Stärken ins rechte Licht gesetzt

Das Staatstheater war Schauplatz des großen Festakts (Foto: ka-news)
Die Festrede hielt der südbadische Historiker Professor Dr. Wolfgang Jäger, der Heinrich Hansjakob zu seinen Vorfahren zählt - jenen großen Schriftsteller, der auch als bedeutender und unbequemer Politiker hervortrat. Hauptthema seines Vortrags war die politische Kultur Badens, das nach seiner Erhebung zum Großherzogtum und der damit verbundenen Erweiterung - das Territorium verzehnfachte sich, die Bevölkerung stieg von 175.000 auf etwa eine Million - erst so etwas wie eine "innere Zustimmung" seiner Landeskinder auf seinem stark heterogenen Staatsgebiet habe schaffen müssen. Hierbei stellte er auch die Unterschiede zu Württemberg heraus und beleuchtete so die Frage, welche spezifisch badischen Elemente als "Mitgift" in das gemeinsame Bundesland eingebracht worden seien.

Am Ende seines Vortrages hielt Jäger fest, dass sich die Badener aufgrund ihrer Geschichte - neben der oft beschworenen Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen - durch eine "besondere Sensibilität für politische Entwicklungen und Fragen der Modernisierung" auszeichnen. Baden könne hierin als "Modell für Europa" gelten.

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