Denis Elbl: ka-news-Redaktionsleiter (bis April 2010)

Der Weg scheint vorgezeichnet: Mitarbeit an Schüler- und Abizeitung, im Poesiealbum einer Schulfreundin unter Berufswunsch "Journalist" eingetragen. Das ist ohnehin der erste bewusste Berufswunsch, an den Denis Elbl sich erinnern kann. Heute ist er Redaktionsleiter von ka-news.de.

Nach dem Abitur stellte sich dann nur noch die Frage nach der Studienrichtung: Gezielt Journalismus oder eine fachliche Spezialisierung? Elbl entschied sich für Letzteres: den Studiengang Geschichte und Literaturwissenschaft an der Universität in seiner Heimatstadt Karlsruhe.

Im Juli 2001 kam dann der Gedanke "Jetzt wird’s Zeit", und durch einen Kommilitonen kam er zu ka-news. Seine erste größere Geschichte im Rahmen eines Praktikums war ein Bericht über "Das Fest".

Was sich seit damals verändert hat? Er überlegt einen Moment. "Wir sind personell gewachsen, vor allem aber deutlich professioneller geworden." Damals seien es ambitionierte Amateure gewesen, die Laien ausgebildet haben - heute hingegen arbeiten ausgebildete Journalisten bei ka-news.

Richtig bei ka-news eingestiegen ist er erst nach seinem Studium im Jahr 2004. Damals übernahm er einen Posten als Redakteur und war damit tageweise für redaktionelle Abläufe, Themenfindung und Seitengestaltung verantwortlich - einen Job, den es auch heute noch bei ka-news gibt.

Dank eines guten Netzwerkes konnte Elbl sich selbstständig machen "und nach einem Jahr hat es sich dann auch getragen" - ein Glück, das nicht jedem in der Branche zuteil wird. Zum 1. Januar 2007 übernahm er von Stefan Jehle das Amt des Chefredakteurs bei ka-news. Als das Angebot kam, musste er nicht lange überlegen, schließlich "fühlt man sich ja auch geschmeichelt, mit Anfang 30 so eine Aufgabe übernehmen zu dürfen".

Mit dem Einstieg des Südkuriers im Sommer 2008 wandelte sich sein Aufgabengebiet: Elbl wurde Redaktionsleiter und rückte als Strippenzieher in den redaktionellen Hintergrund. Auf seinem Schreibtisch liegen jetzt vor allem organisatorische und administrative Aufgaben.

"In gewisser Weise übe ich den Posten des 'Bundeskanzlers' mit Blick auf die Richtlinienkompetenz aus. Was entschieden wird, wächst ja auch nicht alles alleine auf dem Mist von Frau Merkel. So ist es auch hier: Nicht alles was ich hier veranlasse, stammt aus meiner Feder, sondern das sind Prozesse, in die die Mitarbeiter, Redakteure und die Geschäftsleitung eingebunden sind." Und fügt grinsend hinzu: "Aber redaktionell halte ich den Kopf hin - wie Frau Merkel in der Politik."

"Segen und Fluch zugleich" sei die potentiell hohe Geschwindigkeit im Onlinejournalismus, denn Hintergründe und Kommentierung kämen leider häufig zu kurz. Aber: "Würden wir uns mehr Zeit nehmen, wüsste der Leser das auch nicht zu schätzen. Zögerlichkeit wird uns krumm genommen." Online-Vorteile? Die Crossmedialität - Videos einbinden zum Beispiel - oder die Unmittelbarkeit der Leserreaktionen - das kann der Printsektor nicht leisten.

Als "kleine Sternstunden" seiner bisherigen Tätigkeit bei ka-news bezeichnet er "gegen das Radio, das per se schnellste Medium, gewonnene 'Duelle' nach dem Motto: 'Wer hat die Meldung zuerst?'" und Erwähnungen in überregionalen Medien - "wenn es im richtigen Kontext geschieht". Und dass ka-news auch in einer "Zwiebelfisch"-Kolumne verewigt wurde? "Muss man sportlich sehen. Ohnehin ist uns der Fehler damals selbst aufgefallen - und das bevor wir vom 'Zwiebelfisch'-Eintrag wussten..."

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Ich, Denis Elbl

Was ist Ihre größte Stärke?
Fragebögen ausfüllen.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Eitelkeit. Oder Jähzorn? Oder Unentschlossenheit?

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Tatsächlich ist Journalist der erste bewusste Berufswunsch, an den ich mich heute noch erinnern kann. 

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Meine wichtigsten Ziele sind privater Natur. Und die erzähle ich hier bestimmt nicht...

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Weitschweifiges Erzählen. Ich könnte zwei oder drei Anekdoten zum Besten geben, um das zu veranschaulichen. Ist schon ein bisschen her, und gehört eigentlich auch gar nicht hier her... Wie war die Frage? Ach so. Ja: Ich bin ein furchtbarer Besserwisser (das habe ich unter "größte Schwäche" ganz vergessen).

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Die Stummschalttaste am Handy - permanente Erreichbarkeit ist eine Geißel der Menschheit.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Ach je, wie viel Platz ist denn in der Rakete?

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Mein Urgroßvater. Obwohl Beamter bei der Reichsbahn hat er sich bis Kriegsende standhaft geweigert, der NSDAP einzutreten und musste deshalb empfindliche finanzielle Benachteiligungen in Kauf nehmen. Dafür wurde er von seiner Frau böse gescholten, bei Kriegsende war sie dann aber dankbar, als eine der wenigen in der Straße kein "Führer"-Porträt abhängen zu müssen...

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Das eine prägende oder beeindruckende Lied gibt es nicht, das müsste ich jeweils an konkreten Lebenssituationen festmachen, was folglich den Rahmen dieses Fragebogens sprengen würde. Ähnliches gilt für Filme, aber hier möchte ich mich wenigstens auf einen Regisseur festlegen: Stanley Kubrick. Fast alle seiner Filme wurden Meilensteine ihres jeweiligen Genres.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
António Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Wiesel. "Weaseling out of things is important to learn. It's what separates us from the animals. Except the weasel." (Homer Simpson)

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Angela Merkel, um ihr ein paar verbindliche und eindeutige Aussagen in den Mund zu legen. Das kann ich nämlich richtig gut.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Karlsruhe ist grün, günstig zwischen Pfalz, Elsass, Kraichgau und Schwarzwald gelegen, überschaubar und dennoch urban und bietet enorme Lebensqualität. Diese Antworten wurden hier in ähnlicher Form zwar schon x-fach gegeben, aber dadurch wird's ja nicht weniger wahr.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
Reisebusse chartern und all die, die Karlsruhe immer schlecht reden, mal nach Bochum, Bitter- oder Bielefeld schicken (bitte um Entschuldigung, liebe B-städter, war nur der Alliteration wegen!) Der Karlsruher hat einen wirklich unangenehmen Hang zum Bruddeln - die Provinzialität, die der Stadt immer nachgesagt wird, findet vor allem in den Köpfen ihrer Bürger statt.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Karl Benz, Peter Weibel / Johannes Gutenberg

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Abhalten: Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Unzufriedenheit und Genörgel trotz immensen Wohlstands und Sicherheit. Zu viel Winter. Dafür spräche, dass ich mit südländischer "Domani"-Mentalität, die eben nicht nur ein Klischee ist, einfach nicht klar komme und hier vieles, wenn man's mal von außen betrachtet, eben doch sehr gut funktioniert.  

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Jeder, der gesunden Menschenverstand, Solidarität sowie soziales und ökologisches Verantwortungsbewusstsein zur Grundlage seines Handelns macht und nicht nur auf seine eigenen Interessen oder die ohnehin privilegierter Gruppen schielt.

Wie und wo möchten Sie sterben?
"Schmerzfrei", "im Schlaf" oder "im Kreise meiner Lieben" ist als Antwort wohl nicht originell genug, oder? Fragt mich in vierzig Jahren nochmal.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Wo ist mehr los?

(ram)

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