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Karlsruhe "1.000 Gründe sprechen dafür": Deutscher Hanfverband demonstriert für legales Gras vor dem Karlsruher Schloss

Seit nunmehr 201 Jahren ist die Hanf-Pflanze in weiten Teilen der westlichen Welt illegal und nur in Ausnahmefällen gestattet. Völlig zu Unrecht, so die Meinung des Deutschen Hanfverbandes (DHV) und der Linken. Auf ihrem "Marijuana-March" 2021 argumentieren Verein und Partei öffentlich, warum Konsum und Verarbeitung von Cannabis endlich legalisiert werden solle. ka-news.de war vor Ort auf Stimmenfang.

In Zeiten der Pandemie lassen die Befürworter einer Legalisierung die Debatte um Marihuana nicht versiegen. So startete am Samstag den 15. Mai der Global "Marijuana-March" 2021 des DHV. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit und Jugendschutz.

Bild: Thomas Riedel

Die Demonstration begann auf dem Schlossplatz und zog am Bundesverfassungsgericht vorbei um lautstark gegen das Cannabis-Verbot zu protestieren. Es sei nur einer von zehn Märschen in verschiedenen deutschen Städten, so die Veranstalter gegenüber ka-news.de

Bild: Lars Notararigo

Und der Marsch ist gut besucht. Weit mehr als die ursprünglich erwarteten 50 Demonstranten tummeln sich vor dem kleinen Infostand am Schlossgarten. Slogans, Statements und Spruchbanner in allen Ausführungen flattern im Wind, während die Menge rhythmisch zu Reggae-Klängen wippt.

Der Konsum von Cannabis während der Veranstaltung verboten

Begleitet wird die Demonstration von insgesamt vier Reden, die neben dem DHV auch von den Linken, der Karlsruher Linksjugend und den Jungsozialisten (JuSos) gehalten werden.

Bild: Thomas Riedel

Schon zu Beginn der Demo wird betont, dass "der Genuss und Konsum von Cannabis während der gesamten Veranstaltung untersagt ist. Ausnahme sind medizinische Fälle." So lange der Konsum öffentlich verboten sei, wolle man sich auch daran halten, sagt der Ortsgruppenleiter des DHV Karlsruhe, David.

Jährlich 2,6 Milliarden Euro Steuerverluste

Dennoch liegt das Hauptaugenmerkt der Veranstaltung auf Argumenten gegen das Verbot. Es sei Verschwendung, Cannabis zu kriminalisieren, sagt David: "Die Polizei würde entlastet werden und könnte sich um echte Kriminalität kümmern, statt gegen Cannabis-Konsumenten zu ermitteln, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen."

Der Ortsgruppengründer und Sprecher des DHV Karlsruhe möchte nur seinen Vornamen David verraten. | Bild: Thomas Riedel

Das Besteuern von Cannabis brächte dem Staat "jährlich 2,6 Milliarden Euro, auf die durch die Kriminalisierung verzichtet wird. Das würde sicher gerade in Corona-Zeiten die Wirtschaft ankurbeln."

Und nicht nur ökonomisch, auch ökologisch sei der Verzicht auf Hanf ein Fehler: "Aus Hanf ließen sich beispielsweise auch Textilien oder Papier herstellen. Dabei wären Ernte, Transport und Verarbeitung wesentlich umweltschonender als etwa bei Baumwolle oder Holz." Das wichtigste Thema, sei seiner Meinung nach jedoch der Jungendschutz

"Wir wollen die Droge nicht glorifizieren"

"Wir wollen die Droge nicht glorifizieren, im Gegenteil", sagt er in seiner Rede. "Wir wollen Gerechtigkeit und Jugendschutz." Cannabis sei bereits in allen Gesellschaftsschichten vertreten und durch Illegalisierung noch gefährlicher.

Bild: Thomas Riedel

"Auf dem Schwarzmarkt gibt es keinen Jugendschutz", argumentiert David, "und da es an Schulen keine wirkliche Aufklärung zum Thema Cannabis gibt, rauchen viele Jugendliche nur das was sie illegal kaufen können."

Bild: Thomas Riedel

Dies sei seiner Ansicht nach ein sehr gefährlicher Ansatz. "Solcher Stoff ist nicht selten chemisch aufbereitet und gestreckt. Mit Haarspray, synthetischen Drogen oder sonstigen Schadstoffen. In staatlicher Hand würde nur der Naturstoff Cannabis verkauft werden und das Risiko wäre von offizieller Seite kontrolliert."

"Wer Sucht bekämpfen will darf Drogen nicht kriminalisieren"

Auch die Kreissprecherin der Linken Karlsruhe, Anna Jahn, bezieht sich auf die Aspekte der Wirtschaft, des Umwelt- und des Jugendschutzes. Darüber hinaus spricht sie davon, dass Cannabis-Konsumenten aufgrund der Kriminalisierung oft stigmatisiert würden.

Anna Jahn, Kreisleiterin der Linken Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

"Durch diese Stigmatisierung wird es sehr viel schwieriger, Suchtopfern und Abhängigen zu helfen." Viele Drogenabhängige ließen die Möglichkeit auf Hilfe aus einem Schamgefühl heraus verstreichen, so ihre Einschätzung. 

"Wer Sucht bekämpfen will darf Drogen nicht kriminalisieren. So hilft man den Betroffenen nicht. Wir brauchen Aufklärung und Beratung statt Verteufelung. Aus diesem Grund ist die Linke für die Entkriminalisierung aller Drogen. Natürlich nur mit entsprechendem Aufklärungsangebot." Aufklärung sei vor allem wichtig, damit "bei der Legalisierung die Sicherheit des Konsumenten im Mittelpunkt steht, nicht etwa die Interessen der Vertreibenden", wie Jahn ergänzt.

"1.000 Gründe für eine Legalisierung"

"Es sprechen 1.000 Gründe für eine Legalisierung", so Anna Jahn während ihrer Ansprache vor dem Schloss. "Und die Gegenargumente lassen sich meist leicht widerlegen." Dabei bezieht sie sich auch auf die Gefährlichkeit der Droge.

Bild: Maximilian Plenert

"Alkohol steht laut einer Studie des britischen Drogenforschers David Nutt an der Spitze der Drogen mit dem höchsten Schadenspotenzial. Und das noch vor Heroin", so ihr Resümee. Dies gelte sowohl für die eigene Person, als auch für die Gesellschaft. Cannabis liege laut der Studie im Mittelfeld.

Vier Parteien sprechen sich dafür aus

Dennoch werde "Alkohol von der CDU angepriesen, während Cannabis verteufelt wird." Gerade die CDU benennt sie als Hauptfaktor, der der Legalisierung von Cannabis im Wege stünde.

Bild: Lars Notararigo

"Die Linke, die Grünen, die SPD und die FDP sprachen sich bereits für eine Entkriminalisierung aus. Nur die CDU hält dagegen." Dabei beriefen sich die Christdemokraten, laut Jahn, in erster Linie auf die Tradition des Cannabisverbots und auf den Ruf des Hanfs als Einstiegsdroge, für gefährlichere Substanzen. Beide Argumente weist die Vertreterin der Linken jedoch zurück.

"Es gibt keine Einstiegsdroge"

"Es gibt keine Einstiegsdroge. Der Kontakt mit anderen Drogen über Cannabis wird nur dadurch hergestellt, dass auf dem Schwarzmarkt viele Drogen gleichzeitig verkauft werden. Und das ohne jede Kontrolle." Wie ein Sprecher der Linksjugend Solid, Benjamin Benz, hinzufügt. 

Benjamin Benz, Vertreter der Karlsruher Linksjugend. | Bild: Lars Notararigo

Zuletzt, so sagt Anna Jahn, würde sie das Verbot "als Bevormundung empfinden. Die CDU wehrt sich nach Kräften gegen ein Tempolimit auf der Autobahn - redet von persönlicher Freiheit. Aber was sich erwachsene Menschen ihrem Körper zuführen, das soll nicht unter das Persönlichkeitsrecht fallen."

"Wir verstehen die Kritik nicht"

Gleichzeitig habe die CDU jedoch selbst eine Studie zum Thema Cannabis herausgegeben. "Diese Studie ist sehr positiv für Cannabis, seinen Nutzen und seine Legalisierung ausgefallen", so der Veranstalter David. "Seitdem wurde auch nicht mehr von dieser Studie geredet."

Bild: Thomas Riedel

Und gerade das stoße bei vielen der Anwesenden auf Unverständnis. "Wir verstehen die komplette repressive Kritik an der Legalisierung nicht. Wir verstehen genauso wenig, warum die Bundesregierung auf das Geld verzichtet, das damit eingenommen werden könnte."

Cannabis in Kanada

In anderen Ländern, wie etwa Kanada, sei bereits legalisiert worden. Dies habe laut dem Veranstalter zur Folge gehabt, dass "Der Konsum zurückging, weil der Reiz des Verbotenen wegfällt. Er wurde außerdem verantwortungsvoller. Ebenso wurde das Justizsystem entlastet und der Staat nahm einiges an Geld ein."

Bild: Thomas Riedel

Doch ob eine Legalisierung in Deutschland realistisch ist, weiß niemand der Anwesenden zu sagen. "Zurzeit wird ein Antrag im Bundesverfassungsgericht bearbeitet um zu prüfen, ob die Illegalisierung von Cannabis verfassungswidrig ist", so der DHV-Sprecher weiterhin. "Allerdings wird der schon seit Jahren verschoben und soll nicht vor 2022 Ergebnisse liefern."

Weitere Bilder zum Global Marijuana-March 2021:

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  •   andip
    (11063 Beiträge)

    17.05.2021 08:26 Uhr
    Eine Frage
    Wieso soll eigentlich das Rauchen einer Zigarette gesundheitsschädlicher sein als das Rauchen eines Joints?
    Das Schädliche einer Zigarette ist nicht das Nikotin sondern die ganzen anderen Stoffe, die beim Verbrennen des Tabaks entstehen.
    Nur, die entstehen beim Verbrennen von Hanf genauso.
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  •   mueck
    (12185 Beiträge)

    17.05.2021 10:15 Uhr
    !
    Nikotin ist der Suchtstoff, das ist ja das Gefährliche am Rauchen.

    Besser also Kekse? zwinkern
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  •   Motorhead
    (379 Beiträge)

    17.05.2021 14:22 Uhr
    Auf jeden Fall
    Kekse sind immer besser 👍
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  •   Großglockner
    (9 Beiträge)

    17.05.2021 07:36 Uhr
    Gute Aktion
    Wir Menschen haben uns schon immer berauscht. Und wie mit allem im Leben sollte man sich von all den Übeln das kleinste Übel aussuchen (können). Und zwar legal. Mir wäre es jedenfalls deutlich lieber, die Menschen sitzen friedlich bekifft im Park zusammen als diese nächtlichen Saufgelage mit Scherben auf den Straßen, Spielplätzen, etc.

    Wer keine Rauschmittel konsumiert : prima - Daumen hoch. Respekt . Weiter so !

    Aber der direkte Vergleich: Alkohol , Zigaretten , Cannabis und das mit der Legalität.. da frage ich mich schon, bei wie vielen Menschen eigentlich die Tassen im Schrank fehlen .
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  •   ALFPFIN
    (7687 Beiträge)

    17.05.2021 07:02 Uhr
    @OtusLocus
    Dass Alkohol auch süchtig machen kann, ist ja unbestritten.
    Aber Cannabis auch. Und die "Harmlosigkeit" von Cannabis damit zu begründen, dass bei einem Rausch weniger Gehirnzellen absterben, als bei Alkoholkonsum, macht Cannabis nicht zu einem "netten" Genussmittel.
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  •   schoenix
    (271 Beiträge)

    17.05.2021 20:12 Uhr
    Sucht
    die Sucht ist bei Canabis deutlich weniger stark. Klar, bei einem Dauerkiffer gibt es schon einen gewissen Suchtfaktor, aber ansonsten ist es relativ leicht davon wieder weg zu kommen.

    Damit will ich nicht sagen, dass es komplett harmlos ist, aber es ist in vielerlei Hinsicht deutlich harmloser als Alkohol.
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  •   patrickkk
    (2050 Beiträge)

    16.05.2021 23:49 Uhr
    ...
    Wenn diese Pandemie eines gezeigt hat dann dass der CDU, der SPD, und den Grünen die Menschen und ihre Gesundheit komplett egal sind. Es zählt nur das Ego der Protagonisten.

    Deshalb sind auch diese Argumente alle Ziellos. Aber viel Glück.
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  •   ALFPFIN
    (7687 Beiträge)

    16.05.2021 17:57 Uhr
    Der Chef des Deutschen Hanfverbandes
    wirbt ja immer wieder für die Legalisierung von Cannabis.
    Es geht nach seinen Worten "um die Förderung des Rohstoffs Hanf in seinen verschiedenen Erscheinungsformen sowie bessere Bedingungen für die Nutzung von Cannabis als Medizin".
    1000 Gründe braucht es aber nicht, man will Geld verdienen.
    Hanf (Cannabis)wird nun eben auch als Rauschmittel genutzt, wobei es als Arzneimittel ja schon in gewissen Umfang eingesetzt werden darf.
    Hanf ist eine Jahrtausend alte Kulturpflanze, wahrscheinlich haben sich die Menschen auch im Altertum daran berauscht. Fragwürdig bleibt der Konsum schon, denn warum rutschen so viele Menschen dann in den abhängigen Drogenkonsum ab.
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  •   OtusLocus
    (140 Beiträge)

    17.05.2021 03:15 Uhr
    Die olle Mär
    "Fragwürdig bleibt der Konsum schon, denn warum rutschen so viele Menschen dann in den abhängigen Drogenkonsum ab."
    Wieviele der in den abhängigen Drogenkonsum abgerutschten haben zu erst Alkohol mißbraucht?
    Nahezu 100%
    Dann kam die weichere Droge Hanf dazu und später der Verführer, nämlich andere Konsumenten im Endstadium oder Dealer.
    Es ist wie im normalen Leben. Übermaß macht die Birne platt. Auch bei einer verhältnismäßig weichen Droge wie Hanf. Alkohol gehört zu den harten Drogen.
    Die Leute sind dann dauerhaft antriebslos, phlegmatisch und bekommen nichts mehr auf die Reihe.
    Andererseits habe ich noch niemanden kennengelernt, der auf THC aggressiv geworden wäre, wie z.B. der Alkkonsument.
    Hanf ist nicht die Einstiegsdroge, als die er verteufelt wird.
    Zumindest sterben beim Rausch in Vergleich zum Alkohol 50% weniger Gehirnzellen ab.
    Diese Informationen beziehe ich aus Lehrgängen meines Dienstherren, der mich zum Drogenbeauftragten meiner Dienstststelle auserkoren hatte.
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  •   silberahorn
    (10831 Beiträge)

    17.05.2021 05:36 Uhr
    Eine Frage hätt ich dazu,
    weil mir Drogen in gar keiner Form gefallen. Ich kann auch den Geruch von Cannabis nicht ertragen, was in einigen Straßen in Amsterdam schon zu Brechreiz führte. Alkohol trinke ich allenfalls Wein oder Bier und die Male, in denen ich im Leben betrunken war, kann man an zehn Fingern abzählen.

    Trotzdem - und das empfinde ich als riesige Sauerrei - hat man mir hinter meinem Rücken jahrelangen schädlichen Gebrauch von Alkohol angedichtet, als ich mich nach Antrag auf Opferentschädigung in Therapie begeben sollte. Reine Erfindung des Behandlerteams, wahrscheinlich weil es so schön ins Klischee des "saufenden von Drogen abhängigen Traumatisierten" passt, das im TV in so vielen Filmen Spannung erzeugt.

    Meine Frage: wie beweist jemand ohne Alkoholproblem, dass er keines hat oder hatte? Alle heimlichen Säufer behaupten das nämlich auch.
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