Herr Drotschmann, vor inzwischen zehn Jahren sind Sie mit Ihrem Youtube-Channel “Mr. Wissen2go“ an den Start gegangen, um jungen Menschen gesellschaftliche und politische Geschehnisse zu erklären. Hätten Sie mit einem solchen Erfolg zu Beginn gerechnet?

Ich hatte mir im Vorfeld gar keine genauen Vorstellungen darüber gemacht, wie viele Menschen man mit solchen Themen erreichen könnte und dachte mir, ich probiere es einfach mal aus. Wenn es dann ein paar hundert Leuten gefallen könnte, dann bin ich zufrieden. Und so war es dann auch in den paar Monaten und Jahren.

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Da hatte ich im Schnitt zwischen 5 und 10.000 Aufrufen auf die Videos und war damit sehr zufrieden. Dass es dann immer mehr wurde, ist natürlich eine tolle Sache. Mit inzwischen mehreren Millionen Aufrufen und Followern auf die Videos davon hätte ich nie zu träumen gewagt.

Wie kamen Sie damals darauf via Youtube das Weltgeschehen zu erklären?

Tatsächlich wurde ich bei der Idee, etwas auf Youtube zu machen, von meiner Frau inspiriert. Sie hatte bereits vor mir einen eigenen Youtube-Kanal, denn ich durch Zufall entdeckt habe. Sie hatte mir davon nämlich nichts erzählt. Das war für mich eine Sache, die ich gerne mal ausprobieren wollte und durch mein Geschichtsstudium war es naheliegend, auch etwas mit diesem Kernthema zu machen. Da ich zu dieser Zeit auch schon als Journalist tätig war, wollte ich auch diesen journalistischen Aspekt mit reinfließen lassen.

Haben Sie so etwas wie ein Erfolgsrezept für Ihre erfolgreiche Arbeit als Youtuber?

Ich habe sicher nicht das klassische Erfolgsrezept mit den drei goldenen Regeln oder Punkten, die man unbedingt beachten sollte. Was eine wichtige Sache ist, die ich auch immer versuche, an andere weiterzugeben, ist Geduld haben. Man sollte nicht nervös werden, wenn man nach wenigen Monaten nicht das Ergebnis erzielt, dass man sich gewünscht oder erhofft hat. Manchmal dauert es ein bisschen, bis die Arbeit Wirkung zeigt. Einen langen Atem sollte man also durchaus mitbringen.

Das Logo der Internet-Videoplattform Youtube.
Das Logo der Internet-Videoplattform Youtube. | Bild: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Gleichzeitig sollte man auch immer ein gutes Ohr auf die Community haben, um ein Gespür zu bekommen, welche Themen so gewünscht sind und auf Interesse stoßen. Aber auch hinsichtlich möglicher Veränderungen ist es wichtig, die Community zu verstehen, denn letztlich sind das die Leute, für die man seine Inhalte produziert. Das soll nicht bedeuten, dass man nach der Pfeife anderer Leute tanzen sollte, aber grundsätzlich sollte man sich schon an seiner Zielgruppe orientieren.

Wird der Begriff “Youtuber“ Ihrer Arbeit eigentlich gerecht oder empfinden Sie ihn eher abwertend? Schließlich sind Sie ausgebildeter Journalist und bereiten komplexe Themen auf.

Inzwischen wird ja auch häufig der Begriff Influencer verwendet, dagegen habe ich mich lange Zeit gewehrt, muss ich sagen. Inzwischen lasse ich mich aber auch als solcher bezeichnen, man kann dagegen ohnehin nur wenig unternehmen. Auch mit dem Begriff "Youtuber" kann ich leben, allerdings deckt er nicht alles ab, was ich beruflich so mache. Ich bin Journalist und Produzent und darin liegt der Kern meiner Arbeit. Ein Teil dieser Arbeit findet auf Youtube statt, daher ist der Ausdruck auch nicht falsch, aber er deckt nicht das ganze Spektrum meiner Tätigkeit ab.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht in der heutigen Zeit ein umfangreiches Informationsangebot auf den nicht-linearen Plattformen, wie Social-Media-Kanälen?

Aus meiner Sicht ist das sehr wichtig, denn junge Menschen sind überwiegend auf diesen Plattformen unterwegs und nicht mehr bei traditionellen Medienanbietern. Deshalb muss man dort ein Angebot schaffen, wo sich junge Menschen bewegen und entsprechend informieren können. Dafür sind die Kanäle wie Youtube oder Instagram extrem wichtig.

Nehmen Sie uns mal mit. Wie sieht Ihre Themenauswahl für Ihren Youtube-Kanal konkret aus?

Grundsätzlich greift Ihr Kanal ja meistens immer aktuelle gesellschaftsrelevante Themen auf. Ein Großteil der Themen auf meinem Kanal basiert auf Zuschauervorschlägen. Ich bekomme immer wieder Mails, Kommentare und Instagram-Nachrichten von Leuten, die mich fragen, ob ich nicht mal über dieses und jenes Thema ein Video machen kann.

Im überwiegenden Teil korrelieren diese Vorschläge dabei mit aktuellen Ereignissen. Das ist für mich ein wichtiger Indikator, dass ich dazu ein Video machen sollte. Somit sind für mich das aktuelle Geschehen und die Wünsche der Leute die wichtigsten Quellen bei der Themenfindung. Ansonsten sind es Dinge, die mir auffallen, die ich aus Gesprächen mit Kollegen bespreche, können mit einfließen.

Haben Sie ein Redaktionsteam, das Sie bei der Vorarbeit unterstützt?

Bei meinem zweiten Kanal "Mr. Wissen2go Geschichte" gibt es ein größeres Redaktionsteam, dass sich um die Inhalte kümmert. Das würde ich ansonsten auch zeitlich gar nicht alleine hinbekommen. Bei "Mr. Wissen2go" bin ich für den Großteil der Inhalte selbst verantwortlich. Eine Ausnahme bildet die monatliche Rubrik "Mr. Wissen2go Exklusiv", die ist so zeitintensiv, dass ich das nicht alleine hinbekommen würde.

Alle anderen Videos des Kanals gestalte ich selbst, also ich suche die Themen aus, recherchiere die Inhalte, schreibe die Skripte und drehe sie selbst. Erst bei der eigentlichen Produktion habe ich dann Unterstützung. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Kanäle ein wenig.

Ihre Videos gehen in der Regel in etwa eine Viertelstunde. Lässt sich sagen wie viele Stunden Vorbereitung Sie im Schnitt in Ihre Videos vorab investieren?

Das ist schwer pauschal zu beziffern. Es gibt immer mal Videos, die etwas schneller gehen und welche, die mehr Zeit in Anspruch nehmen. In der Regel dauert es im gesamten Prozess fünf bis sieben Tage, bis ein Video komplett fertig produziert ist. Das Schreiben der Skripte und Drehbücher dauert meist zwischen zwei und drei Tagen.

Mirko Drotschmann
Bild: ZDF/Dennis Weissmantel

Wie viel Zeit nimmt die Arbeit Ihres Youtube-Kanals an Ihrer Gesamtarbeitszeit, neben der Arbeit fürs Fernsehen, ein?

Die Arbeitszeit verteilt sich auch hier je nach Lage immer unterschiedlich. Wenn so etwas passiert, wie der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, dann bin ich doch mehrere Wochen intensiv mit dem Youtube-Kanal beschäftigt. Und dann gibt es wieder Wochen, in denen ich mich eher wieder anderen Dingen widme. Das ist der große Vorteil von einem solchen Kanal, dass man auch mal vorproduzieren kann, damit man nicht immer die gleiche zeitliche Belastung hat. Die Arbeitsaufteilung variiert von Woche zu Woche.

Eine Frage zum Abschluss: Sie wohnen seit 12 Jahren in Mainz. Welchen Bezug haben Sie heute noch zu Ihrer Heimatregion Karlsruhe und Ettlingen?

Der wichtigste Bezug ist auf jeden Fall meine Familie, von der ein großer Teil in Ettlingen und Karlsruhe lebt. Allein schon deshalb bin ich häufiger dort - auch viele Freunde von mir wohnen noch in der Heimat. Außerdem verbindet mich meine Begeisterung für den KSC mit Karlsruhe. Leider schaffe ich es zeitlich nicht mehr so oft, im Stadion zu sein, aber auch aus der Ferne verfolge ich jedes Spiel und natürlich auch den Bau des sehr schönen neuen Stadions.