Wer an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) denkt, hat meist den Bahnbetrieb um Karlsruhe vor Augen. Doch neben den fast 200 Bahnen, verfügt die städtische Tochter auch über 36 Busse, die vor den Toren der Stadt, hauptsächlich im Bereich Ettlingen, im Linienverkehr unterwegs sind. Und genau hier liegt etwas im Argen, wenn man den Aussagen mehrerer Fahrer trauen kann, die sich Hilfe suchend an ka-news gewandt haben.

Probleme gebe es laut ihnen in und um Ettlingen einige: Unter anderem seien die Fahrzeiten so eng getaktet, dass die Fahrer immer wieder verkürzte Pausen hätten oder vor dem Schichtbeginn früher zum Depot kommen müssen, damit sie überhaupt pünktlich an der ersten Haltestelle ankommen. Weiter würden die Fahrer keine detaillierte Übersicht bekommen, wann in ihrer Schicht wie viele Minuten Pause vorgesehen sind.

Nur 4 Stunden Ruhe zwischen zwei Schichten

Doch was sie weiter schildern, klingt zum Teil alarmierend: So seien einzelne Fahrer teilweise viel zu lange am Steuer und hätten demnach zu wenig Ruhepausen. Dies ist sogar schon in der Dienstplan-Einteilung so vorgesehen. Das belegen Dokumente, welche der ka-news-Redaktion vorliegen. So wurde beispielsweise die Ruhezeiten in einem Fall innerhalb von vier Schichten gleich vier Mal verkürzt - erlaubt sind nur drei Verkürzungen pro Woche. Solche Fälle würden immer wieder vorkommen.

Noch gravierender stellt sich ein anderer Fall dar: Wie ein Ausschnitt aus dem Fahrtenbuch eines Busses zeigt, hatte im vergangenen September ein Fahrer um 15.55 Uhr seine Schicht begonnen und war dann bis 5.15 Uhr unterwegs. Am darauf folgenden Tag war derselbe Fahrer um 9.29 Uhr erneut auf dieser Strecke eingeteilt. Diese Schicht dauerte bis 17.18 Uhr.

Laut Plan hätte der Fahrer, wie die vier Tage zuvor, um 3 Uhr seine Schicht beenden sollen. Ein nicht näher bekannter Zwischenfall habe den Feierabend dann verhindert. Doch auch ohne diese Verzögerung hätte die Ruhezeit nur sechs Stunden betragen, und damit viel zu wenig.

Fahrer füllen Fahrtenbuch bewusst unvollständig aus

Kein Einzelfall, wie einige Busfahrer im Gespräch mit ka-news beschreiben. Immer wieder würden Kollegen die Endzeiten ihrer Schichten im Fahrtenbuch bewusst weglassen, um bei einer Kontrolle der Bücher nicht die langen Zeiten am Steuer rechtfertigen zu müssen. An den Vorgesetzten wollen sich viele der Fahrer nicht wenden, aus Angst um ihren Job. Einige Kollegen, welche diese Schichten fahren, seien in einem Leiharbeitsverhältnis und trauten sich nicht, die Schichten abzulehnen, berichten die Busfahrer im Gespräch mit ka-news.

37 Fahrer sind in der Bus-Sparte der AVG beschäftigt, davon haben zehn eine befristete Anstellung. Und gerade diese tragen die Befürchtung mit sich, bei einer Beschwerde gegen die Arbeitsbedingungen keine Vertragsverlängerung mehr zu bekommen, so die Fahrer im ka-news-Gespräch weiter. Vom Betriebsrat werde man zwar gehört, aber es stehen mehr die Interessen der Bahnfahrer im Fokus, die mit rund 350 Mann und Frau deutlich in der Überzahl sind.

Unverständnis bei der AVG

Doch anders als bei den Bahnfahrern, wo bereits seit geraumer Zeit das Personal fehlt und deswegen die bestehenden Fahrer oft Überstunden fahren müssen, sei das Problem in der Bus-Sparte ein anderes: Die Fahrer werfen den Verantwortlichen vor, dass trotz anderer Möglichkeiten einzelne Fahrer bewusst ausgenutzt werden. Dabei arbeiten diese nach eigener Aussage gerne bei der AVG - "und wir würden gerne auch zum Wohle der Fahrgäste arbeiten", so die Fahrer weiter. Doch die verfehlten Planungen lassen dies nicht zu.

Auf die Vorwürfe angesprochen reagiert der Pressesprecher mit Unverständnis: "Bei Problemen mit der Diensteinteilung haben Disponenten, die Leitstelle und der Betriebsrat immer eine offene Tür", so Nicolas Lutterbach. Und weiter: "Und selbstverständlich halten wir uns an die Gesetze, die auch im Tarifvertrag festgehalten sind."

Fahrerkarten zeichnen Lenkzeiten auf

Grundsätzlich schließt er vereinzelte Fehler in der Planung der Fahrzeiten nicht aus - mit der "sehr komplexen" Angelegenheit ist bei den AVG eine gesamte Abteilung betraut. Bei den Taktungen der Linien halte man sich an die Vorgaben des Auftraggebers, des Landes, nehme aber regelmäßig Feinjustierung vor - sofern das möglich sei, so die AVG.

Auch das vermeintliche Vertuschen von langen Schichten im Fahrtenbuch kann Lutterbach nicht nachvollziehen. So hat jeder Fahrer zusätzlich zum Fahrtenbuch eine eigene Fahrerkarte, die in ein digitales Aufzeichnungsgerät in den Bussen eingesetzt wird. "Die Daten werden gespeichert und können zwecks Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten ausgewertet werden."

Sollten der AVG Unklarheiten bei der Planung aufgefallen sein, so hat sie die Fahrer zumindest nicht darauf angesprochen - das geht aus dem Gespräch mit den Busfahrern hervor. Auch auf die von den Fahrern bereitgestellten Dokumente, aus welchen die Überschreitungen der Lenk- und Ruhezeiten eindeutig hervorgehen, will der Pressesprecher der AVG nicht eingehen. An der Dienstplanung geändert habe man bei der AVG nichts, bestätigt sie auf Nachfrage.

ka-news-Hintergrund:

Wer wie lange am Steuer sitzen darf, das regelt eine Verordnung der EU (EG 561/2006). Diese schreibt den Mitgliedsstaaten vor, dass Regelungen erlassen werden müssen, welche die Lenk- und Ruhezeiten beschreibt. In Deutschland ist das die Fahrpersonalverordnung (FPersV).

Darin steht: Die Tageslenkzeit darf neun Stunden innerhalb von 24 Stunden nicht überschreiten, zweimal pro Kalenderwoche darf sie aber auf zehn Stunden ausgedehnt werden. Innerhalb von einer Woche dürfen die Fahrer höchstens 56 Stunden am Steuer sitzen, innerhalb von zwei Wochen dürfen allerdings die 90 Stunden nicht überschritten werden.

Die Ruhezeiten sollen täglich mindestens elf Stunden betragen, dürfen aber auf höchstens neun Stunden reduziert werden. Diese Reduzierung darf aber höchstens dreimal zwischen zwei Wochenruhezeiten stattfinden. Diese wöchentliche Ruhezeit muss 45 zusammenhängende Stunden betragen, die nach sechs Tagen eingelegt werden muss.

Wie die Lenk- und Ruhezeiten im Raum Karlsruhe kontrolliert werden, lesen Sie hier: Lenkzeiten im Busverkehr - Wer kontrolliert hier eigentlich?