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Ettlingen Krieg ohne Tod: Ettlinger Kongress zu nicht-tödlichen Waffen

Wie können Soldaten Gefahren abwehren ohne zu töten? Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal geht dieser Frage nach: Die Einrichtung erforscht nicht-tödliche Waffen. Vom 16. bis 18. Mai befassen sich damit rund 150 internationale Wissenschaftler beim "6. Europaen Symposium on Non-Lethal Weapons" in Ettlingen. Im Rahmen der Fachtagung haben die Wissenschaftler einen Akustik-Generator vorgestellt, der Piraten vertreiben soll.

"Diese nicht-tödlichen Systeme sollen Menschenleben retten", sagt Wilhelm Eckl, Abteilungsleiter für Energetische Systeme des ICT gegenüber ka-news.

Während Waffen zum Töten oder Zerstören bestimmt seien, sollen mit den nicht-tödlichen Waffen Gegner ohne schwerwiegende oder bleibende Schäden handlungsunfähig gemacht werden. Der Wissenschaftler spricht daher von "nicht-letalen Wirkmitteln" (NLW). Auch könne mit NLW durch situationsangemessenes Verhalten eine Eskalation entschärft werden.

Frieden schaffen mit Akustik-Waffen

Das Fraunhofer-Institut arbeitet im Auftrag des Verteidigungsministeriums. "Wir erheben die techischen Daten der nicht-tödlichen Systeme und überprüfen deren Wirkung", sagt Physiker Eckl. Aufgrund dieser Datensammlung entscheide das Verteidigungsministerium, ob ein System künftig von der Bundeswehr eingesetzt werde oder nicht. Die entscheidende Vorgabe in Deutschland für die Forscher laute: Die Waffen dürfen nicht tödlich sein.

Am Montag hat das ICT in Pfinztal den Prototyp eines Akustik-Generators  vorgestellt, den es im Auftrag der Bundeswehr entwickelt hat. Mit dem Generator will das Militär künftig Gegner abschrecken. Die dafür notwendige Waffe besteht aus hintereinander montierten Lautsprechern, mit denen Menschen gezielt auf mehrere hundert Meter angesprochen oder mit unangenehmen Geräuschen beschallt werden können. Die Geräte erzeugen Geräusche sehr hoher Lautstärke.

Elektroschocks werden nicht erforscht

Damit könnte die Besatzung eines Schiffes mögliche Angreifer auf hoher See aus weiter Entfernung und in mehreren Sprachen ansprechen, erklärt Eckl. Soldaten könnten beispielsweise Piraten vor dem Einsatz von Schusswaffen warnen. Zudem könnte Missverständnissen entgegengewirkt werden. Denn die meisten verdächtigen Schiffe hätten gar keine Piraten an Bord. Durch die Warnung  hätte der vermeintliche Gegner Gelegenheit abzudrehen und einem bewaffneten Konflikt zu entgehen. "Durch Kommunikation können viele Eskalationen verhindert werden", so der Forscher. Bisher seien noch keine dieser Wirkmittel bei der Bundeswehr im Einsatz, so Eckl.

Neben akustischen Systemen arbeitet das ICT auch an mechanischen und kinetischen Wirkmitteln. An der Entwicklung von Tasern, einer Elektroschockpistole, durch deren Einsatz in den USA  bereits mehrere Menschen gestorben sein sollen, beteiligt sich das ICT nach eigenen Angaben nicht. Der Einsatz von Tasern ist in Deutschland verboten.

Kritiker fürchten Missbrauch

Beim "6. European Symposium on Non-Lethal-Weapons" vom 16. bis 18. Mai tauschen sich 150 Experten aus 20 Nationen in der Stadthalle Ettlingen über die Entwicklungen nicht-tödlicher Waffen aus. Das ICT veranstaltet den dreitägigen Kongress, der alle zwei Jahre stattfindet. Die Wissenschaftler setzen sich auch mit ethischen Fragen auseinander, die mit dem Einsatz nicht-tödlicher Waffen verbunden sind. Denn Kritiker befürchten einen Missbrauch nicht-tödlicher Waffensysteme, etwa zu Folterzwecken. Der Verein gegen den Missbrauch psychophysischer Waffen hatte daher mit einem Infostand vor der Stadthalle Ettlingen und auf dem Karlsruher Marktplatz zu Protesten aufgerufen.

"Wenn gewisse Dinge in die falschen Hände gelangen, dann ist Missbrauch nie ausgeschlossen", sagt auch Eckl. Dennoch betont der Wissenschaftler den guten Zweck der NLW. Die Wirkmittel sollen die Lücke zwischen Töten oder Verletzen der Gegner und einem Nicht-Eingreifen der Einsatzkräfte schließen, so der Wissenschaftler. Sie seien mehr als eine Alternative zu herkömmlichen Waffen.

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Kommentare (9)
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  •   petsto69
    (924 Beiträge)

    18.05.2011 08:56 Uhr
    Puuuh...
    ... jetzt bin ich aber erschrocken...
    "Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal"...?!
    Dachte schon die verschiessen Aspirin o.ä. .. grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    17.05.2011 23:43 Uhr
    Ein ganz normales
    Konzert von Xaver Naidoo täte es auch. Da dreht jeder Pirat der was auf sich hält freiwillig sofort ab. Wenn das nichts hilft könnte man noch Mariah Carey, Whitney Husten und Celine Dion draufschalten. Das haut den stärksten Seemann um.

    Find ich etwas albern, an was die da forschen. Da ziehen die Piraten eben Mickymäuse auf, und dann? Das sind keine Hunde und Katzen die man mit ein bisschen Ultraschall in die Flucht jagen kann.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (13035 Beiträge)

    18.05.2011 00:23 Uhr
    ich toppe das Ganze noch!
    für alle Fälle gäbe es noch Modern Talking, PUR, Schlaffei und sonstiges Gedöhns. Das hat sogar den besten Ohrenschützer von der Mütze.

    grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1197 Beiträge)

    19.05.2011 14:03 Uhr
    Puh,
    allein bei Nennung der genannten Trällerdarbieter bin ich kurz vorm k.o. und vollkomen kampfunfähig zwinkern
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  •   heaven
    (860 Beiträge)

    17.05.2011 17:44 Uhr
    Fängt
    Heino etwa wieder zu singen an? zwinkern
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  •   landei
    (6123 Beiträge)

    17.05.2011 17:50 Uhr
    das wäre auch ne Idee
    im Duett mit Jopi Heesters, damit man bald wieder was Neues erfinden kann
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  •   landei
    (6123 Beiträge)

    17.05.2011 16:12 Uhr
    das wär doch was
    für die Fusballstadien. Einfach vor die bescheuerten ULtras stellen und aufdrehen bis die sich selbst nicht mehr hören. (............oder mit unangenehmen Geräuschen beschallt werden können. Die Geräte erzeugen Geräusche sehr hoher Lautstärke).
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  •   Gaul
    (315 Beiträge)

    17.05.2011 16:32 Uhr
    Interessant
    Das wäre sicher möglich, aber vollkommen sinnlos. Warum sollte man sowas tun?
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  •   landei
    (6123 Beiträge)

    17.05.2011 16:51 Uhr
    um die
    "Waffe" zu erproben !!!!!! Laut eigenem Verständnis (so lese ich das hier doch immer wieder heraus) sind diese´Ultras doch eine von der Staatsmacht verfolgte Minderheit. Man verfolge die gestrigen Einträge. Da hätten sie dann mal wieder Grund sich zu beschweren.
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