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Marxzell Motorradkontrolle im Albtal: "Wir haben überraschend viele Beanstandungen, aber ein Fall übertrifft alles!"

Die L564, die sogenannte Albtalstrecke, ist gerade bei Motorradfahrern im Sommer sehr beliebt. Ein guter Grund für die Karlsruher Polizei, am Donnerstagabend eine Motorradkontrolle durchzuführen. Mit überraschendem Ausgang, wie sich später herausstellen sollte.

Gegen 17.30 Uhr an diesem Donnerstagabend ist einiges los auf der Albtalstrecke zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb. Menschen sind auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, fahren zu einer Verabredung oder machen einen Ausflug.

Gerade bei Motorradfahrern ist die Strecke ins Albtal sehr beliebt, aber sie ist auch ein Unfallschwerpunkt. Das zeigen Unfälle aus den letzten Wochen, bei denen nicht nur Motorräder beteiligt waren. Daher führt die Verkehrsüberwachung der Polizei Karlsruhe in Marxzell eine Kontrolle durch. 

Motorradkontrolle in Marxzell
Kelle hoch! Ein Beamter winkt die Motorräder auf den Parkplatz am Bahnhof Marxzell. | Bild: Anya Barros

Die erste Viertelstunde ist es noch ruhig auf dem Parkplatz am Bahnhof, doch schon 30 Minuten später sind bereits acht Zweiradfahrer kontrolliert worden. Zusätzlich ist ein Auto in die Geschwindigkeitskontrolle geraten.

Nicht nur der Führerschein wird unter die Lupe genommen

"Den Herrn im schwarzen Mercedes haben wir gelasert, und bei erlaubten 80 km/h war er mit 109 Stundenkilometern unterwegs", erklärt Jürgen Koger, Verkehrsgruppenleiter bei der Polizei Karlsruhe. Abzüglich Toleranz war der Fahrer also 25 km/h zu schnell. Macht einen Punkt in Flensburg. Der Schwerpunkt der abendlichen Kontrolle liegt aber bei den motorisierten Zweirädern. 

Motorradkontrolle in Marxzell
Bei erlaubte 80 km/h war ein Autofahrer mit 109 km/h erwischt worden. | Bild: Anya Barros

Sechs Motorradpolizisten der Allgemeinspezialisierten Verkehrsüberwachung sind bei der Kontrolle dabei, einer winkt die Motorradfahrer raus, die anderen Kollegen kontrollieren. "Unser Augenmerk liegt auf dem technischen Zustand der Maschine, also ob die Bremsen gut sind oder die Reifen noch genug Profil haben", erklärt Koger im Gespräch mit ka-news. Auch der Führerschein wird in Augenschein genommen. "Wir müssen wissen, ob der Fahrer auch so eine Maschine fahren darf!" 

Viele geben sich einsichtig

Gegen 18.45 Uhr wird ein Mann rausgewunken, der nach Bernbach möchte. Er ist auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Hinten auf seiner Maschine hat er eine kleine Tasche gebunden, einen Rucksack trägt er auf dem Rücken. Was aber auffällt: Der Mann trägt eine kurze Hose und einen leichten Pullover.

Motorradkontrolle in Marxzell
Ein Hinweis an die Fahrer: Passende Kleidung schützt bei Unfällen - auch darauf gehen die Beamten der Motorradgruppe ein. | Bild: Anya Barros

"Wir weisen die Fahrer auch darauf hin, dass sie eine passende Ausrüstung tragen sollten", sagt Jürgen Koger. Grundsätzlich besteht lediglich eine Helmpflicht, trotzdem schützt eine Lederkombi, auch wenn es im Sommer darunter oft unerträglich warm ist, besser vor Verletzungen als eine kurz Hose mit Badelatschen. 

Der Check der Personalien ist ein Muss

Der kontrollierte Motorradfahrer gibt sich auch einsichtig: "Ich habe passende Kleidung dabei, die trage ich morgens auch, aber nach der Arbeit auf dem Bau war es mir jetzt einfach zu warm", sagt der Honda-Fahrer entschuldigend. Es sei seine erste Kontrolle in die er da bei Marxzell geraten ist, sagt er. "Ich finde das auch überhaupt nicht nervig, dass ich angehalten wurde, Sicherheit geht vor!" 

Motorradkontrolle in Marxzell
Auch die Halterung des Kennzeichens wird überprüft. | Bild: Anya Barros

Eine halbe Stunde später wird ein Duo kontrolliert, zwei Männer warten darauf, dass sie weiterfahren dürfen. Doch der Check der Personalien dauert etwas länger. "Wir überprüfen immer auch die Personalien und das Kennzeichen, ob nicht der Fahrer oder das Motorrad vielleicht gesucht wird", weiß Jürgen Koger, Verkehrsgruppenleiter der Verkehrsüberwachung bei der Polizei Karlsruhe. 

Und dann werden die Beamten fündig: Das Kennzeichen der blauen Honda ist alt, mittlerweile ist ein Auto auf dieses Nummernschild zugelassen. Auch einen Führerschein hat der Mann nicht dabei. "Wir fahren jetzt mit ihm nach Hause und holen seinen Führerschein", sagt Koger. Wie sich später herausstellen sollte: Er ist gar nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis für das Motorrad.

Urkundenfälschung am Kennzeichen

Bei genauerer Betrachtung stellen die Beamten fest, dass sowohl die TÜV-Plakette als auch die Zulassungsplakette nur aus Papier sind und aufgeklebt wurden. "Das ist Urkundenfälschung, Kennzeichenmissbrauch und er verstößt gegen die Pflichtversicherung", erklärt Thomas Speck, Polizeihauptmeister gegenüber ka-news. 

Motorradkontrolle in Marxzell
Die TÜV-Plakette und die Zulassungsplakette wurden dreist gefälscht: "Das ist ja nur Papier!" | Bild: Anya Barros

Auch später kann der Mann keinen Führerschein vorweisen. Er sagt, dass das Kennzeichen, welches er an seinem Motorrad hat, ein altes von ihm ist, von einem früheren Krad, das er besessen haben soll. Und dass er mit der blauen Honda heute eine Probefahrt machen würde und deswegen das alte Nummernschild montiert hat.

Nach drei Stunden ist die Kontrolle vorbei

"Das Kennzeichen hat er uns jetzt freiwillig gegeben, weitere Angaben macht er jetzt nur noch mit einem Anwalt", so Jürgen Koger im Gespräch mit ka-news weiter. Weil sein Motorrad nun stillgelegt wurde, schließlich hat er das Kennzeichen freiwillig abgegeben, nimmt ihn nun sein Begleiter mit und die beiden fahren davon. 

Motorradkontrolle in Marxzell
Die fünf Herren nehmen es gelassen. | Bild: Anya Barros

Nach dieser Aktion ist die Kontrolle für Jürgen Koger und seine Kollegen auch beendet. Auf etwa 32 kontrollierte Fahrzeuge kommen nun fünf Anzeigen: Darunter zwei Autofahrer, die mit erhöhter Geschwindigkeit gelasert wurden, für zwei Motorräder gibt es einen Mängelbericht.

"So ein Fall passiert ein Mal in drei Jahren"

Bei einem droht die Erlöschung der Betriebserlaubnis, weil ein Teil verbaut war, das nicht eingetragen war. Der andere Fahrer hat mit einer Strafanzeige wegen Urkundenfälschung zu rechnen. 

"Auf über 30 Fahrzeuge diese Anzahl an Anzeigen, das ist eigentlich zu viel, aber wir haben Präsenz gezeigt, das ist auch wichtig", sagt Jürgen Koger gegenüber ka-news abschließend. "Es war also überraschend viel, aber der Fall mit dem Kennzeichen, das war ein Highlight!" Das würde ein Mal in drei Jahren passieren, sagt er kopfschüttelnd. "Fahren ohne Führerschein oder abgefahrene Reifen - das ist normal, aber das war wirklich ungewöhnlich!"

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  •   timo
    (3068 Beiträge)

    24.08.2018 17:02 Uhr
    das ist eigentlich zu viel, aber wir haben Präsenz gezeigt, das ist auch wichtig
    oder anders gesagt: Jetzt muss man erst mal ein paar Jahre nix mehr machen zwinkern
    (ok, Radfahrer tagsüber auf Licht kontrollieren geht noch ab und zu)
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  •   santana
    (1000 Beiträge)

    24.08.2018 15:57 Uhr
    Dass man
    die Augen "lasern" lassen kann, war mir bekannt. Dass man das auch bei Auto-und Motorradfahrern macht, wusste ich nicht. Man lernt halt nie aus. grinsen
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  •   zozimura
    (1956 Beiträge)

    24.08.2018 22:15 Uhr
    Range 474
    Lasern auf 474 Metern geht ja noch. Da ist Mann zu doof. Ich wurde mal auf 968 m glasert. Von einem Dunkelgrünen Mäneken hinter einem Baum. Den siehst du nicht. Hat mir mein Augenarzt dann auch bestätigt. Aber einen Lasersheriff auf 474 m, das sollt Mann dann doch erkennen.
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