50 Jahre Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Ein Jubiläum! – Wann? Im Juli 2012 – Wo? Mitten in der Stadt! – Und wer oder was wurde da 50? Die PH! Aber gibt`s die nicht schon länger? Das große Sandsteingebäude in der Bismarckstraße beherbergte doch schon früher staatliche Einrichtungen für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an Grund- und Hauptschulen, früher „Volksschulen“. Mancher erinnert sich noch an Bezeichnungen wie „Lehrerbildungs- akademie“ oder „Lehrerbildungsanstalt“.

Die Anfänge der Lehrerbildung in Karlsruhe reichen bis in das Jahr 1757 zurück. Damals wurden die ersten „Schulkandidaten“ ausgebildet und geprüft. Immer wieder wurde seither in deutschen Landen die Frage gestellt, wie akademisch, d.h. wissenschaftlich fundiert bzw. begleitet die Ausbildung der Lehrer - und in steigender Zahl der Lehrerinnen - für die Grund- und Hauptschule sein muss.

Bis dann – und dies gab den Anlass zum diesjährigen Jubiläum – am 20. Mai 1962 der damalige baden-württembergische Kultusminister Dr. Gerhard Storz den Rektoren der baden-württembergischen Pädagogischen Hochschulen die Gründungsurkunden überreichte, die den Status der Eigenständigkeit und die Aufgabenstellung auf der Basis des Gesetzes über die Ausbildung von Volksschullehrern von 1958 festlegten. Darin wird betont, dass es Aufgabe des neuen Hochschultyps sein wird, „auf der Grundlage von wissenschaftlicher Forschung (…) die Kenntnisse und Methoden zu vermitteln, deren der Volksschullehrer bedarf.“

In den 50 Jahren, die seither vergangen sind, hat sich die Pädagogische Hochschule Karlsruhe zu einer bildungswissenschaftlichen Hochschule mit einem breiten Leistungsausweis in Lehre und Forschung entwickelt. Seit der Verleihung des uneingeschränkten Habilitationsrechts (2005) hat sie auf allen Ebenen Universitätsstatus erreicht.

Die PH Karlsruhe mit rund 3400 Studierenden sowie etwa 180 Lehrenden und Forschenden kombiniert insbesondere
• eine fundierte Grundbildung für Lehrerinnen und Lehrer für die Grundschule, für Haupt-, Werkreal- und Realschulen sowie die zukünftigen Gemeinschaftsschulen mit
• Bachelor- und Masterstudiengängen im frühpädagogischen, im schulischen und außerschulischen Bereich sowie im Bereich der Erwachsenenbildung. Sie vermittelt
• Basisqualifikationen für Menschen, die in anderen Bildungsbereichen tätig sein möchten,
• sowie professionelle Weiterbildungs- und Dienstleistungsangebote mit Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau.

Das Land Baden-Württemberg verfügt über sechs Pädagogische Hochschulen an den Standorten Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten. Die Studiengänge orientieren sich an den hohen Anforderungen der späteren Berufsfelder: Erziehungs- und Bildungswissenschaften sind eng verknüpftg mit Fachdidaktiken, Fachwissenschaften, Pädagogischer Psychologie und ergänzenden Fächern. Praxiserfahrungen werden vom ersten Semester an in den Studienablauf integriert.

In dieser Vernetzung besteht die Stärke der Pädagogischen Hochschulen. Als spezialisierte Einrichtungen sind sie in der Lage, sich auf bildungswissenschaftliche Fragestellungen in Forschung und Lehre zu konzentrieren. Das Land Baden-Württemberg hat diesen Vorteil in den 1980iger Jahren erkannt und die Pädagogischen Hochschulen als bildungswissenschaftliches Zentrum beibehalten, während die anderen Bundesländer die Lehrerausbildung in die Universitäten integriert haben. Dies birgt die Gefahr, dass die Lehrerausbildung neben den Fachwissenschaften an den Rand gerät.
Die erfolgreiche Entwicklungsarbeit in den zurück liegenden 50 Jahren musste auch von der PH Karlsruhe unter immer wieder wechselnden Einflüssen geleistet werden. Die in den 60iger Jahren geführte Diskussion über den Bildungsnotstand weckte eine lebhafte, vielfältige Reformfreudigkeit, die vor allem in den 70iger Jahren politische Turbulenzen hervorrief.
Forderungen, den Hochschulbereich neu zu ordnen, führten zum Vorschlag, „Gesamthochschulen“ zu bilden und in der Region Karlsruhe-Pforzheim zum Modellversuch „Lehrerbildungszentrum“ begleitet von der Frage einphasige oder zweiphasige, d. h. in Studium und Vorbereitungsdienst gegliederet Ausbildung. Belastend für alle Institutionen der Lehrerbildung war der Einstellungsstopp in den 80iger Jahren. Vor allem daraus resultierten Schwankungen der Studentenzahlen, verstärkt auch durch ein Übergangsphase in der Neuregelung derReallehrerausbildung.

Seit den 90iger Jahren stiegen die Studierendenzahlen kontinuierlich an. Im Wintersemester 94/95 waren wieder über 2000 Studentinnen und Studenten immatrikuliert. Mit der erneuten Zuständigkeit für das Studium zum Reallehrer und der Einführung des Europalehramts an Grund-, Haupt- und Realschulen gewinnt die Hochschule zunehmend an Profil. In diesem Jahr wird auch das Akademische Auslandsamt an der PH Karlsruhe eingerichtet, und es beginnt eine wichtige Phase der Internationalisierung. In den kommenden 10 Jahren vervielfachen sich die Partnerhochschulen in Europa und Übersee, und die Studierendenmobilität nimmt stark zu und wird zu einem wichtigen Schwerpunkt an der PH Karlsruhe.

Seit Anfang des neuen Jahrtausends ist die Situation an den Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg durch eine ständige Überlast gekennzeichnet, die an der PH Karlsruhe von 2004 bis 2006 mit über 3300 Studierenden allein für die Lehrämter ihren Höhepunkt erreichte.

2007 begann an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ein wichtiger Umstrukturierungsprozess. Mit der Entwicklung neuer Bachelor- und Masterstudiengänge werden neue bildungswissenschaftliche Felder im frühpädagogischen Bereich, im außerschulischen Bereich sowie in der Erwachsenenbildung erschlossen – eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist.

Der Rückblick auf die 50jährige engagierte Entwicklung und der Ausblick auf eine erfolgreiche Weiterführung der Arbeit waren nun für die PH Anlass, das Jubiläum mit der Gestaltung einer Hochschulwoche vom 2. bis 6. Juli 2012 zu begehen. Von Montag, 2.Juli bis Donnerstag, 5. Juli war die Karlsruher Öffentlichkeit jeden Abend zu Vorträgen über spannende Bildungsthemen eingeladen. Es standen Beiträge aus den Naturwissenschaften, den Sozialwissenschaften und der Kunst auf dem Programm, ein Abend war dem aktuellen Thema Gemeinschaftsschule gewidmet.

Am Freitag, 6. Juli 2012 wurde die große PH NACHT gefeiert mit der Premiere des Jubiläumsfilms zur Geschichte der Hochschule, mit Lesungen, Mode und Schlagern der 60iger Jahre sowie einem Konzert von PH-Combo und PH Big Band – nochmals ein Beispiel für Vielfalt und Schwung des PH-Lebens.
Und das alles bei uns in der Stadtmitte!
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