Feldpost eines badischen Leib-Grenadiers

Basis des Buches sind Briefe aus dem 1. Weltkrieg, denn Hermann Föller, mein Großonkel, schrieb in seiner Zeit in Nordfrankreich über 360 Feldpostbriefe und -karten. Meine Ur-Großeltern verwahrten diese sorgfältig, zusammen mit zahlreichen Fotos und Dokumenten. Nahezu 25 Jahre lagen diese Briefe und Unterlagen unbeachtet in einem Schuhkarton.

Während der Recherche für einen Vortrag, den ich in meiner Funktion als Vorsitzende des Freundeskreis Königsbach-Steiner Geschichte zusammenstellte, sichtete ich Jahrzehnte später die historischen Dokumente meiner Familie und vertiefte mich in die Feldpost meines Großonkels. Hermanns Briefe ließen mich nicht mehr los. Sein Schreibstil, sein Witz, der Charme seiner Beschreibungen sind einzigartig. Die Idee, diese Briefe als Buch zu veröffentlichen, war geboren.

In über dreijähriger Recherchearbeit, verbunden mit dem Besuch von Originalschauplätzen, Auswertung von mehreren Hundert Originaldokumenten, einlesen in die Regimentsgeschichte der badischen „109er“ und Interviews mit Hinterbliebenen habe ich das Feldpostbuch nun fertiggestellt. Es ist gut geworden.

Die Resonanz, welche ich auf das Buch bekomme ist überwältigend. Jeder, der ein Vorab-Muster in der Hand hatte, ist berührt und beeindruckt. Hermann Föller muss ein sehr charismatischer, intelligenter junger Mann gewesen sein, die Briefe zeigen dies überdeutlich. Den Anfang seiner Militärzeit, ab Oktober 1914 verbrachte er in der Leib-Grenadier-Kaserne in Karlsruhe. Seine Kasernenzeit beschrieb er wie ein Theaterstück in seinem Tagebuch – mit viel Wortwitz und Ironie. Von Karlsruhe zog er Januar 1915 nach Lens/Nordfrankreich, wo er sofort an der berüchtigten und Verlustreichen Loretto-Schlacht teilnahm. Mitte 1915 ging er mit den Grenadieren nach Reims in die Champagne, dann weiter nach Ripont. Die Champagne-Schlacht und die Somme-Schlacht waren weitere Stationen, die er mit viel Glück überlebte. Er beschreibt in seinen Briefen z.B. die Schwierigkeiten beim Essenholen und wie dankbar das Badnerland sein könne, dass der Krieg sich nicht hier abspiele. Er trauert um Kameraden und beklagt – ab Mitte 1916 – auch die mangelnde Versorgung der Soldaten. So wird Hermann vom ländlichen Königsbach aus mit versorgt. Die Eltern schicken ihm per Feldpost Apfelküchle, Rieweleskuche, Stachelbeeren, Gsälz, Dampfnudeln und vieles mehr an die Front. In seinen Briefen spiegelt sich aber auch die Sorge um die Zurückgebliebenen zu Hause wieder und er versucht auch vor den Eltern seine wahren, schlimmen Kriegserlebnisse zu verbergen. Durch intensive Recherche (u.a. in den Kriegstagebüchern von Hermans Bataillon) konnte ich im Buch beschreiben, was das Bataillon erlebte, während Hermann die Briefe schrieb. Dies ist im Bereich Feldpost und Bücher über Feldpost einmalig.

Besonders tragisch war, dass Hermann Mitte 1917 in einer relativ ruhigen Stellung, während einer Zeit in der er eigentlich Urlaub gehabt hätte, von einer eigenen, zu kurz geratenen Mine verletzt wurde. Er kam ins Lazarett, die Verwundung stellte sich als nicht lebensgefährlich dar ... der Divisionsgeistliche schrieb den Eltern und beruhigte diese (...) und trotzdem fieberte er plötzlich und starb.

Zurück blieben verzweifelte Eltern, drei Brüder und eine Schwester, sowie eine Verlobte, die nach Hermanns Tod den Beruf einer Krankenschwester erlernte und im Jahr 1964 im Alter von 70 Jahren in Königsbach starb – unverheiratet, weil ihr Hermann nicht mehr vom Krieg zurückkam.

Das Buch beschreibt nicht die Geschichte des 1. Weltkrieges. Es verschafft persönliche und emotionale Einblicke in das Leben eines Soldaten und die Verhältnisse zu Hause. Beschreibt den Kampf gegen Hunger, Läuse und Ratten, den ewigen Champagne-Schlamm und die Strapazen des Frontalltags im Schützengraben.

Ich plane am 4. November eine “Buchvorstellung” in Königsbach, Festhalle, Ankerstraße 11. Ab 11 Uhr finden Begrüßung und Vorträge statt. Verbunden mit einer Ausstellung 1. Weltkrieg und den Leib-Grenadieren in Frankreich. Wir zeigen Waffen, Maschinengewehre, ein Biwak oder Feldlager, Utensilien aus einem Lazarett, Reservistika und Ausrüstung. Ferner läuft auf der Bühne eine große Bildershow mit Fotos von der Front, Feldpost und vielem mehr. Aus einer original Feldküche gibt es Erbsensuppe mit Kommissbrot. Freunde mit Uniformen aus dem Kaiserreich und dem 1. WK, besonders den Karlsruher Grenadieren, werden die Ausstellung zu einem lebendigen, einmaligen Erlebnis machen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei und ich lade Sie heute schon herzlich dazu ein.

Feldpost eines badischen Leib-Grenadiers. 388 Seiten, DIN A5, vierfarbig, mit Hardcover und Fadenheftung. http://www.feldpostbuch.de. Am 22. Oktober wird das Buch erscheinen.

Auszug aus dem Buch:
Der Königsbacher Hermann Friedrich Föller (*07.07.1894 † 22.07.1917) dokumentiert in seiner Feldpost eindrucksvoll die Realität des Ersten Weltkrieges, die nun in einem umfangreichen Werk aufbereitet, bildlich dokumentiert und in den historischen Zusammenhang gebracht wurde.
Die zahlreich verfassten Feldpostbriefe des Badischen Leib-­Grenadiers (rund 350 Briefe und Karten) geben ein historisches Zeugnis des Kriegsalltags an der Westfront und belegen die Strapazen sowie die körperlichen und seelischen Nöte der Soldaten. Auch die Verhältnisse in der Heimat Königsbach in den Jahren 1914-1917 werden durch den Schriftverkehr mit Familie und Freunden eindrucks­voll beschrieben.
Sofern es möglich war, wurden seine Briefe durch historische Doku­mente, Bilder und Karten ergänzt und in die großen historischen Ereignisse der Kriegsjahre eingeordnet. Der Leser erhält dadurch einen bemerkenswert tiefen und persönlichen Einblick in die Verhältnisse und Geschehnisse des Ersten Weltkriegs.
Im Anschluss an die Dokumentation der Feldpostbriefe werden die Königsbacher Kriegsteilnehmer von 1914–1918 aufgeführt – stellvertretend für alle deutschen Soldaten aus vergleichbaren Verhältnissen und mit ähnlichen Schicksalen.

Zum Inhalt:
Hermann Föller zog nach kurzer Rekrutenzeit in Karlsruhe als 20-jähriger Soldat mit dem 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment in den Ersten Weltkrieg.
Die enge Verbundenheit zu seiner Familie bewog ihn dazu, unzählige Briefe und Feldpost­karten – nahezu 365 Stück – aus dem Feldlager nach Hause zu senden. Er erzählte darin in der ihm eigenen humorvollen und oft selbstironischen Weise über das Leben beim Militär, schrieb Anekdoten über Vorgesetzte und Kameraden und Erlebnisse aus dem Schützengraben. So liefert er einen fast lückenlosen Bericht über nahezu drei Jahre Frontalltag.
Nicht nur seine Eltern und Geschwister waren Hermann sehr verbunden. Sein Witz und Charme und nicht zuletzt seine Ge­wissenhaftigkeit und Kameradschaftlichkeit machten ihn bei den anderen Grenadieren und bei seinen Vorgesetzten sehr beliebt.
Um so größer war der Schock, als Hermann am 20. Juli 1917 in Ornes bei Verdun von einer eigenen, zu kurz gegangenen Mine verletzt wurde. Vom Krankenbett aus ließ er durch den Divisions­geistlichen noch Grüße an die Familie senden mit der Bitte, sich keine Sorgen um ihn zu machen.
Am Abend des 22. Juli erlag er seinen Verletzungen.
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