Kunst am Bauzaun des Bundesverfassungsgerichts

Die Gebäude am Botanischen Garten sind derzeit so schön verhüllt, als hätte der Verpackungskünstler Christo seine Hände im Spiel. Es ist jedoch keine Kunst, weil ganz normale Handwerker die Verhüllung angebracht haben. Hätte die gleiche Arbeit ein Verpackungskünstler erbracht, sähe es genau so aus, aber es wäre Kunst. Beuys, wenn er noch lebte, hätte behauptet, die Handwerker seien Künstler.

Sehr viel bescheidener stellt sich die Kunst von Bea Stach dar. A, Bauzaun sind große Tafeln mit Texten von Bundesverfassungsgerichtsurteilen angebracht. Die Künstlerin zeigt alle Wörter, Nummern, Satzzeichen und Sonderzeichen aus sechs Entscheidungen des Gerichts. Es sind: das Apotheken-Urteil von 1968, das Adoptionsurteil I von 1968, die Urteile numerus clausus I von 1972, Völkerrecht von 1987, Caroline von Monaco I von 1998 und Vorratsdatenspeicherung von 2010. Die Zeichen und Buchstaben der Urteile wurden auseinandergerissen, neu sortiert und in künstlerischer Weise teils als Buchstabenmehrung, teils als Text zusammengesetzt. Man braucht etwas Zeit und Ruhe, um diese Kunst auf sich wirken zu lassen.

Ganz anders ist die Kunst am Platz der Grundrechte von Jochen Gertz. Die Schilder mit Texten von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten, sind an Stahlpfosten angebracht und stehen mitten im Weg. Natürlich stehen sie so da mit ihren sperrigen Texten, um Anstoß zu erregen. Es gibt viele Stimmen aus der Bevölkerung, die diesen Standort für diese Kunst nicht wollen. Der Durchgang zum Schloss und der Blick durch die Hauptachse Karl-Friedrich-Straße sind durch diese Kunst beeinträchtigt. Wenn diese Schilder an diskreter Stelle abseits vom Hauptgeschehen stehen, machen sie wenig Sinn. Derzeit sind sie wegen einer Baustelle abgebaut. Wir sind gespannt, ob sie an dieser Stelle wieder aufgebaut werden.
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