Musik Padewet

Nun gibt es wieder ein alteingesessenes Fachgeschäft weniger. Das Musikhaus Padewet schloss im Juni zum letzen Mal die Ladentür.

1845 schlug die Geburtsstunde der heutigen Firma Padewet in der noch jungen Stadt Karlsruhe, welche von jeher den Ruf hatte, sehr musik- und kunstfreundlich zu sein. Der großherzogliche Hof förderte die Kunst und das Theater entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einer Kunststätte ersten Ranges. Namhafte Künstler waren hier zu Gast. Clara Schumann gab am Hof Konzerte, Nicolo Paganini, der Teufelsgeiger, bezauberte seine Zuhörer, Felix Mottl, der „Magier am Dirigentenpult“, war lange Zeit Hofkapellmeister, und übrigens auch ein Freund von Johann Padewet II, um nur ein paar berühmte Beispiele zu nennen.
In dieser kunstbeflissenen Stadt gründete also vor über 160 Jahren der gebürtige Wiener Johann Padewet I seine Geigenbauerwerkstatt und wurde alsbald zum großherzoglichen Hofinstrumentenmacher ernannt. Dieses wunderschöne Handwerk wurde alsdann zur Tradition in der Familie und über 5 Generationen weitergeführt. Der Name ist auch heute noch ein Begriff in der Fachwelt und Literatur ( z.B. von Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher).
Noch vor einigen Jahren war das Ladengeschäft direkt an der Kaiserstraße neben Papier-Fischer. Der Ladenbereich an der Kaiserstraße lässt sich gut vermieten. Musik Padewet zog sich auf die Seite des Passagenhofs zurück. Bemerkenswert ist die hochwertige Ladeneinrichtung. Die Besucher empfinden die Ladenatmosphäre sofort als angenehm. Wir hoffen, dass ein Fachgeschäft mit einem ebenso hohen Niveau die Räume übernehmen wird.
Wir Innenstädtler spüren es besonders schmerzlich, wenn ein Fachgeschäft nach dem anderen seine Pforten schließt. Der Strukturwandel in der Ladenszene ist unaufhaltsam. Die bundesweit operierenden Läden nehmen immer mehr zu und die inhabergeführten Fachgeschäfte nehmen ab. Man möge sein eigenes Kaufverhalten überprüfen. Viel wird in den Kettenläden gekauft, weil preiswert und das Angebot bekannt. Inhabergeführte Fachgeschäfte bieten mehr Beratung und Ambiente, sind jedoch meist preislich angehoben. Gekauft wird gerne mit dem Auto in der Peripherie in großen Märkten. Im Internet wird ein riesiger Handeslplatz angeboten. Insbesondere nicht in den Ladengeschäften vorrätige Ware wird effiektiver im Internet gekauft.
Die Ladenszene der Städte gleicht sich immer mehr an. Wir haben fast die gleichen Geschäfte hier oder in Mannheim, Heidelberg und Stuttgart. Die Gastronomie befindet sich in einem ähnlichen Strukurwandel. Die Stadtmitte wird sich weiter verändern. Das Individuelle geht unter. Die beliebige Austauschbarkeit nimmt zu. Durch das Karlsruher Laden-Strukturproblem wird die Szene verschärft: Erste Lage ist die Kaiserstraße von der kleinen Kirche bis zum Europaplatz. Zweite Lage die Südliche Waldstraße. Die restlichen Lagen funktionieren so recht und schlecht, abgesehen von dem ECE-Center. Nur wenige Städte haben eine interessantere Ladenwelt, wie z. B. Freiburg oder Baden-Baden. Leider ist es heute ziemlich blauäugig, zu fordern, dass Rahmenbedingungen für die Ansiedlung von inhabergeführten Fachgeschäften geschaffen werden sollen. Wie denn? Der Strukturwandel lässt sich nicht aufhalten.
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Die Stadtmitte: Wappen Bürgerverein Stadtmitte e.V.
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