Die Gasthäuser Löwe und goldener Hirsch in Beiertheim

Im früheren alten Dorf Beiertheim waren aber ursprünglich „nur“ drei Wirtschaften verzeichnet, wobei auch das schon viel für ein Dorf von 200-300 Einwohnern war. Nachfolgend lesen Sie die Geschichte der beiden ältesten Gaststätten Beiertheims.

Gasthaus Löwe

Das älteste Gasthaus war mit ziemlicher Sicherheit der Löwe. Bereits vor 1700 hat ein Bartholomäus Heil von Forchheim nach Beiertheim geheiratet und mit seiner Frau das genannte Gasthaus geführt. Sie müssen ein Schild besessen haben, d. h. hier konnten Gäste übernachten und es gab auch eine Mahlzeit.
Im Jahr 1722 beantragte ein Jakob Martin aus Beiertheim um die Schildgerechtigkeit für das Gasthaus „Hirsch“.
Dies wurde aber mit der Begründung abgelehnt, dass man der Witwe Heil, die allein ihre 5 Kinder durchbringen muss, nicht die Ernährungsgrundlage nehmen wollte. Und Klagen habe es über den Löwen nie gegeben.

Der Löwe wurde etwa bis 1800 von den Nachfahren der Familie Heil bewirtschaftet. Danach wurde er verpachtet mit zahlreichen Wechseln bis etwa 1900. Anfang des 20. Jahrhunderts genoss der Löwe einen Aufschwung, bedingt durch einen fleißigen Wirt, dem angebauten Saal und dem im Hof befindlichen Biergarten. Im II. Weltkrieg wurde der Saal teilweise zerstört, im darunter befindlichen Luftschutzkeller gab es einige Todesopfer. Nach dem Krieg konnte das Gasthaus relativ rasch renoviert werden und war – bedingt durch den Saal – Treffpunkt bei größeren Vereinsfesten.
Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der gesamte Komplex abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. An die alten Zeiten konnte das Gasthaus nie mehr anknüpfen.
Heute befindet sich in den Räumen eine Pizzeria.

Der goldene Hirsch

Wie oben schon erwähnt, wurde im Jahr 1722 die Schildgerechtigkeit für den Hirsch, die ein Jakob Martin aus Beiertheim beantragt hatte, abgelehnt. Das heißt aber nicht, dass der Hirsch nicht schon vorher existiert hat. Möglicherweise handelte es sich um eine Strauß- oder Besenwirtschaft, die eben nur Wein ausgeschenkt hat. Wann genau der Hirsch eröffnet wurde, ist nicht bekannt. Das Gasthaus wird abwechslungsweise Hirsch bzw. goldener Hirsch genannt. In der Alltagssprache wurde auf unnötiges sprachliches Beiwerk verzichtet.

1737 ist im Taufbuch der Pfarrgemeinde St. Michael in Beiertheim ein Jakob Bohner, Hirschwirt, als Taufpate eingetragen. Dieser war mit einer Eva Martin aus Beiertheim verheiratet, möglicherweise verwandt mit oben erwähnten Jakob Martin. Der Sohn aus dieser Ehe hat wohl – zusammen mit seiner Ehefrau Maria Barbara Rastätter – den Hirsch bewirtschaftet. Dieser junge Wirt starb aber bereits im Jahr 1756. Seine Witwe heiratete Ignaz Zöller und die beiden bewirtschafteten das Gasthaus „Schwarzer Adler“.

Die aus der 1. Ehe stammende Maria Eva Bohner bewirtschaftete ab ca. 1770  zusammen mit ihrem Ehemann Michael Martin den goldenen Hirsch. Ob diese beiden die Schildgerechtigkeit erlangten oder ob bereits die Eltern diese beantragt und erhalten haben, ist leider nicht bekannt. Jedoch wissen wir durch einen Todesfall im Jahr 1794, dass der Hirsch damals die Schildgerechtigkeit besaß.
Einer der berühmtesten Gäste des goldenen Hirsch war der alemannische Heimatdichter Johann Peter Hebel, der zwar in Karlsruhe wohnte aber immer wieder gerne den Hirschgarten in Beiertheim besuchte.

Bis zum Jahr 1814 war das Gasthaus im Besitz der Familien Bohner – Martin. Nach dem Tod des noch relativ jungen Wirtes verkaufte die Witwe das Anwesen an einen auswärtigen Wirt.
Auch hier gab es zahlreiche Besitzerwechsel. Aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte der Hirsch eine Blütezeit. Bedingt durch einen schönen Biergarten wurde das Gasthaus zum Stammlokal vieler Vereine. Vor dem II. Weltkrieg sorgte der damalige Wirt Landolin Ochs für eine behagliche Atmosphäre. Das Gasthaus überlebte das Bombardement im Krieg, aber entkam seinem Schicksal trotzdem nicht. Anfang der 70er Jahre wurde das völlig marode Gebäude abgerissen. Heute stehen auf dem Grundstück des ehemaligen Hirsch normale Wohnhäuser.
Der goldene Hirsch ist in die Beiertheimer Geschichte eingegangen
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