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Bruchsal Fastnacht in der Region: Kennen Sie Schbargelbadscha, Kerschdekipper und Schlabbedengla?

In Zeiten eines vereinten Europa muten Neck- oder Uznamen für Einwohner oder Vereine eher folkloristisch an. Früher dienten die Necknamen der Abgrenzung und manchmal auch – allem Spott zum Trotz – der Identitätsstiftung. Die Faschings- und Karneval-Szene hat hier ihr eigenes Ding geschaffen und vielerorts tragen die Vereine, Clubs, Zünfte und Cliquen den Uznamen ihres Ortes stolz als lustigen Vereinsnamen und Schriftzug auf Fahnen, Buttons oder Orden.

Während alteingesessene Fastnachtsvereine und Karnevalsgesellschaften wie die GroKaGe Bruchsal, Narhalla Philippsburg, KG Badenia Karlsruhe, KG Fidelio Karlsruhe oder der Karnevalverein Blau-Weiß Durlach eher traditionelle Namen aufweisen, haben in jüngster Zeit tolle Wortkreationen, nicht zuletzt auch durch die Verbreitung des Brauchtums schwäbisch-alemannischer Fasnacht, Einzug gehalten. Speziell, als in den 90er Jahren die Guggemusik aus der Schweiz nach Nordbaden überschwappte und tolle Kapellen wie Pilze aus dem Boden schossen.

Was steckt hinter Fastnacht, Karneval und Brauchtum und vor allem: Wo kommen solch lustige Vereinsnamen wie "Bachscheißer", "Schnoogebadscha", "Katzbachgugge" oder sogar "Pflaschderstoischeißer" her?

Die famose, bereits 1981 gegründete, Guggemusik "Schlabbedengla Brusl" mit dem Slogan "Meh wie schee" aus der Barockstadt Bruchsal gilt als älteste Guggemusik-Formation nördlich der Alpen. Ihr Oberkapellmeister Philip "Bibse" Konrad klärt lachend auf und eröffnet: "Die Definition von Schlabbedengla? Das sind Flickenschuster. Auf Badisch also Schuhsohlen dengelnde bauernschlaudurchtriebene, schalkhafte Nichtsnutze!" Soll heißen: "En Schlabbe"!

Bild: Hajo Of

Die 1. Hambrigger Guggemusik "Forlebuzzel-Zunft" wurde 1986 gegründet, nachdem sie zuvor einige Male bei Aufenthalten in der Schweiz von dort auftrumpfenden "Schräge-Töne-Orchestern" schwer beeindruckt waren. Seither sind sie bei jeder Kampagne stets auf der Suche "im richtigen Moment den falschen Ton zu treffen". Guggechef Achim Leier stellt fest: "Wir in Hambrücken sind umgeben von Wäldern, speziell von Kiefern, Föhren und Forlen, also Nadelholzgewächsen. Da lag es auf der Hand, uns grün zu kleiden und uns nach den Pollenzapfen einfach Forlebuzzel zu nennen", sagt er gegenüber ka-news.de. Klingt logisch. 

Bild: Hajo Of

Während die stimmgewaltigen "Odama Katzbachgugga" aus dem Östringer Stadtteil Odenheim den Namen ihres Gewässers nach außen tragen, haben die "Grawama Schbargelbadscha" das in der Hardtregion angebaute königliche Gemüse auserkoren. Der Name setzt sich zusammen aus Grawama, also Grabener und Schbargelbadscha, sprich Spargelkelle, welcher zum Einebnen des Spargeldeiches nach dem Stechen verwendet wird, wie es aus Graben-Neudorf heißt.

Vom Dialekt geprägt

Im Kraichtaler Stadtteil Unteröwisheim richtete die Arbeitsgemeinschaft Unteröwisheimer Ortsvereine (Arge) seit Ende der 70er Jahre bis 2019 alljährlich ihre große Prunksitzung mit Akteuren aus dem Ort aus. In diesem Februar wird die 1. Kraichtaler Faschings-Gesellschaft "Uneroiser Kerschdekipper", die bereits im Jahre 2005 vom damaligen Präsidenten Klaus Baumeister gegründet wurde, erstmals als alleiniger Veranstalter fungieren.

Bild: Hajo Of

Der urige Name entstammt dem früheren Kirschen- und Weinort Unteröwisheim, wie der langjährige Präsident und Büttenredner Martin Bindschädel weiß. "In der Hochzeit der Kirschenernte im Mai und Juni raubten die Vögel in früheren Zeiten große Teile der süßen Frucht, obwohl Schreckschüsse oder bunte Fahnen in den Bäumen, die Stare davon abhalten sollten, die Kerschde zu kippe, also zu fressen", erklärt im Gespräch mit ka-news.de. So entstand im herrlichen "Uneroiser Dialekt" einer der schönsten Vereinsnamen.

Vom Wappentier zum Vereinsnamen

Weitere wilde Musikgruppen nennen sich "Weihermer Schneckenschleimer", frei nach dem Uznamen der Weiherer, nämlich "Schnecken" und die "Guggemusig Stobblhobblä Forst 1992" hat einen Hasen, der übers Feld hoppelt, im Vereinsemblem. Die Forster sind im allgemeinen Sprachgebrauch als Sandhasen bekannt. Und da gibt es noch die "Gollos" aus Oberhausen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Vor allem in Österreich, der Schweiz, dem Elsass, Bayern und Baden-Württemberg erhalten sich auch heute noch ältere Namensformen. Besonders im Ländle wird heute zwischen dem rheinischen Karneval und der schwäbisch-alemannischen Fasnacht unterschieden. Trotzdem: Die "Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine" verleiht seit vielen Jahren am ersten Sonntag eines neuen Jahres an seine närrischen Freunde diesseits und jenseits des Rheins den "Goldenen Löwen" - die höchste Auszeichnung des Verbandes.

Bild: Hajo Of

Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität. Während ältere Fastnachten in Südwestdeutschland sich nach wie vor in katholischen Gebieten finden lassen, führte ein regelrechter Fasnachtsboom in den 90er Jahren auch in evangelischen Gegenden die Fastnacht ein. In der Schweiz beispielsweise hat Basel einen Sonderstatus. Die Stadt feiert ihren "Morgenstraich" trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus eine alte, traditionelle Fastnacht.

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Fasching in Karlsruhe und der Region: Fasching, Fastnacht, Karneval - Bilder, Fotos und Infos zum närrischen Treiben in und um Karlsruhe, zu den Faschingsumzügen und von den Prunksitzungen finden Sie in unserem Dossier.
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  •   Schlappedengler
    (364 Beiträge)

    26.01.2020 10:29 Uhr
    Bayern Wappen
    Was hat denn das Bayern Wappen in der linken Maske mit Fastnacht zu tun? Ist das ein fünffacher Gruß in den Pott? 😁
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