Bruchsal/Karlsruhe Tüftler für Kliniken: In Bruchsal stellen Freiwillige Schutzschilde für Ärzte, Pfleger und Sanitäter her

Eine Tüftlerwerkstatt in Bruchsal hat die Produktion auf Visiere umgestellt. An den Maschinen, an denen sonst Kreative ihre eigenen Idee umsetzen können, entsteht ein Schutzschild nach dem anderen. Die Werkstatt kann sich schon nach einer Woche kaum vor Bestellungen retten. Geliefert werden die Visiere unter anderem an Zahnärzte, Krankenhäuser und das Deutsche Rote Kreuz - kostenfrei.

Der Laserstrahl brennt sich in die Plexiglasplatte und schneidet pfeilschnell und präzise eine Scheibe heraus. Nur wenige Meter entfernt entsteht in einem 3D-Drucker das Gestell, in das die Plastikscheibe später eingespannt wird. Fehlt nur noch ein Gummiband - schon ist das Corona-Visier, das offiziell den Namen "Behelfsschild" trägt, fertig.

Der Laserschneider brennt die Visierscheiben aus Plexiglasplatten heraus. | Bild: Lukas Wingerberg

Es entsteht in einer offenen Werkstatt, dem "FabLab" in Bruchsal. In Zeiten ohne Pandemie treffen sich dort Tüftler und Denker, die dort an den Maschinen ihre eigenen Ideen umsetzen können. "FabLabs" finden sich mittlerweile in ganz Deutschland, entstanden ist die Idee der "Tüftlerwekstatt" allerdings in den USA. 

Kostenfreie Lieferung an Krankenhäuser

Das FabLab Bruchsal hat im "HubWerk01" einen Platz zum Betreiben einer solchen Werkstatt gefunden. Früher befand sich dort ein Hochregallager von Siemens, das dann zu einem Ort ausgebaut wurde, an dem Startups und Vereine Flächen mieten können. Und auf einer dieser Flächen entstehen nun Schutz-Visiere gegen das Corona-Virus.

Das FabLab verteilt die fertigen Schilde kostenfrei an Kliniken, Ärzte und Rettungsdienste der Region. Dort dienen sie als Ergänzung der persönlichen Corona-Schutzausrüstung. Das Visier wird zusätzlich zu Atemschutzmasken getragen. Es trägt dazu bei, medizinisches Personal und Helfer mit direktem Kontakt zu Corona-Patienten noch besser vor einer Tröpfcheninfektion im Gesichtsbereich zu schützen.

Die Idee, Schutzschilde für den Kampf gegen Corona herzustellen, hatte ihren Ursprung in dem bundesweiten Aufruf "Maker vs. Virus" eines hessischen FabLabs. "Die Sache ließ mir keine Ruhe, ich rief ein paar meiner Vereinskollegen an, und schon ging es los", sagt Lukas Wingerberg. Keine hundert Stunden später, waren die ersten 225 Schilde bereits ausgeliefert. Permanent gehen neue Aufträge ein, gibt das FabLab in einer Pressemeldung bekannt. 

Die Mitglieder des Vereins bauen in Bruchsal die Komponenten zusammen. | Bild: Lukas Wingerberg

Die Aktion läuft auf ehrenamtlicher Basis. Das FabLab wirbt lediglich um Spenden für die Beschaffung der benötigten Verbrauchsmaterialien. Die Produktion wird von 50 freiwilligen Helfern unterstützt. "Das sind Leute von Pforzheim bis Biblis, die daheim auf ihrem privaten 3D-Drucker Komponenten fertigen", erklärt Wingerberg. Im HubWerk01 werden die Teile dann montiert.

"Wir können bis zu 230 Schilde am Tag produzieren"

Nicht nur Privatpersonen, auch Firmen unterstützen das Projekt: Der Innovationsdienstleister Tech-Solute betreut die Nutzung des Laserschneiders, die Firma Gameforge - einer der größten Hersteller von Computerspielen - stellt zwei 3D-Drucker zur Verfügung. Der benachbarte Tüftlerclub, das FabLab im Karlsruher Schlachthof, ist ebenfalls mit an Board. "Ich finde es einfach mega, dass sich so schnell so viel Leute bereit erklärt haben mitzumachen", so Wingerberg. "Das spornt uns an. Wenn es sein muss, können wir bis zu 230 Schilde am Tag produzieren."

Der Laserschneider im HubWerk01. | Bild: Lukas Wingerberg

Zu den ersten Abnehmern zählt Cornelius Philipp. Der Zahnarzt aus Rettigheim nahm fünf Schilde mit, die er und sein Praxispersonal ab sofort tragen werden. Darüber hinaus beliefert das FabLab nach eigenen Angaben Kliniken in Karlsruhe und Heidelberg sowie im Raum zwischen Bretten und Philippsburg Ortsverbände der Malteser und des Deutschen Roten Kreuzes, Hausärzte, Zahnärzte, die Caritas und Sozialstationen.

Doch: Das Material wird knapp. Aktuell werden dringende Knopfloch-Gummibänder (20mm), Nähgummi (20mm) und Kartons für die Lagerung und den Transport der Schilde gebraucht, teilen die Verantwortlichen mit. Weiterhin wird auch Klarsichtfolie (0,4 bis 1,0 mm Dicke, Außenmaße mind. 240x240mm) gesucht. Wer spenden kann oder möchte, kann dies dem Verein per Mail unter verein@bruchsal-fablab.de mitteilen.

Das FabLab liefert ausschließlich an Einrichtungen der medizinischen beziehungsweise kritischen Infrastruktur - und setzt dabei auf Direktvertrieb. "Wir wollen genau wissen, wo die Masken zum Einsatz kommen", erklärt Wingerberg. Nachfragen von Internethändlern werden nicht bedient, um Missbrauch und Preistreiberei zu vermeiden. Wer einen Bedarf an Schutzschilden oder auch Stoffmasken hat, kann diesen online unter www.coronahilfe-karlsruhe.de anmelden.

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