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Bruchsal/Bretten Aktion der Lebenshilfe: Menschen mit Behinderung nähen Schutzmasken für Bruchsaler Krankenhaus

Mund- und Atemschutzmasken sind aufgrund der Corona-Krise aktuell Mangelware. Abhilfe kommt jetzt von den sechs Werkstätten für behinderte Menschen des Vereins Lebenshilfe Bruchsal-Bretten. Dort nähen die Beschäftigten neuerdings Schutzmasken - und spenden sie unter anderem an das benachbarte Bruchsaler Krankenhaus.

Auf die gute Idee sei man gekommen, nachdem die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten ihre Werkstätten in Bruchsal, Bretten und Graben-Neudorf wegen der Corona-Epidemie vor rund zwei Wochen geschlossen werden musste, heißt es von Seiten des Vereins gegenüber ka-news.de.

"Täglich werden bis zu 250 Masken angefertigt - Tendenz steigend"

"Als wir beobachteten, dass sich die Beschaffung  der Schutzmasken schwierig gestaltete, wollten wir uns dieser neuen Situation anpassen." Unabhängig von der aktuellen Debatte über die Wirksamkeit der begehrten Mund-Nasen-Schutzmasken habe es Anfragen zur Möglichkeit der Produktion gegeben, auf diese die Lebenshilfe nun reagiert hat.

Bild: Hans-Joachim Of

"Zwischenzeitlich werden täglich bis zu 250 Masken angefertigt, die zunächst den Eigenbedarf in unseren Wohnheimen decken werden, Tendenz steigend", sagt Norbert Sebold, technischer Leiter der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten.

Lebenshilfe spendet die Masken an Bruchsaler Krankenhaus

"Es ist uns wichtig, mit unseren vorhandenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag zur Verringerung der bekannten Lieferengpässen zu leisten, indem wir beispielsweise dem benachbarten Bruchsaler Krankenhaus diese Masken unentgeltlich zur Verfügung stellen."

Bild: Hans-Joachim Of

Nach Rücksprache mit dem Zentraleinkauf der RKH Kliniken, zu denen das Krankenhaus Bruchsal gehört, würden aufgrund der derzeitigen Engpässe auch diese Masken händeringend benötigt, heißt es. Ein zertifiziertes Medizinprodukt sollen die genähten Tücher aber nicht ersetzen.

"Unsere Behelfs-Schutzmasken sollen eine psychologisch-moralische Unterstützung sein"

"Unsere Behelfs-Schutzmasken sollen für unsere Kollegen in der Pflege eine psychologisch-moralische Unterstützung sein", meint Gretl Kanzler. In normalen Zeiten Gruppenleiterin und stellvertretende Betriebsstättenleiterin in Bretten, habe sie sich als ausgebildete Schneiderin nach den ersten Anfragen sofort an die Nähmaschine gesetzt, um aus ihrem privaten Fundus an bunten Stoffen Mund-Nasen-Schutzmasken herzustellen.

Bild: Hans-Joachim Of

Eine weitere Idee zum Schutz der Mitarbeitenden, die nach wie vor in der Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigung tätig sind, seien auch eigens produzierte Schutzkittel. Hierfür wurden ehemals in der Textilabteilung hergestellte Patientenhemden mit relativ überschaubarem Aufwand umgestaltet. Diese Schutzkittel kommen beispielsweise bei der Pflege von Wohnstättenbewohnern in der Einrichtung zum Einsatz.

Appell: "Nähen Sie Masken für die Region!"

"Auch dieses Produkt werden wir dann dem Krankenhaus Bruchsal zur Verfügung stellen", sagt Norbert Sebold. Dennoch: Um den enormen Bedarf allein zu decken, sieht sich die Lebenshilfe nicht gewachsen. Daher appelliert sie an die Bevölkerung, sie beim Nähen der Schutzmasken zu unterstützen.

Bild: Hans-Joachim Of

"Helfen Sie zu Hause an der Nähmaschine mit und nähen Sie Masken für die Region. Wer keine eigene Nähmaschine besitzt, darf gerne an den Maschinen der Betriebsstätten Bruchsal oder Graben-Neudorf arbeiten. Das Material und eine genaue Nähanleitung wird gestellt", heißt es von Seiten des Vereins. Wer mitmachen möchte, kann sich an Norbert Sebold wenden unter Telefon 07251/715114 oder E-Mail norbert.sebold@lebenshilfe-bruchsal.de.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   FCKSUV
    (414 Beiträge)

    03.04.2020 11:22 Uhr
    Behindertenwerkstätten
    sind Orte der Ausbeutung. Für gewöhnlich produziert man dort für namhafte Firmen, z. B. Reifenhersteller oder Hersteller für hochwertige Kaffeemaschinen.

    Die < 300 EUR "Aufwandsentschädigung" werden den Behinderten auch noch von ihrer Grundsicherung SGB XII abgezogen, und für das Mittagessen in der Kantine werden nochmals 1,60 EUR abgezogen.

    Staatlich legitimierte Umgehung des Mindestlohns.
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  •   ALFPFIN
    (7333 Beiträge)

    03.04.2020 10:16 Uhr
    Interessant
    Interview mit dem Chef von Trigema im DLF. Selbstverständlich wird man helfen, vorübergehend seine Produktion umstellen und Schutzmasken herstellen, die dann von den Kliniken usw. gekauft werden können. Man will ja solidarisch sein. Auch Privatverbraucher können diese Atemschutzmasken kaufen.
    Ich habe die Trigema Seite mal aufgerufen:
    Angebot bei Lieferzeit ab Mai im 10er Pack für 120 Euro! Also 10 Atemschutzmasken(einfache Ausführung ohne Filter) Man kann sie zwar waschen und wieder verwenden, wovon die Mediziner abraten. In normalen Zeiten kosten diese Masken zwischen 3-5 Euro, ich habe sie letztes Jahr noch ganz normal für eine Nachbarin gekauft, die extrem unter Heuschnupfen leidet .

    Ja, solidarisch ist man schon, man produziert jetzt statt Unterwäsche Atemschutzmasken für mehr als den doppelten Kaufpreis pro Stück, Corona sei Dank.
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  •   AlterMann
    (190 Beiträge)

    03.04.2020 12:45 Uhr
    Makenname
    Da müssen sie den Markennamen mitbezahlen.
    Ein T-Shirt kostet dort ja auch gut 40€ und hält auch nicht länger als eines für 3€ vom Supermarkt.
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  •   ALFPFIN
    (7333 Beiträge)

    03.04.2020 13:53 Uhr
    Der Preis
    für die Trigema Atemschutzmasken widerspricht der Aussage im Interview.
    "Natürlich ist es selbstverständlich, dass wir da einspringen, solidarisch sind usw."
    Aber es zeigt sich, dass es wie immer ist, wenn ein Artikel knapp ist aber dringend gebraucht wird, geht der Preis hoch, er wird ja auf jeden Fall gekauft. Und man verdient ordentlich dran, zumal ja im Einzelhandel zur Zeit keine Trigema Produkte verkauft werden können.
    Mit solidarisch einspringen hat das nichts zu tun, das ist einfach unternehmerisches Kalkül.
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  •   Route66
    (2628 Beiträge)

    03.04.2020 12:56 Uhr
    Stimmt nicht
    Die Shirts von Trigema sind sehr gut und halten ewig. Und sie sind quasi chemiefrei. Dein Shirt aus dem Supermarkt ist ein Chemiecocktail aus Bangladesh, mit Kinderarbeit und Leid erzeugt.
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  •   Route66
    (2628 Beiträge)

    02.04.2020 20:47 Uhr
    Tolle Sache
    diese immer mehr zum Vorschein kommende Solidarität. Danke 👍
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