4  

Hambrücken Schlammschlacht mit Suchtgefahr: Darum sind Hako-Rennen die "Formel 1 des kleinen Mannes"

Dreckig, laut und eine riesige Gaudi: Hakorennen erfreuen sich sowohl bei Fahrern als auch bei Zuschauern in der Region großer Beliebtheit. Am Samstag, 27. Juli, messen sich die besten Teams beim zweiten "Hambrigger Dreggschaufle-Cup" in Hambrücken miteinander. Was den Sport so außergewöhnlich macht und wie man sich auf ein solches Rennereignis vorbereitet - ka-news.de hat drei mit dem "Hako-Virus" infizierte Teilnehmer gefragt.

Wenn "Rennschnecken" gegen "Schlammschnallen" antreten und "Fräsenmord", "Kraichgauer Dreckspatze" oder "Team Flurschaden" die "Vollgasbrüder" herausfordern, dann kann ein spektakuläres Hako-oder Fräsenrennen eigentlich nicht weit sein. Seit einiger Zeit gilt die Region Bruchsal als Hochburg für diese "Formel 1 des kleinen Mannes" und zieht oft tausende Rennsportfans in seinen Bann.

Am Samstag, 27. Juli, startet nun, nach der Premiere im Vorjahr, die Zweitauflage des "Hambrigger Dreggschaufle-Cups" auf einem freien Feld vor den Toren Hambrückens, unweit des Gewerbegebiets im Gewann "Am Speckgraben".

Schlammschlacht mit Anhänger und Beifahrer

Doch was muss man sich unter einem Hako-Rennen vorstellen? Hakos, das sind Einachser-Zugmaschinen, mit denen ein abgesteckter Parcours samt Anhänger und Beifahrer möglichst schnell durchquert werden muss. Das Besondere daran: Zur Belustigung des Publikums müssen währenddessen oft Wassergruben durchfahren oder Beifahrer-Prüfungen bestanden werden.

Hako-Rennen
Beim Hako-Rennen geht es oft ziemlich schlammig zu - aber das gehört dazu. | Bild: Hans-Joachim Of

Auch Kevin Schubert aus Hambrücken wurde vor zehn Jahren bei einem Rennen in Weiher (das dortige Hako-Spektakel findet bereits seit 22 Jahren statt) mit dem "Rennfräsen-Virus" infiziert. Der 26-jährige gelernte Zweiradmechaniker ist seither bei zahlreichen Hako-Rennen am Start und fährt sogar bis nach Spanien, um auf einer Rally-Strecke zwischen Barcelona und Valencia die besondere Atmosphäre dieses Sports aufzusaugen.

Hako-Rennen
Kevin Schubert und Freundin Anna-Lena Frei haben sich mit dem "Hako-Virus" angesteckt. | Bild: Hans-Joachim Of

Bis zu 10.000 Euro kostet ein Hako

"Seit 2015 bin ich beim dortigen spektakulären Nachtrennen am Start. Zum ganz großen Erfolg hat es noch nicht gereicht, doch auch hier zählt der olympische Gedanke", eröffnet der Hobby-Pilot, der beim traditionellen "Weihermer Hako-Rennen" schon einige Male auf dem Siegertreppchen stand. Mit dabei ist der 25 Jahre alte und in Karlsruhe beschäftigte Co-Pilot Pascal Schmitt aus Rußheim, gelernter Feinwerkmechaniker und ebenfalls ein "echter Schrauber".

Hako-Rennen
Pascal Schmitt (r.) und Kevin Schubert schrauben für ihr Leben gern an ihren Hakos. | Bild: Hans-Joachim Of

Die beiden Kumpels bezeichnen ihre Leidenschaft für die Einachs-Schlepper als "schönstes Hobby", stecken viel Freizeit und Geld in ihre Rennmaschinen. Was ein aufgemotztes Hako kostet? "Je nach Ausstattung werden zwischen 2.000 und 10.000 Euro fällig", sagen die beiden Experten gegenüber ka-news.de.

Auch weibliche Gespanne entdecken den Sport für sich

Kevin Schubert bringt momentan seine grüne Agria 1700 mit 750 Kubikzentimeter und 60 PS in Schuss. Das Getriebe wurde umgebaut, dazu ein V2-Vierzylinder Motoguzzi-Motor, Vollfederung mit Differenzial. Pascal Schmitt, der auch eigene Rennen fährt, hat einen baugleichen Prototyp in der Garage stehen. "Mit Rennsportmotor Marke Eigenbau, Einzylinder 700 Kubik und 82 PS", kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Hako-Rennen sind dabei aber kein klassischer Männersport, seit einigen Jahren mischen auch weibliche Gespanne ihre männlichen Kontrahenten kräftig auf. So hat auch Kevins Freundin Anna-Lena Frei aus Weiher Blut geleckt. Die 25-jährige gelernte Laboratorin, kann ebenfalls mit Schraubenschlüssel und Werkzeug umgehen, macht nicht nur als Beifahrerin mit schickem Pilotenhelm eine gute Figur.

Hako-Rennen
Auch Frauen bestreiten seit einigen Jahren Hako-Rennen. | Bild: Hans-Joachim Of

"Das Schöne ist die familiäre Atmosphäre, jeder hilft sich gegenseitig"

"Ich bin schon mit 15 Jahren mit dem Opa Hako gefahren und in Weiher seit langer Zeit als Pilotin am Start. Das Schöne an unserem Sport ist die familiäre Atmosphäre bei den Rennen und die Gemeinschaft. Jeder kennt jeden, man tauscht sich aus, hilft sich gegenseitig", betont Motorradfahrerin Anna-Lena, die zusammen mit Pascal Schmitts Freundin Michelle Woroniak in Hambrücken auch die Rennleitung übernimmt.

Hako-Rennen
Familiär geht es bei den Renn-Veranstaltungen zu. | Bild: Hans-Joachim Of

Ihre Agria 1700 hat 372 Kubikzentimeter und 16 PS. Die Farbe - ein Leopardenmuster - wird natürlich von ihr selbst aufgesprüht. Sie ist, ebenso wie Kevin und Pascal, voller Vorfreude, wenn sie an das kommende Rennen in Hambrücken denkt. In fünf verschiedenen Klassen - Acker-/Sport-/Super-Sport-/Offene Klasse und Prototypen-Klasse - kämpfen die Piloten dort neben Ruhm und Ehre um die bereitstehenden Pokale.

Bis zum letzten Moment wird an den Maschinen geschraubt

Bis zuletzt wird dabei, analog der großen Formel 1, im Fahrerlager an den Maschinen geschraubt und gewerkelt. Schließlich will jeder Starter auf dem 1.600 Meter langen Rundkurs die Zielflagge so schnell wie nur möglich erreichen. Das Rennen selbst wird - nach der Hakosegnung durch Diakon Robert Austen - im K.o.-System bestritten.

Hako-Rennen
Das Ziel: Den Parcours so schnell wie möglich zu absolvieren. | Bild: Hans-Joachim Of

Eines können Kevin Schubert, Anna-Lena Frei und Pascal Schmitt vom Team "Dreggschaufle" für das anstehende Rennereignis versprechen: "Die Besucher dürfen sich auf eine herrliche Performance mit tollkühnen Piloten und waghalsigen Beifahrern freuen!"

 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (4)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.