Browserpush
21  

Bad-Schönborn/Kronau Schloss Kislau bei Kronau: Wie ein ehemaliges Konzentrationslager zum Erinnerungsort für NS-Geschichte werden soll

Zwischen den Gemeinden Bad-Schönborn und Kronau liegt die historische Anlage des Jagd- und Lustschlosses Kislau. Während es in seiner Jahrhunderte alten Geschichte Kaserne, Militärhospital und Gefängnis war, diente es von 1933 bis 1939 einem besonders düsteren Zweck: als Konzentrationslager. Das Besondere: Ausgerechnet hier will der Karlsruher Verein "Lernort für Zivilcourage" ein Lern- und Dokumentationszentrum errichten.

"Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten, die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat", lautet ein Zitat des Publizisten Erich Kästner (1899-1974). Diesen Satz schreibt der im Jahr 2012 gegründete Verein "Lernort Zivilcourage und Widerstand" (LZW) aus Karlsruhe in einer Broschüre. 

Wirken badischer NS-Gegner steht im Vordergrund

Ziel des LZW ist es, die Geschichte von Abwehrkampf, Widerstand, Verfolgung und Exil während der Weimarer Republik und unter der NS-Diktatur stärker in den Fokus von Forschung und Vermittlung zu rücken. Leiterin des Projektes ist die Politikwissenschaftlerin und Historikerin Andrea Hoffend, Ehefrau des Karlsruher Oberbürgermeisters Frank Mentrup.

Projektleiterin Andrea Hoffend (links) mit den Mitarbeiterinnen Claire Hölig und Luisa Lehnen.
Projektleiterin Andrea Hoffend (links) mit den Mitarbeiterinnen Claire Hölig und Luisa Lehnen. | Bild: Hans-Joachim Of

Unter dem Motto "Geschichte begreifen - Demokratie erleben" will sie mit den Vereinsmitgliedern das Wirken badischer Gegner der Nationalsozialisten in den Jahren 1918 bis 1945 zeitgemäß aufarbeiten. Bisher fehlten hierfür aber noch die passenden Räumlichkeiten. Bis jetzt.

Ein Konzentrationslager zwischen Bad-Schönborn und Kronau

Denn der LZW möchte auf das Areal des Schlosses Kislau ziehen, die zwischen Bad-Schönborn und Kronau liegt. Das Besondere daran: Die Anlage, deren Ursprünge etwa auf das 11. Jahrhundert zurückgehen, war in früheren Zeiten nicht nur Kaserne, Militärhospital und Gefängnis. In den Jahren von 1933 bis 1939 wurde sie als Konzentrationslager genutzt.

Die Ursprünge der Anlage gehen bis ins 11. Jahrhundert zurück. | Bild: Hans-Joachim Of

Hunderte früherer Gegner des Nationalsozialismus wurden von 1933 bis 1939 dort festgehalten. Unter ihnen war auch der im März 1934 ermordete badische Justizminister Ludwig Marum - als Jude Dorn im Auge des NS-Regimes - der in Karlsruhe seine letzte Ruhestätte fand.

"Im badischen Teil von Baden- Württemberg gibt es bislang keine Einrichtung, die eine integrierte Schau auf die Landesgeschichte in den genannten Jahren bietet. Das möchten wir ändern", so der Verein gegenüber ka-news.de.

Lernort soll auf Wiese neben Schloss Kislau entstehen

Wie soll der Lernort nach der Eröffnung aussehen? Die Schlossanlage Kislau, die sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg befindet, ist heute eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal.

Bild: Hans-Joachim Of

Da zwei der historischen Bauten für das Projekt laut Verein nicht infrage kämen, hat das Land dem LZW ein rund 1.800 Quadratmeter großes Wiesengrundstück in unmittelbarer Nähe des Schlosskomplexes als Baugrund für die Errichtung eines Neubaus angeboten. "Dies birgt die Chance, den räumlichen Erfordernissen und dem methodisch-didaktischen Ansatz des künftigen Lernorts Kislau auf optimale Weise Rechnung zu tragen", so der Verein.

"Aus der Geschichte muss man lernen"

Vor allem Kinder und Jugendliche sollen mir dem Angebot angesprochen werden. Zugleich wolle man sowohl Geschichtsinteressierte als auch jene begeistern, die bislang nichts über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus wussten.

Das Motto des LZW-Vereins.
Das Motto des LZW-Vereins. | Bild: Hans-Joachim Of

"Aus der Geschichte muss man lernen, zumal für heutige Jugendliche die NS-Zeit im Wortsinn Geschichte bedeutet. Nur die wenigsten jungen Menschen haben noch einen persönlichen Bezug zu Zeitzeugen", erklärt Projektleiterin Andrea Hoffend. Dabei bleibe die Aufklärung über die Verbrechen der Nazi-Zeit unverzichtbar.

Bis die ersten Interessierten den Lernort Schloss Kislau betreten können, wird es aber noch eine Weile dauern. Da die finanzielle Seite "noch nicht ganz geklärt" sei, gebe es im Moment auch noch keinen Termin für einen Baubeginn. "Wir hoffen aber auf einen baldigen Beschluss", so der Verein.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (21)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   likeka
    (659 Beiträge)

    15.04.2020 16:08 Uhr
    Sehr gutes Projekt!
    hier gibt es alle weiteren Infos: Lernort Kislau

    Hoffentlich kommt der Neubau bald voran.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karl143
    (364 Beiträge)

    14.04.2020 15:44 Uhr
    Solch Thema ist immer sensibel.
    Aber bitte einen Neubau in gebührenden Abstand zu den bisher stehenden Gebäuden. Sonst wird die gesamte Ansicht zerstört. Und der Vergleich zu den US Amerikanern und ihrer Ausrottungspolitik des Indianers- warum darf die nicht beschrieben werden. Die Millionen Toten durch Stalins Gewaltherrschaft. Auch er rottete die militärische Elite Polens aus. Mao, Nordkorea, und nicht zuletzt die Türkei, wo es heute noch verboten, nur über die Ausrottung von ganzen Volksgruppen zu reden. Warum machen wir Deutschen es uns so schwer. Und ich kann nichts dafür, was die Nazis getan haben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Jossele
    (157 Beiträge)

    14.04.2020 22:12 Uhr
    Wie kommen Sie darauf?
    Es hat doch niemand behauptet, dass Sie etwas für die Verbrechen der Nazis können. Hören sie immer und überall einen Vorwurf? Kommentieren Sie grade auch jeden Artikel zu Corona mit "Und ich kann kann nichts dafür, dass eine Pandemie ausgebrochen ist"? Da sind Sie ja beschäftigt...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    14.04.2020 16:24 Uhr
    Es geht hier
    nicht um andere Länder und Ihre Taten. Es geht einzig und allein darum, was Deutschland getan hat. Es geht hier um das Schloss Kislau in Bruchsal/Deutschland und ein ehemaliges Konzentrationslager der Deutschen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   UngueltigDannZuLang
    (465 Beiträge)

    14.04.2020 14:46 Uhr
    Gute Idee
    werde ich mir bestimmt anschauen, wenn es soweit ist.

    Die Opfer haben laengst verdient, dass man sie ehrt, indem man sich an sie erinnert. Denn ohne deren Ueberzeugung koennte ich weder stolzer Deutscher noch stolzer Badener sein. Und dass man auch die Taeter und ihre barbarische Ideologie zeigt, ist fuer mich selbstverstaendlich.

    Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man dagegen mit Argumenten aus der Mottenkiste antworten kann: 'Selbsthass', 'Die Anderen erst mal', 'Zahlen vergleichen'. Es sei denn mal fuehlte sich den Taetern naeher als den Opfern und versuchte damit eine Rechtfertigung oder Relativierung. Bzw. man moechte beim Blick auf die deutsche Geschichte 1933 das Licht ausschalten und erst nach 1945 wieder an. Aber wer moechte schon so schwach sein?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Normalbuerger
    (229 Beiträge)

    14.04.2020 11:12 Uhr
    60 Millionen
    Sind da die Toten von Stalin auch dabei?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Knuter
    (79 Beiträge)

    14.04.2020 16:32 Uhr
    Hat Stalin KZs in Baden gebaut?
    siehe Titel
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Shmuel_K
    (518 Beiträge)

    14.04.2020 01:18 Uhr
    Naja
    Da finde ich die Zeit vom 11. - 16. Jhd. bei weitem interessanter, als diese 6 Jahre in der Gesamtshistorie des Schlosses.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (1700 Beiträge)

    14.04.2020 13:32 Uhr
    Typisch
    diese Reaktion. So typisch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6821 Beiträge)

    14.04.2020 10:53 Uhr
    6 Jahre - sozusagen ein Vogelschiss
    Wie auch die 12 Jahre mit 60 Millionen Toten nur ein Mückenschiss des Tausendjährigen Reichs waren...

    Unsere Meinungsfreiheit erlaubt eben auch, dass sich jeder selbst entlarvt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen