2  

Bruchsal Älter als die Rolling Stones: Starboys aus Bruchsal rocken seit fast 60 Jahren die Bühne - bis zur Rockerrente

Sie sind steinalt. Sogar älter als die Rolling Stones. Als sich die englischen Urgesteine im Jahre 1962 in London gründeten, waren die "Starboys" aus Forst bei Bruchsal bereits ein Jahr früher am Start. Während ein gewisser Bob Dylan 1961 seine Weltkarriere in Angriff nahm, fühlten sich die "Starboys" aus Forst bodenständiger und blieben stets der Region verbunden.

"Wir hatten alle unsere Wurzeln beim Musikverein Forst, trafen uns bei mir daheim in der Küche und beschlossen in der aufkommenden Beat-Ära, künftig als 'Tanz- und Showband Starboys' den Menschen Freude zu bereiten", eröffnet das noch immer aktive Gründungsmitglied Josef "Seppl" Schmidt.

Starboys Bruchsal
Bild: Hajo Of

Der heute 72-jährige, frühere Oberstudienrat am Bruchsaler Schönborn-Gymnasium, war damals zusammen mit Heinz Margrander, Günter Rudolf, Manfred Veith und Manfred Swiduruk mit einem heute nicht denkbaren Instrumentarium - drei Klarinetten, einer Posaune, einer Gitarre - angetreten. "Wir spielten zunächst deutsche Lieder wie 'Heißer Sand', 'Ich schau den weißen Wolken nach' oder auch den 'Schneewalzer'", sagt Schmidt, der heute als Frontmann den Ton angibt sowie Gitarre und Saxophon beherrscht, im Gespräch mit ka-news.de.

Der erste Auftritt ist 57 Jahre her

Der erste öffentliche Auftritt? Schmidt: "Das war eine Jugendtanzveranstaltung an einem Sonntagnachmittag des Jahres 1962 in der örtlichen Jahnhalle, zu der sogar unser Bürgermeister gekommen war." Ihre Gage? "Fünf Mark pro Mann und ein Schnitzel." Überhaupt: Die Forster Jahnhalle ist untrennbar mit dem Namen Starboys verbunden.

Dort begann die musikalische Karriere der heute ältesten Beatband in der Region. Dort feierte man legendäre, runde Geburtstage mit viel Prominenz sowie alten und neuen Fans. Die Gruppe hat sich im Laufe der Zeit natürlich verändert und trat in wechselnden Besetzungen auf, wobei neben den etwa 30 "Boys" auch mal drei "Girls" in der Formation mitmischten.

Starboys auf großer Tour? 

Ein besonderes Erlebnis aus früheren Zeiten erzählt Josef Schmidt, der von 1986 bis 1995 an der Europäischen Schule in Karlsruhe Mathematik und Physik unterrichtete, immer wieder gerne: "1965 hatten wir zwei Auftritte im legendären Karlsruher Starclub, zusammen mit der damals sehr bekannten Beatband 'Casey Jones & The Govenors', die mit dem Hit 'Dont't Ha Ha' Geschichte schrieben!" Die Starboys seien mit Beifall überschüttet worden und man bot ihnen an, für die traumhafte Monatsgage von 1.000 Mark pro Mann dort jeden Abend zu spielen sowie auf eine anschließende Starclub-Tour durch Deutschland zu gehen.

Starboys Bruchsal
Bild: Hajo Of

Vorausgegangen war ein Kapellenwettstreit in Bruchsal, den die Band gegen namhafte Konkurrenz wie "Florett" gewann. "Wir standen damals schon im Berufsleben oder haben studiert. Deshalb haben wir dankend abgelehnt", so Schmidt, der im Rückblick trotzdem von "einem Highlight im Musikerleben" spricht. "Wir hatten eine schöne Zeit, doch bereut haben wir die damalige Absage nicht. Wir haben alle beruflich Karriere gemacht!"

Über 200 Songs im Repertoire

Sein Lieblingssong? Neben zahlreichen Beatles-Stücken mag Schmidt auch "Sweet Home Alabama" von Lynyrd Skynyrd. Heute ist die Band, die in zwei Jahren tatsächlich ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum feiern darf und "weit über 200 Songs im Repertoire" hat, neben Josef Schmidt in folgender Besetzung am Start: Hans-Albert Graf, 68 Jahre alt, aus Odenheim spielt Bass, Trompete und Gitarre, war früher Postbeamter und macht "seit 55 Jahren in verschiedenen Bands" Musik.

Seine Lieblingsstücke sind "Arms Of Mary" von Sutherland Brothers and Quiver sowie "Listen To The Music" von den Doobie Brothers.

Starboys Bruchsal
Bild: Hajo Of

Alois Wiedemann (67, Architekt) aus Forst spielt Gitarre und Bass, ist seit 1970 bei den Starboys und nennt sein nicht oft gehörtes Lieblingslied: "Third Rate Romance" von Amazing Rhythm Aces.

Starboys Bruchsal
Bild: Hajo Of

Der 65-jährige Rainer Kneis aus Karlsdorf, bis vor kurzer Zeit Lehrer am Bruchsaler Gymnasium St. Paulusheim, ist der Mann an den Keyboards. Er mag "alles von den Beatles" und noch viel mehr.

Bild: Hajo Of

Karl-Heinz Epli aus Forst ist mit 62 Jahren der "Jungspund", seit knapp 30 Jahren dabei, probt mit allen anderen Starboys jede Woche im Übungsraum einer örtlichen Firma in Forst und gibt den leidenschaftlichen Drummer bei einer Kapelle, die damals auch in Konkurrenz zur "Dancing Show Band", den späteren Flippers, stand.

Starboys Bruchsal
Bild: Hajo Of

Neben "The Ballad Of John and Yoko" von den Beatles mag Epli auch Deep Purple's "Black Night".

Dass alle fünf Vollblutmusiker auch singen können, ist selbstredend. Übringens: Für zwei Tastenmänner waren die Starboys das Sprungbrett für musikalische Karrieren. Rainer Kneis griff bei den "Markees", ganz früh mit Edo Zanki im Line-up, und später auch bei der bekannten Phil Collins/Genesis-Coverband "Phil" etliche Jahre lang in die Tasten. Alfred Kritzer, der in Forst geboren wurde und heute in Mannheim lebt, setzte zum ganz großen Sprung an.

Starboys Bruchsal
Der frühere "Starboy" Alfred Kritzer, der seit 1982 bei Herbert Grönemeyer als Keyboarder in der Band spielt. | Bild: Hajo Of

Bei einer zufälligen Begegnung in Edo und Vilko Zanki's "Kangaroo-Tonstudio" in Karlsdorf lernte er Herbert Grönemeyer kennen. "Herby" holte ihn in seine Band, wo er seit 1982 als Keyboarder und Backgroundsänger bei allen Studio- und Live-Produktionen mitwirkt. "Wir haben ihm den Sprung zu Grönemeyer richtig gegönnt. Wer kann da schon nein sagen?", sagt Josef Schmidt gegenüber ka-news.de

Kritzer war zuletzt mit seinen alten Freunden beim 55-jährigen Bandjubiläum 2017 zusammen und spielte mit ihnen in der Jahnhalle Forst ein begeistert aufgenommenes Konzert - für den 60. Geburtstag der Band ist er auch wieder fest eingeplant.

Nicht dort, wo alles begann, sondern im neuen "Alex-Huber-Forum" in der Waldseehalle Forst geht nun am Samstag, 28. September, der nächste Auftritt der Starboys über die Bühne.

"Wir möchten unsere Fangemeinde wie seit Jahr und Tag mit toller Livemusik verwöhnen und durch besondere, ausgesuchte Titel aus dem gesamten Rock- und Pop-Universum für Begeisterung und Tanzvergnügen sorgen", heißt es aus dem Bandlager. Mindestens bis zum 60-jährigen Jubiläum wollen die Rocker von Starboys weitermachen - dann erst werden sie über die Rockerrente nachdenken. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (2)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   VielVorNixDahinter
    (238 Beiträge)

    26.08.2019 09:08 Uhr
    Danke für den Report
    Der Schmidt war mal mein Mathelehrer. Dass er nebenher Musiker war, wussten wir natürlich, aber dass die heute noch spielen, habe ich erst vor einem Jahr erfahren.

    Chapeau!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   redaktion
    (1173 Beiträge)

    26.08.2019 12:30 Uhr
    Immer gern...
    ...wir tun, was wir können grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.