Baden-Baden Im Rausch der Farben: "Brücke"-Künstler in Baden-Baden

Früher wollte man sie nicht sehen - heute sind sie populär: die expressionistischen Künstler der Gruppe «Brücke». Was sie noch immer modern erscheinen lässt, zeigt eine Schau in Baden-Baden.

Expressionistischer Farbrausch im herbstlichen Baden-Baden: 120 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken der Künstlergruppe «Brücke» präsentiert das Museum Frieder Burda von diesem Samstag an. Die Schau gibt Einblick in das Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Emil Nolde. Zu sehen sind hochkarätige bekannte Leihgaben von Museen wie Kirchners "Liegender blauer Akt mit Strohhut" sowie selten gezeigte Werke aus Privatbesitz wie Max Pechsteins "Gelbe Maske".

Die von Magdalena M. Moeller, der langjährigen Direktorin des Berliner "Brücke"-Museums, kuratierte Schau ist nach Angaben des Museums eine der größten Ausstellungen zur Malerei der "Brücke" in den vergangenen zehn Jahren.

Natur pur, junge Mädchen, viel nackte Haut und Großstadtszenen - die Ausstellung verfolgt die Entwicklung der Künstlergruppe von ihren wilden Anfängen im Jahr 1905 in Dresden über den Umzug nach Berlin bis hin zur Auflösung im Jahr 1913. Anfangs noch heiter und teils zum Verwechseln ähnlich in Farben und Motiven, entwickeln die Künstler zunehmend ihren eigenen Stil: So zeigen sich bei Heckel kubistische Einflüsse, Kirchner malt eher futuristisch. Dunklere Töne und ernstere Motive legen sich über die Leichtigkeit der frühen Jahre.

Die Schau beleuchtet bis zum 24. März ihre Stationen - anhand farbenfroher Landschaften, Genreszenen und doppelt bemalten Leinwänden wie dem "Pfortensteg" und umseitigem Akt. Auch Pechsteins einst aus einem Museum geraubtes und zerstörtes "Junges Mädchen" ist wieder in voller Schönheit dabei. Das Besondere bei den meisten Gemälden: Sie sind nicht unter Glas, wie viele Kostbarkeiten jener Zeit, sondern "hautnah" zu erleben. Unter welchen Bedingungen manch wilde Szene auf Leinwand gebannt wurde, dokumentiert wiederum ein riesiges Foto aus dem Atelier von Kirchner.

»Liegender blauer Akt mit Strohhut«
Personen gehen im Museum Frieder Burda an dem Werk »Liegender blauer Akt mit Strohhut« von Ernst Ludwig Kirchner vorbei. Foto: Uli Deck | Bild: dpa

Der rasche Pinselstrich der "Brücke"-Künstler stand in krassem Gegensatz zur damaligen akademischen Kunst. Ausstellungen zu ihren Lebzeiten wurden nach Publikumsprotest schon mal vorzeitig abgebrochen. Heute ist ihre Kunst nicht mehr revolutionär, dafür populär, wie die Vielzahl expressionistischer Ausstellungen zeigt. So ist eine Kirchner-Schau derzeit auch in der Bonner Bundeskunsthalle zu sehen.

Die «Brücke» gab wichtige Impulse: "Hier setzte die Moderne in Deutschland ein", sagt Kuratorin Möller. Und modern wirkt noch heute ihre einfache Formensprache. Die ist - im Gegensatz zur abstrakten Kunst - für jeden verständlich.

Sammler Frieder Burda ist durch sein Elternhaus zur Kunst gekommen. Seine Eltern sammelten früh Expressionisten. "Die Wurzeln für mein Kunstinteresse liegen also hier und in der Macht der Farbe, für die die 'Brücke'-Kunst steht", sagt er. In der Ausstellung sind zwei Werke aus seiner Sammlung zu sehen, die meisten Bilder sind Leihgaben aus dem Brücke-Museum und anderer Museen. "Hervorzuheben sind die Leihgaben aus Privatbesitz, von denen einige seit etlichen Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen waren", so Museumsdirektor Henning Schaper.

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