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Karlsruhe Umsätze der Sicherheitsbranche 2020/2021

Seit etwa 15 Jahren steigen die Umsätze in der Sicherheitsbranche kontinuierlich an. Seit 2007 haben sie sich mehr als verdoppelt. Kein Wunder, dass die Branche boomt und Ausbildungen oder Einstiegsqualifizierungen gefragt sind wie nie.

Prognose fürs aktuelle Jahr

Fürs laufende Kalenderjahr sind 9,2 Milliarden Euro Umsatz in der Sicherheitsbranche prognostiziert. Die Zahlen beruhen auf einem Branchenreport. Er schließt Detekteien, Wach- und Sicherheitsdienste ein. Unternehmen mit Kleinunternehmerregelung sind im Report nicht berücksichtigt (Beginn ab 17500 Euro Umsatz im Jahr). Im Vergleich zu 2007 liegt der Jahresumsatz damit um 4,7 Milliarden Euro höher. Quelle für die Daten ist Statista.

Die stetig steigenden Umsätze münden in Statistiken zu sinkender Kriminalität bei Eigentumsdelikten und Körperverletzungen.

Personal

Mit der Sachkundeprüfung nach § 34a der Gewerbeordnung erlangen Interessierte die Einstiegsqualifizierung für den Sicherheitsdienst. Verdienstmäßig gelten sie damit als qualifizierte Kraft im unteren Bereich. Erst mit Ausbildung oder Studium steigern sich die Gehälter, aber eben auch die Ansprüche an die Sicherheitsleute.

Die Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft wird durch die IHK geregelt und dauert drei Jahre. Ein Studium ist in verschiedenen Studienfächern möglich. Bachelor, Fachwirt oder Meister sind als Abschlüsse möglich.

Personalkosten verursachen wie überall die höchsten Kosten und entsprechend Umsätze.

Technik

Ausstattung der Einsatzkräfte, Überwachungskameras und Alarmanlagen sind ein weiterer Teilbereich der Sicherheitswirtschaft, der sich an steigenden Umsätzen erfreuen kann. Hier kommt das persönliche Sicherheitsbedürfnis zum Tragen, denn immer mehr Privathaushalte schaffen sich sicherere Schlösser, Alarmanlagen oder digitale Schließanlagen mit Überwachungsmöglichkeiten an. Übrigens fallen auch die Rauchmelder in diesen Bereich.

Einsätze und Tätigkeiten in der Sicherheitswirtschaft

Ob der KSC ein Spiel hat oder ein Rockstar singt, jede Veranstaltung benötigt ein Sicherheitskonzept und entsprechend Sicherheitsdienste.

Die Tätigkeiten in der Sicherheitsbranche reichen vom Objektschutz bis hin zum Personenschutz. Doch nicht jeder Mitarbeiter in der Branche steht an vorderster Front und wirkt deeskalierend auf gegnerische Fans ein. Technikaffine Mitarbeiter installieren Alarm- und Tresoranlagen oder Sicherheitsschlösser.

Hier arbeiten Sicherheitsleute:

Diskotheken

Veranstaltungen (Messen, Sport, Konzerte, Volksfeste)

  • Detektive
  • Geldtransporte
  • Behörden
  • Wirtschaftsunternehmen
  • Handel
  • Flüchtlingsunterkünfte
  • Öffentliche Verkehrsmittel

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft hat weitere Zahlen und Fakten zu dem Thema bereitgestellt.

Sicherheitsbranche als berufliche Perspektive

Viele junge Menschen haben den Polizeidienst als ersten Berufswunsch, scheitern aber an den hohen Zugangsvoraussetzungen. Für sie bildet die Sicherheitsbranche eine gute Alternative. Natürlich sind die beiden Berufsbilder nicht identisch, doch viele Tätigkeiten überschneiden sich. Wer sich auf den Personenschutz spezialisiert oder Detektiv wird, kommt dem ursprünglichen Traumberuf schon sehr nahe. Auch die persönlichen Voraussetzungen für die Berufe sind sehr ähnlich. Neben einer hohen Belastbarkeit, sind Kommunikationsfähigkeit, Besonnenheit und Reaktionsschnelle gefragt. Trotz Gefahrenlagen soll die größtmögliche Sicherheit gewährt werden. Das gelingt nur, wenn die Einsatzkräfte zwar mutig, aber nicht risikobereit sind.

Die Arbeitszeiten in der Sicherheitsbranche gelten als Killer des eigenen sozialen Umfelds, was aber oft nur oberflächlich betrachtet wird. Als Sicherheitsdienst in Behörden sind keine Abend- oder Wochenendeinsätze nötig und Sportfans, die bei ihrem eigenen Verein als Ordner arbeiten dürfen, sehen dies meist als Vergnügen und nicht als Pflicht.

Bundesweit gibt es etwa Zehntausend offene Stellen für Sicherheitskräfte. Die Chancen dort einen Job zu finden stehen also gut. Der Verdienst variiert sehr stark, es gibt aber auch branchenspezifische Tarifverträge. Eine übertarifliche Bezahlung ist in der Rekrutierung von Mitarbeitern aber oft das Überzeugende Element in Stellenausschreibungen.

Je nachdem ob nach der Sachkundeprüfung weitere Qualifikationen erfolgen, sind die Einsatzgebiete sehr vielseitig. Vor allem, wenn die familiäre Situation sich ändert oder sich aufgrund von Alter oder Krankheit Einschränkungen ergeben, zahlen sich höhere Qualifikationen aus, die es erlauben, vom Schreibtisch aus an Sicherheitskonzepten zu arbeiten oder in Leitstellen den Revierdienst zu übernehmen.

Sachkundeprüfung – kein Kinderspiel!

Die Sachkundeprüfungen werden regelmäßig von den Industrie- und Handelskammern angeboten. Bildungsanbieter bereiten in Vorbereitungskursen auf die Prüfung vor, es ist jedoch nicht Pflicht, so ein Seminar zu besuchen.

Inhaltlich ist die Prüfung sehr anspruchsvoll. Unvorbereitet besteht sie wohl kaum Jemand. Die Fragen drehen sich um Recht und Gesetz, Kommunikation und Umgang mit Menschen, Waffenkunde und andere Themen. Je nach Thema werden den Antworten die Punktzahlen zugeordnet. Daran ist erkennbar, welche Inhalte als besonders wichtig gelten.

Abgesehen von den hohen fachlichen Anforderungen, scheitern auch viele an der Prüfung, weil die Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Zwar sind fremdsprachige Sicherheitsmitarbeiter in den Unternehmen gern gesehen, zumal die Welt immer multikultureller wird. Doch die Prüfung kann nur auf Deutsch absolviert werden und die Gesetzestexte im Juristendeutsch sind für viele Nichtmuttersprachler zu schwer zu verstehen.

Die Prüfung läuft in zwei Teilprüfungen ab. Der Vorteil: wiederholt werden muss nur der Teil, der nicht bestanden wurde.

Um die Prüfung ablegen zu dürfen, muss ein eintragsfreies Führungszeugnis vorliegen und die IHK die Zulassung erteilen.

Die Kehrseite des Booms

Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, doch gerade in der Sicherheitsbranche leidet das Geschäft auch, durch den Boom. Das Entstehen zahlreicher neuer Sicherheitsfirmen hat für einen Preisverfall gesorgt. Behörden engagieren private Sicherheitsdienste zum Schutz der Mitarbeiter. Nach Angriffen auf Jobcenter- und Finanzamtsmitarbeitern wurde dies als Lösung gesehen. Gerade die Ausschreibungen jedoch befeuern das Preisdumping zusätzlich, denn die Vergabe wird meist nur über den Preis entschieden. Private Haushalte legen ihr Augenmerk zwar auf ein gutes Preis- und Leistungsverhältnis, doch oft genug sind die Preise das ausschlaggebende Argument. Das ständige Unterbieten, um Kunden zu gewinnen, führt natürlich auch zu Qualitätseinbußen, was wiederum das Image der gesamten Branche schwächt.

Zudem gibt es vereinzelte Meldungen über die Tendenz, dass Rechte die Branche dominieren. Dies trifft für einen kleinen Bereich möglicherweise zu, ist aber nicht die Regel. Doch die Medienwirkung ist groß und aus Einzelfällen wurde prompt die Norm hergeleitet.

Besonders als die Zahl der Mitarbeiter zur Bewachung von Flüchtlingsunterkünften stark anstieg, wurden aufgrund der großen Personalnachfrage, die Sachkundenachweise gefälscht. Das führte dazu, dass Personen im Sicherheitsdienst arbeiteten, die gar keine Unterrichtung oder Sachkundeprüfung hatten. Seit Jahren sind mehrere tausend Stellen unbesetzt, das spüren vor allem die Mitarbeiter, die das fehlende Personal ersetzen müssen.

Fazit: Die Umsätze in der Sicherheitsbranche steigen seit Jahren. Der Boom der Branche hat auch Schattenseiten und als Kunde ist es gut, Unternehmen und Qualifikationen zu hinterfragen. Die Pandemie hat zwar dazu geführt, dass einige Einsatzgebiete komplett weggebrochen sind (Veranstaltungen), dafür wurden Sicherheitskräfte für die Einhaltung von Abständen und Coronaregeln oder in Impfzentren eingesetzt.

 

 

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