Karlsruhe Transformation in der Mediennutzung – nur wegen Corona?

Corona hat unser Leben inzwischen vollkommen auf den Kopf gestellt, sodass frühere Selbstverständlichkeiten teilweise zum No-Go geworden sind. Stattdessen bewegen wir uns in Welten, die Anfang des Jahres noch undenkbar waren. Videoschalten, Homeschooling und Streaming treten anstelle von Konferenzen, Schule und Kino: Unsere analoge Welt wird zunehmend digital. Es ist auch längst kein Geheimnis mehr, wer die großen Profiteure dieser Pandemie sind. Amazon, Netflix & Co. kennt inzwischen fast jeder und macht sich natürlich seine Gedanken, wie er sein Leben unter den neuen Gegebenheiten am besten organisieren kann.

Streamingdienste revolutionieren die Mediennutzung

Auch, wenn das gute alte Öffentlich-rechtliche-Fernsehen inzwischen auch digitale Formate anbietet und noch weitere digitale Kanäle nutzt – es bleibt letzten Endes linear: Ein geplantes Programm, das wir uns ansehen können oder nicht – bezahlen müssen wir es in den allermeisten Fällen. Das kann man aus politischen Gründen befürworten oder kritisieren, doch technisch gesehen ist es eine Welt von Gestern, insbesondere was die Unterhaltung anbetrifft. Streamingdienste wie Netflix und digitale Gaming-Portale machen vor, wie die Unterhaltung der Zukunft aussieht. Zudem nahm die Zahl der aktiven Fernsehzuschauer auch vor Corona schon kontinuierlich ab. Einige prophezeien sogar das Ende des linearen Fernsehens, wie wir es heute kennen innerhalb einer Dekade. Ob es tatsächlich so schnell gehen wird, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen, doch vieles spricht dafür. Beispielsweise die explosionsartige Zunahme von Netflix- und Amazon-Prime-Abonnements seit Beginn der Corona-Pandemie. Sie wirkt in gewisser Hinsicht wie ein Brandbeschleuniger für das Ende des ÖRR.

Die Veränderungen im Nutzungsverhalten digitaler Medien und Online-Angebote hat sich nunmehr komplett verändert. Es findet ein epochaler Generationswechsel bei den Nutzern statt. Die X-, Y- und Z-Generationen bestimmen zunehmend das mediale Nutzungsverhalten und damit auch das Angebot. Filme und Videos werden überall und auf allen Geräten angeschaut: PCs, Notebooks, Tablets, Handys. Die Krux: Digitale Angebote werden immer mehr genutzt, obwohl die Netzinfrastruktur in vielen Bereichen und Regionen mehr als zu wünschen übrig lässt. Das gilt sowohl für das Festnetz als auch für die Mobilfunknetze. Egal, wie und wo wir auf mediale Angebote zugreifen: Um sie sinnvoll nutzen zu können brauchen wir große Bandbreiten und deutlich mehr Datenvolumen.

Taugen alte Handyverträge überhaupt noch für Streaming & Co.?

Viele überdenken daher ihre aktuellen Handy-Verträge und fragen sich, ob diese für künftige Anforderungen überhaupt noch ausreichen. Schnelles mobiles Internet in einer Welt ohne 5G ist zum Teil richtig teuer. Viele stellen gerade jetzt fest, dass ihr Vertrag kaum noch zu ihrem geänderten Nutzungsverhalten passt. Denn, weder die Übertragungsgeschwindigkeit entspricht aktuellen Anforderungen noch das monatlich gebuchte Datenvolumen. Davon abgesehen stellt Videostreaming auch deutlich höhere Anforderungen an die Hardware. Mobilgeräte mit kleinem Speicher und langsamem Prozessor machen schnell schlapp. Vielleicht noch nicht, wenn eine Videokonferenz über Zoom als einzelne App läuft. Laufen allerdings noch ein paar andere Apps parallel oder im Hintergrund ist schnell Schicht im Schacht.

Was brauche ich eigentlich, um die neuen Angebote nutzen zu können?

Um herauszufinden, was neue Handyverträge so alles beinhalten, wie die angebotenen Smartphones und Tablets inzwischen technisch ausgestattet sind und was Verträge so kosten, besuchen viele Nutzer zunächst Vergleichsportale wie Preis24. Dort navigieren sie dann zu Rubriken wie Mega-Deals oder Angebote und finden Angaben zu Geräten, Übertragungsgeschwindigkeiten und Datenvolumen. Eine recht verbreitete Vorgehensweise, um sich zu orientieren. Leider stellen die wenigsten sich zuvor die wirklich entscheidenden Fragen: Was sie mit ihrem Vertrag oder Gerät machen wollen und welche Anforderungen das Mobilgerät erfüllen sollte. Eine Art Checkliste wäre hier hilfreich. Das schnellste Handy hat nicht zwingend einen leistungsstarken Akku und umgekehrt. Wenn ich häufig Filme über Amazon Prime Video oder Netflix streame, brauche ich drei Dinge: hohe Übertragungsraten, viel Speicher und natürlich einen starken Akku. Denn was nützt es, wenn nach dem Ansehen eines Films der Akku schon wieder leer ist und das Handy aufgeladen werden muss?

Kosten für Mediennutzung senken. Aber nicht illegal

Nicht nur höhere Anforderungen an Handys und Verträge mit mehr Datenvolumen und Speed umtreiben die Nutzer. Viele fragen sich auch, wie sie die Kosten für die Mediennutzung im Griff behalten. Immer mehr Nutzer kommen daher auf die Idee des Sharings von Zugangsdaten. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn die Überlassung von Nutzernamen und Kennwörtern an Dritte widerspricht den Allgemeinen Geschäftsbedingung der Anbieter und kann einen Nutzungsausschluss zur Folge haben. Dabei gibt es eine andere, völlig legale Möglichkeit, um Medieninhalte gemeinsam mit anderen zu streamen. Fast alle großen Anbieter von Videodiensten wie Amazon, Netflix oder Sky bieten inzwischen Accounts für die parallele Nutzung an. Ähnliche Angebote sind auch bei Musikstreamingdiensten von Apple, Google und Spotify zu finden. Es lohnt sich also definitiv nicht, in die „Illegalität“ abzutauchen, um Geld zu sparen. Irgendwann fliegt das auf und der Zugang zum Account ist gesperrt, wenn nicht gar Schlimmeres droht wie beispielsweise Schadenersatzansprüche.

Fazit

Das Nutzungsverhalten wird sich in den nächsten Jahren weiter rasant verändern. Neue Dienste werden entstehen und der Markt dürfte noch unübersichtlicher werden. Digitalisierung ist längst keine private Veranstaltung mehr, sondern wird von Staaten und supranationalen Staatenverbünden wie der EU massiv vorangetrieben. Was uns heute als Corona-Schock in Erinnerung bleiben wird, ist nicht die Ursache für diese Transformation, sondern ein Beschleuniger. Alle Lebensbereiche werden betroffen sein: Arbeit, Freizeit, Familie und zwischenmenschliche Beziehungen. Im Bereich von Information und Unterhaltung stehen beim ÖRR die größten Umwälzungen bevor, denn die Akzeptanz von kostenpflichtigen Angeboten, die immer weniger genutzt werden, wird weiter sinken.

 

 

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