Wer in Aktien investiert, oder in Aktien investieren möchte, der bleibt am besten informiert über Trends und Bewegungen, die den Kurs des eigenen Portfolios beeinträchtigen könnte. Zu den Umständen, die Aktienpreise zum schwanken bringen können, gehören natürlich nicht nur wirtschaftliche Ereignisse, sondern auch politische. Das jüngste Beispiel dafür ist der klar erkennbare Aufschwung, den die deutsche Börse nach dem Wahlerfolg der SPD verzeichnen konnte.

Börse und Politik - wie hängt das überhaupt zusammen?

Der Zusammenhang zwischen der Politik und Entwicklungen am Aktienmarkt sind nicht immer so transparent, wie man es gerne hätte. Entscheidungen in der Politik brauchen manchmal mehrere Wochen, bis sie einen Effekt auf einen bestimmten Aktienkurs haben, in anderen Situationen können sie innerhalb von Stunden zu einem rapiden Einsturz oder Aufschwung führen. Ein Beispiel für einen hochsensiblen Bereich, in denen Politik und Wirtschaft eng miteinander verwoben sind, ist im internationalen Handel und Warenverkehr. Politische Engpässe und Reibungen zwischen verschiedenen Nationalstaaten haben schon zu einigen schweren Umbrüchen an den Märkten geführt. Das jüngste Beispiel für diesen Effekt findet sich in den aktuellen Unstimmigkeiten zwischen Frankreich und den USA, denen eine geplatzte U Boot Lieferung zuvorkam. Embargos und Zölle gegen amerikanische Güter in Frankreich können in den kommenden Monaten dazu führen, dass Börsenwerten in vollkommen anderen Industriebereichen negativ tangiert werden. Selbst die feinsten Unstimmigkeiten können enorme Effekte auf bestimmte Kurse haben.

Positive Reaktion auf den Sieg der SPD

Der positive Aufschwung am DAX, der nach dem Wahlsieg der SPD klar zu verzeichnen war, lässt keine Fragen offen, welche Partei von den Märkten vorgezogen wurde. Das Plus, dass nach dem Sieg von Olaf Scholz und seiner Partei angezeigt wurde, lässt keine Zweifel. Doch bedeutet das nun, dass der Aktienmarkt zufriedener mit einer SPD Regierung ist, als mit der CDU? Knapp gesagt: nein. Analysten und Expertinnen zufolge hat der positive Aufschwung weniger mit Olaf Scholz oder den anderen Führungsfiguren der SPD zu tun, als mit dem Umstand dass die Märkte oft positiv auf Veränderungen reagieren. Nach fast zwei Jahrzehnten Merkel Regierung reagiert der Markt schlicht und einfach auf die frische Brise in der Regierung. Hinzu kommt, dass mit der angekündigten Koalition vornehmlich moderate Parteien an die Macht kommen, die höchstwahrscheinlich keine großen Schäden an den Märkten anrichten werden.

Gutes Timing für Aktienkäufe?

Natürlich stellt sich nach dem Aufschwung in Folge des Wahlsiegs der SPD für viele Käuferinnen und Käufer die Frage, ob sie jetzt einkaufen sollen. In der Tat können die Zeiträume nach Wahlen und anderen politischen Umwälzungen ein perfekter Zeitpunkt sein, um Aktien zu kaufen. In Deutschland wird der DAX mit Sicherheit auf die Koalitionsgespräche und deren Ergebnisse reagieren, weshalb es sich durchaus lohnen kann, diese im Blickfeld zu behalten. Hinzu kommt, das bestimmte Industriezweige oder sogar einzelne Unternehmen von den jeweiligen Entscheidungen der Regierung profitieren können. Sollte zum Beispiel die Solarenergie stärker unter einer neuen Regierung ausgebaut werden, werden Konzerne und Unternehmen die in dieser Industrie arbeiten direkt profitieren können. Wer sich also die Zeit nimmt, um die Haltung zu Solarenergie unter potenziellen Wahlteinehmern zu recherchieren, der kann schnell und profitabel auf ein Ergebnis an der Urne reagieren. Trotzdem soll das nicht heissen, dass Käufe direkt nach Wahlen unbedingt immer zu Profiten führen, und jeder Kauf an den Märkten sollte wohl bedacht sein.

Aufschwung unter der SPD?

Dass der Aktienmarkt so gut auf die SPD reagiert hat, ist wohl vor allem der Tatsache geschuldet, dass moderate Kräfte gewonnen haben, und eine kleine Prise der Veränderung oft Wunder wirken kann, wenn es um die Märkte geht. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es jetzt zu einem wirtschaftlichen Aufschwung durch die SPD kommen wird. Wie sich die Wirtschaft unter Führung von Olaf Scholz entwickeln wird, wird sich noch zeigen.