Düsseldorf Experiment im Sand: «Mehr Chance als Risiko»

Auch die Beachvolleyballer waren wegen Corona abgetaucht. Jetzt erwacht die Sportart mit einer völlig neuen Wettkampfform. Die privaten Veranstalter sehen mehr Chancen als Risiken. Und Düsseldorf könnte auch zum Signal für Stars der Szene werden, die noch fehlen.

Es wird endlich wieder gebaggert und gepritscht in Deutschland - und auch die traditionellen deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand mit allen Sand-Stars könnten tatsächlich noch stattfinden.

«Tatsächlich habe ich mir große Sorgen um den Sport gemacht», erklärte Nationalspielerin Victoria Bieneck, als wegen der Corona-Pandemie auch der Beachvolleyball weltweit zum Erliegen kam.

Die im hessischen Schweinsberg aufgewachsene deutsche Meisterin von 2018 half in der langen Pause im forstwirtschaftlichen Betrieb ihres Vaters beim Pflanzen von Bäumen, «einfach um etwas Sinnvolles zu tun». Jetzt kehrt Bieneck in den Sand zurück, mit ihrer Partnerin Isabel Schneider bestreitet sie am Samstag (12.00 Uhr/twitch) in Düsseldorf das Auftaktspiel der neu gegründeten Beach-Liga.

Die von den Beach-Profis Alexander Walkenhorst (Essen) und Daniel Wernitz (Dormagen) sowie dem Marketing-Experten Constantin Adam (Stuttgart) initiierte Spielform ist nicht nur durch die Bedingungen in der Corona-Krise ein Experiment. Auf zwei Courts auf dem Gelände der Merkur-Spiel-Arena stehen sich je acht Frauen- und Männerteams über 30 Tage gegenüber, danach geht es in Final Fours um die Liga-Sieger - eine völlig neue Wettkampfform für Beachvolleyball.

«Ich haben großen Respekt vor der Vielzahl der Spiele», erklärte Karla Borger aus Stuttgart. Die Vizeweltmeisterin von 2013 und aktuelle deutsche Meisterin hatte nach der Absage quasi aller Saison-Highlights wie ihre Mitstreiter das Trainingspensum heruntergeschraubt. «Ich bin nicht hundertprozentig vorbereitet. Es ist natürlich kein Olympia. Aber endlich wieder Spielpraxis zu bekommen, ist genial», sagte die 31 Jahre alte Borger, die mit Blocktalent Svenja Müller startet. Ihre Stammpartnerin Julia Sude konzentriert sich derzeit auf ihr Zahnmedizin-Studium. Die 19-jährige Müller hat gerade ihre Abiturprüfungen abgelegt.

Unter Corona-Bedingungen wird der Beach-Restart natürlich völlig anders ausfallen als gewohnt. Fans sind ausgeschlossen, auf dem Wettkampfgelände ist nur eine beschränkte Anzahl an Personen erlaubt. Alle Teilnehmer bewegen sich nur zwischen Hotel und den Courts, werden regelmäßig auf das Corona-Virus getestet. Die Suche nach Sponsoren war nicht einfach. Allein die Kosten für die Tests belaufen sich auf 20.000 bis 30.000 Euro.

Prämien für die 16 Teams können nur gezahlt werden, wenn die Vermarktung der Live-Bilder entsprechende Einnahmen bringt. Alle Spieler sind über den Streaming-Kanal twitch kostenlos zu sehen, es können aber Spenden überwiesen werden. Zudem sind Wettanbieter an Livesport derzeit natürlich stark interessiert.

«Ich sehe vielmehr Chance als Risiko», äußerte sich Mitorganisator Walkenhorst, der zugleich als Spieler antritt, optimistisch. Seine bekanntere Schwester Kira, zusammen mit Laura Ludwig Olympiasiegerin und Weltmeisterin, hat ihr angekündigtes Comeback wegen der Corona-Pause verschoben und verzichtet wie weitere Spitzenkräfte auf die Beach-Liga. Allerdings könnte Düsseldorf durchaus ein Signal setzen. Der Deutschen Volleyball-Verband überlegt, eine Qualifikation für die Anfang September vorgesehenen Meisterschaften in ähnlicher Form auszutragen - womöglich sogar auf derselben Spielstätte.

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