Karlsruhe KFV trauert um Ex-Nationalspieler Kurt "Kaddel" Ehrmann

Der Karlsruher Fußballverein trauert um Kurt "Kaddel" Ehrmann. Bereits vergangenen Freitag verstarb der Ex-Nationalspieler, Olympiateilnehmer und Ehrenspielführer des KFV im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe. Das teilt der Karlsruher Fußballverein in einer Pressemitteilung mit. Ein Nachruf des Vereins.

Der spätere Stürmer wuchs in der Karlsruher Oststadt auf, wo er bereits in jungen Jahren hart an seinen fußballerischen Fähigkeiten arbeitete. Kurt Ehrmann spielte zunächst in der Jugend der Frankonia Karlsruhe, ehe er am 2. Dezember 1940 zum Wehrdienst eingezogen wurde.

Selbst im Krieg noch Fußball

Von 1942 bis 1944 spielte er bei der Post SG Danzig, im Sportbereich 19, Danzig-Westpreußen. Nach seiner Rückkehr nach Karlsruhe, 1946, die unter wesentlicher Mithilfe des Karlsruher Fußballvereins (KFV) stattgefunden hatte, schloss er sich dessen Mannschaft an. Mit dem KFV spielte er in der Oberliga Süd, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Mit der 1951 errungenen nordbadischen Vizemeisterschaft qualifizierte sich Ehrmann mit den Rot-Schwarzen für die erstmalig ausgetragene deutsche Amateurmeisterschaft. Erst im Finale mussten sich die Karlsruher mit dem herausragenden Ehrmann in den Reihen dem ATSV Bremen 1860, vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion, geschlagen geben.

Aufgrund seiner herausragenden Leistungen nominierte ihn Bundestrainer Sepp Herberger für das Fußballturnier der olympischen Sommerspiele 1952 in Helsinki. Im Vorfeld der Spiele absolvierte Ehrmann am 20. April 1952 ein A-Länderspiel gegen Luxemburg (3:0), an der Seite der späteren 1954er Weltmeister Berni Klodt, Jupp Posipal und Hans Bauer sowie dem Kölner Georg Stollenwerk, Defensivkraft der WM 1958.

Im Olympiaturnier kam Ehrmann gegen Jugoslawien und Schweden zum Einsatz und erreichte mit der DFB-Elf den vierten Platz. Olympiasieger wurde die "Goldene Elf" aus Ungarn mit Ferenc Puskás, von dessen Schusskraft Ehrmann noch Jahrzehnte später schwärmte.

Nach den Olympischen Spielen lagen Kurt Ehrmann Angebote von Holstein Kiel, Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, den Stuttgarter Kickers und dem Freiburger FC vor. Kurt Ehrmann, der seit dem 30. Januar 1951 mit seiner aus Durlach stammenden Frau verheiratet, Familienvater und Angestellter der Landesversicherungsanstalt Baden in Karlsruhe war, blieb Karlsruhe und dem KFV treu.

Vom Spieler zum Trainer

Am 30. Mai 1953 absolvierte Kurt Ehrmann erfolgreich seine Prüfung zum Fußballlehrer unter der Aufsicht von Sepp Herberger und Hennes Weisweiler in der Sportschule Schöneck. Nach seiner aktiven Zeit trainierte Ehrmann noch zahlreiche Vereine im Karlsruhe Amateursport. Der Nachhall seiner Karriere war so groß, dass er selbst aus Südamerika Autogrammanfragen erhielt. Legendär war sein Fußballhobbykeller, der gefühlt mehr Fussballmemorabilia pro Quadratmeter umfasste als das DFB-Archiv.

Fesselnd und leidenschaftlich waren seine Geschichten über die fußballerische Vergangenheit, die er gebannt mit eisblau leuchtenden Augen ohne Pause wiedergab. "Ich habe im Fußball sehr viele schöne Stunden erlebt" war einer der Lieblingssätze des Karlsruher Originals, der noch bis zu seinem Tod die Heimspiele seines KFV besuchte. Legendär war sein trockener Humor; so scherzte er einst über Ludwig Damminger, einem Nationalspieler der 1930er Jahre: "Er war ein guter Nationalspieler gewesen, aber eben doch ein Pfälzer."

"Derjenige, der vorhersieht, der spielt besser."

Der jungen KFVMannschaft lehrte er die Philosophie die er einst selbst lernte: "Derjenige, der vorhersieht, der spielt besser." Mit schelmischen Vergnügen sprach er von etlichen Spielsituationen in denen er den "Goalmann" der gegnerischen Mannschaft hereinlegte. Der Kölner Stadtanzeiger, Deutschlands größte Regionalzeitung, ehrte Ehrmann im Mai 2013 mit einem achtseitigen Bericht in dessen Wochenendeausgabe.

Einen letzten großen Auftritt hatte Ehrmann am 1. Juni 2013, im Rahmen des vom KFV initiierten "Karlsruher Fußballtraditionstages". Beim Spiel zwischen der prominent verstärkten KFV-Elf und der Auswahl einer Faninitiative des 1. FC Lokomotive Leipzig, führte der beliebte Altnationalspieler den Ehrenanstoß aus. Der älteste noch lebende Nationalspieler starb am Freitag, den 2. August in Karlsruhe. Der KFV wird seinem Nationalspieler ein ehrendes Andenken bewahren.

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