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Was passiert mit Edmund Becker?

Nein, sofern man nicht über die Hemmungslosigkeit des Boulevardjournalismus verfügt, tut man sich in der Frage der Verantwortlichkeit für den sportlichen Erfolg oder Misserfolg einer Fußballmannschaft sehr, sehr schwer. Denn jenen Generalschlüssel gibt es einfach nicht, ja kann es nicht geben.

In der Regel weicht man als einfacher Zuschauer, Journalist oder Funktionär auf die einfachste Lösung aus und richtet den Fokus auf jenen Mann, der mit der Mannschaft tagtäglich auf dem Platz zu tun hat, die Hauptverantwortung dafür trägt, dass sie aus eben jenen Einzelspielern zusammengestellt ist und schließlich über die Fähigkeit verfügen muss, aus dieser Gruppe junger Männer nach deren Fähigkeiten das bestmögliche Zusammenspiel herauszuholen – also auf den Chef-Trainer.

Ist dies nicht der Fall und genügt der Kader nicht den eigentlichen Erfordernissen, so ist von ihm ohne weiteres zu erwarten, dass er diese Bestandsaufnahme zeitig kundgibt und der Öffentlichkeit sowie seinen Vorgesetzten die erwartbaren Erfolgsmöglichkeiten mitteilt. Wenn er zu dem Entschluss kommt, dies nicht öffentlich verlautbaren zu können, um die Akteure nicht noch weiter zu verunsichern, dann muss er es zumindest intern seinen Vorgesetzten mitteilen. In der letzten Konsequenz ist es so, dass der Trainer bei einem zu weiten Auseinanderklaffen von Realismus und Wunschdenken für sich die Reißleine zieht und ehrlicherweise rechtzeitig den Verein verlässt. Ebenso kann ein Trainer gehen, wenn er zu der Überzeugung gelangt ist, dass er mit dieser an und für sich den Ansprüchen genügenden Mannschaft nicht mehr so zusammenarbeiten kann, dass sie ihre Möglichkeiten ausreichend ausschöpft, oder er von außen derart in seiner Arbeit gestört wird, dass er seine Vorstellungen nicht genügend umsetzen kann.

Nicht nur die Entscheidung des Trainers

Bei all diesen Wahlmöglichkeiten kann ihm nun auch das Präsidium zuvorkommen und so schnell wie möglich mit einem neuen Trainer versuchen, die Grundvoraussetzungen für maximalen sportlichen Erfolg zu verbessern. Dies ist der Fall, wenn die Entscheidungsträger grundsätzlich der Auffassung sind, dass ihr Trainer an diesem Platz kurz- bis mittelfristig keinen Erfolg haben wird und schlicht nicht die Geduld aufbringen können oder wollen, ihm mittels einer Generalüberholung des Spielerkaders in der kommenden Saison, notfalls auch in einer anderen Liga, die Gelegenheit zum Weiterarbeiten zu gestatten. Dies, zweifellos, ist die übliche Verfahrensweise, wenn es um die Handhabung von sportlichem Misserfolg geht.

Es sind Fehler gemacht worden

Auf den KSC bezogen sind nun einige Beobachtungen und Schlüsse möglich. Edmund Becker hat unter anderem gezeigt, dass er auch mit einem durchschnittlichen Kader Überdurchschnittliches leisten kann. Zudem hat er als langjähriger Angestellter das absolute Gespür dafür, was und mit welchen Mitteln der Verein erreichen zu leisten imstande ist. Er ist ein guter Trainer für den KSC. Dies gilt auch, obwohl er Fehler gemacht hat. So ist es ihm – bereits ausgehend von der letzten Spielzeit – nicht gelungen, den kleinsten Kader der Bundesliga soweit bei Lust und Laune zu halten, dass sich keiner überflüssig oder perspektivlos vorkommt. Denn es ist nicht nur Stefan Buck, der so rasch wie möglich das Weite suchen will, sondern sehen noch weitere Spieler keine Zukunft in Karlsruhe.

Auch ist es ihm nicht gelungen, die notwendige Flexibilität zu zeigen, um auf Veränderungen angemessen reagieren zu können. Zu sehr ist die Mannschaft in ein bestimmtes Spielschema gepresst, das weder den Gegner noch die eigenen Spieler noch überraschen kann. Dies ist fatal. Denn, wenn man schon einen Kader zur Verfügung hat, der in der individuellen Klasse limitiert ist, dann muss man die Kreativität besitzen, diese Schwächen kompensieren zu können. Notfalls auch mit Mitteln, die der eigenen Philosophie entgegenstehen.

Was nun?

Die entscheidende Denkpause für alle Beteiligten wird nun mit der Winterpause anstehen. Der Trainer ist – gerade beim KSC, der finanziell nicht die Möglichkeiten für raumgreifende Veränderungen im Spielerkader hat – die Sollbruchstelle des Vereins. Selbst bei einer Fortsetzung der Talfahrt kann er mit Becker auch künftig zusammenarbeiten und mit ihm, ohne schlechtes Gewissen, im Sommer einen Neuanfang wagen. Oder er entscheidet sich für eine sofortige Kehrtwende und versucht mit einem neuen Trainer, aus einem derzeit überfordert wirkenden Kader noch das Beste herauszuholen. Man darf gespannt sein.

Der Autor ist Herausgeber und Chefredakteur von "Auf, Ihr Helden! Magazin für Fußballzeitgeschichten". Die aktuelle Ausgabe erscheint am Samstag, 6. Dezember. Dreisigackers KSC-Kolumne "Nachspielzeit" erscheint ab sofort immer dienstags nach Bundesliga-Spieltagen bei ka-news.de.
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