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Mit der Schrotflinte – Paul Metzger unter Beschuss

Dass ein Machtwechsel an der Führungsspitze des Karlsruher SC zu Gunsten Paul Metzgers nicht geräuschlos verlaufen würde, war abzusehen. Aber dass der Brettener, ohne auch nur kaum auf seinem neuen Sessel Platz genommen zu haben, gleich derartig unter Beschuss genommen würde, überrascht denn doch. So muss sich der neue Präsident gleich nach der ersten Woche einer solchen Vielzahl von Vorwürfen stellen, als habe jemand eine Schrotflinte genommen und einfach abgedrückt.

Reihenweise fliegen Metzger seither die Kugeln um die Ohren. Und es ist ausnahmsweise nicht weit hergeholt, wenn man bei jenen, die den Abzug betätigten, mehr als nur sinnbildlich den sprichwörtlichen "Schaum vor dem Mund" erkennen kann. Hierbei kommt man um den Eindruck nicht herum, dass Metzger gezielt als ein Mann diskreditiert werden soll, der den Ansprüchen eines Präsidentenamtes nicht nur nicht gewachsen sei, sondern mit seiner Person den Klub vor aller Öffentlichkeit sogar blamiere. Zum Beispiel mit dem Singen des Badnerliedes vor laufender TV-Kamera anlässlich des Bielefeld-Spiels. Gewiss, darüber ließe sich zwar bei Langeweile ein oder zwei Minuten lang diskutieren. Doch Metzgers Leidenschaft sogleich derart zu missbrauchen, ist doch nur allzu billig.

Macht der Neue denn gleich alles falsch?

Generell steckt Metzger in einer "absolut unbefriedigenden Situation", da er ohne seine noch zu wählenden Vizepräsidenten "ganz alleine schwimmen muss und nur sondieren kann", wie er im Gespräch gesteht. Tagtäglich ist er zur Zeit zehn Stunden für und beim KSC aktiv, um sich ein Bild zu machen und erste Dinge anzuschieben. So sind auch die Sondierungsgespräche mit dem Rechtehändler Michael Kölmel zu verstehen, die bei Kritikern ebenfalls für Entrüstung sorgten. Teile des Verwaltungsrates und des Vorgängerpräsidiums sähen es nämlich lieber, wenn sich der Verein unter Ausschöpfung aller möglichen juristischen Winkelzüge seiner über viele Jahre nie angezweifelten Schuld zu entziehen versuchte.

Metzger selbst ist bestürzt darüber, dass ihm nun Alleingänge und übereilte Weichenstellungen vorgeworfen werden – "Ich sehe es als meine Stärke an, mir quasi als nicht vorbelasteter und unvoreingenommener Außenstehender ein Bild machen und abwägen zu können." Und selbstverständlich, so sagt er, würden die Verwaltungsräte ernstgenommen und Entscheidungen zu gegebener Zeit letztlich in die Strukturen der Vereinsgremien eingebettet werden. Für den Betrachter wirken die Anschuldigungen mangelnder Kommunikation ohnehin grotesk, da Metzger nun in sieben Tagen mit einer Vollkommenheit Kontakte pflegen soll, die das Vorgängerpräsidium in sieben Jahren nicht schaffte.

Auch wird ihm noch immer die die Anzeigenaktion vorgeworfen, mit der Metzger-Sympathisanten als neue Mitglieder gewonnen werden sollten. Metzger möchte nun den Vorwürfen auf den Grund gehen und sich die Mitgliederlisten zeigen lassen. Dass sich hierbei eine wahlentscheidende Flut von Neumitgliedern aus dem Brettener Raum ergeben wird, ist aber nicht sehr wahrscheinlich.

Bis zur Unkenntlichkeit

Ein weiterer Vorwurf zielt weit über fachliche Gründe hinaus. Bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung wurden Gerüchte lanciert, dass Metzger öfters durstiger sei, als es gut wäre. Den Höhepunkt dieser Kampagne stellten dann Medienberichte dar, in denen ihm dieser Durst sogar für die Mitgliederversammlung unterstellt wurde. Zugegeben, Metzgers bisweilen erratische Formulierungen gaben im Auditorium durchaus Anlass zur Besorgnis.

Doch hätte es keiner großen Nachfragekunst bedurft, um Zweifel an Metzgers klarem Sinn zu zerstreuen. Unter anderem sprechen Zeugen davon, dass der nüchterne, aber sehr aufgeregte Politiker vor seinem Auftritt das Redemanuskript ausdauernd und bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet habe. Dass hierdurch ein Auftritt herauskam, den man "suboptimal" nennen kann, ist verständlich.

Lügen und Fragen

Weitaus bemerkenswerter wären andere Informationen dieses Abends gewesen, die im Zuge der Sensationsberichterstattung leider untergegangen sind. So die Tatsache, dass sich Manager Rolf Dohmen vom Verwaltungsratsvorsitzenden Peter Mayer unwidersprochen eine Lüge vorhalten lassen mußte, da er in der "Bild am Sonntag" fälschlicherweise behauptet hatte, dass sein berüchtigter "Maserati-Vertrag" von Mayer abgezeichnet gewesen sei.

Oder wie sich Ex-Präsident Hubert Raase hinstellen und von einem schuldenfreien Verein sprechen konnte, wenn doch noch zig Besserungsscheine ausstehen. Denn dass diese in den Bilanzen nicht auftauchen müssen, heißt noch lange nicht, dass der Klub die hiermit verbundenen Beträge nicht eines Tages zurückzahlen muß. Und schließlich hätte man sicher auch näher darauf eingehen können, dass sich das Präsidium ohne ausreichendes Wissen oder Zustimmung des Verwaltungsrates auf Wertpapiergeschäfte eingelassen hatte und sich manchem Zuhörer die Frage stellen musste, mit wem denn diese abgeschlossen wurden.

Gräben müssen zugeschüttet werden

Einerlei. Paul Metzger sollte die Tatsache, dass ihm zum Einstand nicht jeder einen Blumenstrauß hat zukommen lassen, einfach zur Kenntnis nehmen und sich keinerlei Nebenkriegsschauplätze aufzwingen lassen. Zumal diese mit zu eingehender Beschäftigung nur unnötig aufgewertet oder gar legitimiert würden. Und das sind sie, ebenso wie ihre Verursacher, einfach nicht wert. Er weiß, dass sich die Widerstände gegen seine Person "nur mit wachsendem Erfolg" auflösen werden. Im Besonderen hofft er, "dass die zuletzt so rasch aufgeworfenen Gräben auch ebenso schnell wieder zugeschüttet werden können". Es ehrt ihn, dass dies nicht an seiner Person scheitern soll.

Der Autor ist Herausgeber und Chefredakteur von "Auf, Ihr Helden! Magazin für Fußballzeitgeschichten". Dreisigackers KSC-Kolumne "Nachspielzeit" erscheint in dieser Saison in loser Serie bei ka-news.

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